«Aus­ge­gli­che­ne Volks­wirt­schaft»

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - TM

Ita­li­en hat ei­ne di­ver­si­fi­zier­te Wirt­schaft, de­ren Rück­grat – im Un­ter­schied et­wa zu Frank­reich – KMU bil­den. An­ders als in Spa­ni­en oder Ir­land nach dem Plat­zen der Im­mo­bi­li­en und -ban­ken­bla­se ist in der Kri­se kein vi­ta­ler Sek­tor aus­ge­fal­len.

Von ei­ner «recht aus­ge­gli­che­nen Volks­wirt­schaft» spricht Mor­gan St­an­ley. Das Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zit sei klein und struk­tu­rell auf ei­ne ne­ga­ti­ve Ener­gie­bi­lanz zu­rück­zu­füh­ren (vgl. Gra­fik in der Mit­te). Nach ei­nem Re­fe­ren­dum hat Ita­li­en 1987 den Atom­aus­stieg voll­zo­gen. Das Land ver­fügt über kei­ne nen­nens­wer­te Bo­den­schät­ze und im­por­tiert sei­nen Ener­gie­be­darf, auch aus der Schweiz. Ita­li­en ist nach Deutsch­land und den USA der gröss­te Im­por­teur von Pro­duk­ten aus der Schweiz, die um­ge­kehrt nur noch aus Deutsch­land mehr als aus Ita­li­en kauft. Wich­tigs­ter Ex­port­sek­tor Ita­li­ens ist die Ma­schi­nen­in­dus­trie.

Das Han­dels­de­fi­zit schlies­se sich seit 2010 ra­pi­de und wer­de En­de nächs­ten Jah­res noch bei 1% lie­gen, schreibt Mor­gan St­an­ley. Grund ist die re­zes­si­ons­be­dingt klei­ne­re Im­port­nach­fra­ge und der wach­sen­de Über­schuss der Wa­ren­ex­por­te (oh­ne Ener­gie), die seit Be­ginn der Eu­ro­zo­ne über den Im­por­ten lä­gen. Dies wi­der­legt den My­thos, dass Ita­li­en seit Ein­füh­rung des Eu­ros in­ter­na­tio­nal nicht mehr kon­kur­renz­fä­hig sei. Ge­mäss Mor­gan St­an­ley wird des­halb auch oft über­se­hen, dass ei­ne ho­he Net­to­aus­land­ver­schul­dung – dass al­so das Land we­ni­ger For­de­run­gen ge­gen­über dem Aus­land hat als Schul­den – ei­ne Ei­gen­schaft al­ler Pe­ri­phe­rie­staa­ten ist, nicht aber Ita­li­ens. Ein wei­te­rer Un­ter­schied, vor al­lem zu Spa­ni­en: Die Ein­la­gen bei ita­lie­ni­schen Ban­ken sind auch in der Kri­se ge­stie­gen oder kon­stant ge­be­lie­ben, Ka­pi­tal­flucht ist kein The­ma.

Die Ar­beits­lo­sen­quo­te ist zwar auf ein Drei­zehn­jah­res­hoch ge­stie­gen, die Schät­zun­gen des IWF lie­gen aber noch un­ter dem Mit­tel der Eu­ro­zo­ne (ins­be­son­de­re un­ter je­nen Frank­reichs, das zum Eu­ro­kern ge­rech­net wird): 9,5% für 2012, 9,7% für 2013, 9,8% für 2014. Da­nach soll die Quo­te wie­der sin­ken. 2007 be­trug sie 6,1%.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.