Ka­pi­tal­märk­te ste­hen vor Wen­de

Nach­fra­ge nach An­lei­hen­emis­sio­nen könn­te bald weg­bre­chen – Ban­ken zu­rück am Markt – Ak­ti­en­emis­sio­nen fin­den wie­der Käu­fer

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - CLIFFORD PADEVIT,

AMehr Geld in Ak­ti­en

us Sicht des Ka­pi­tal­markts ist Fremd­fi­nan­zie­rung die bes­se­re Op­ti­on als Ei­gen­fi­nan­zie­rung. Denn ge­mes­sen an der Ent­wick­lung der Emis­si­ons­vo­lu­men im lau­fen­den Jahr, ha­pert es mit Ab­neh­mern von Ak­ti­en, hin­ge­gen stür­zen sich An­le­ger auf Un­ter­neh­mens­ob­li­ga­tio­nen. Doch die Stim­mung in Eu­ro­pa könn­te 2013 dre­hen.

Denn es gibt Er­ho­lungs­zei­chen im Ak­ti­en­ka­pi­tal­markt, wenn auch schwa­che. Die Vo­lu­men der Ers­te­mis­sio­nen (In­iti­al Pu­b­lic Of­fe­ring IPO) sind im lau­fen­den Quar­tal deut­lich ge­stie­gen. «IPO ha­ben im lau­fen­den Jahr funk­tio­niert und wir se­hen mehr Ak­ti­vi­tät bei po­ten­zi­el­len Emit­ten­ten», sagt Nick Wil­li­ams, Chef Ak­ti­en­ka­pi­tal­märk­te Cre­dit Suis­se für die Re­gi­on Eu­ro­pa, na­her Os­ten und Afri­ka (Emea). Es ge­be sub­stan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung vom Markt, die im kom­men­den Jahr an­hal­ten könn­te. Da­mit ist der Se­kun­där­markt an­ge­spro­chen, der als Früh­in­di­ka­tor für Emis­sio­nen gilt.

Bis auf we­ni­ge Aus­nah­men (dar­un­ter Chi­na-A-Ak­ti­en, Spa­ni­en) ha­ben Ak­ti­en­in­di­zes bis En­de No­vem­ber zu­ge­legt, wenn auch nicht über­all so klar wie in der Schweiz (SPI: +17% bis En­de No­vem­ber) und in Deutsch­land (Dax: +26%). Gleich­zei­tig hat sich das glo­ba­le Ri­si­ko­mass, die Vo­la­ti­li­tät im US-Ak­ti­en­markt, seit Som­mer et­was be­ru­higt. Die tur­bu­len­te Zeit hat­te meh­re­re IPO ver­un­mög­licht (Graff Dia­monds, Evo­nik oder For­mel 1). «Ak­ti­en­emis­sio­nen sind auf brei­te Nach­fra­ge ge­stos­sen, weil In­ves­to­ren wie­der Gel­der in Ak­ti­en an­le­gen wol­len», sagt Wil­li­ams. Pro­fi­tiert ha­ben Te­le­fó­ni­ca Deutsch­land ( Tele­com), Ta­lanx ( Ver­si­che­rung), EFG Fi­nan­ci­al Products (Fi­nanz) oder Di­rect Li­ne ( Ver­si­che­rung). Hält sich die­ser Trend, der von an­de­ren In­vest­ment­ban­kern be­stä­tigt wird, könn­ten die Vo­lu­men an­zie­hen. Das wä­re gut für Os­ram, die Lichts­par­te von Sie­mens, die im kom­men­den Jahr ko­tiert wer­den soll.

Be­vor aber gros­se Freu­de aus­bricht: Ak­ti­en­emis­si­ons­vo­lu­men (vgl. Gra­fik), da­zu zäh­len Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen und be­schleu­nig­te Plat­zie­run­gen un­ter in­sti­tu­tio­nel­len An­le­gern (Ac­ce­le­ra­ted Book Buil­ding), sind so nied­rig wie nie seit dem Jahr 2000. Letz­te­re sind für Emis­si­ons­ban­ken um­so be­deu­ten­der, je we­ni­ger IPO – die mehr Ge­büh­ren ein­brin­gen – auf den Markt kom­men (vgl. Gra­fik). Der Kon­kur­renz­kampf bei die­sen Plat­zie­run­gen, dar-

Ak­ti­en­emis­sio­nen Eu­ro­pa un­ter Sber­bank, Part­ners Group oder Con­ti­nen­tal, ist rie­sig, wie Ed­ward San­key, CoChef Ak­ti­en­ka­pi­tal­mär­ke Emea Deut­sche Bank, an ei­nem Me­di­en­ge­spräch be­merk­te. Trans­ak­tio­nen, die durch Auk­tio­nen ver­ge­ben wur­den, sei­en für Ge­win­ner «kaum wirt­schaft­lich» ge­we­sen.

Ganz an­ders als im Ak­ti­en­markt ist die La­ge für Un­ter­neh­mens­an­lei­hen. Be­reits be­vor die Bü­cher für 2012 ge­schlos­sen wer­den, steht fest, dass welt­weit ein neu­er Emis­si­ons­re­kord ver­zeich­net wur­de. In Eu­ro­pa ist es nach 2009 das zweit­bes­te je ver­zeich­ne­te Jahr (vgl. Gra­fik). «Der Trend, in In­vest­ment­gra­de-An­lei­hen zu in­ves­tie­ren, ist in­takt und es gibt viel Li­qui­di­tät im Markt», sagt Mat­thi­as Mi­nor, Lei­ter Un­ter­neh­mens­an­lei­hen-Emis­sio­nen bei RBS im deutsch­spra­chi­gen Eu­ro­pa. Er spricht die Gel­der an, die nach bes­se­rer Ren­di­te su­chen und ver­mehrt Un­ter­neh­mens­an­lei­hen ins Port­fo­lio neh­men.

Für Un­ter­neh­men könn­te es gar nicht bes­ser lau­fen und Fi­nanz­chefs nut­zen die Gunst der St­un­de zur Ver­bes­se­rung des Fi­nan­zie­rungs­pro­fils. «Emit­ten­ten wol­len Ver­pflich­tun­gen der Jah­re 2013 und 2014 vor­fi­nan­zie­ren und tie­fe Zin­sen si­chern», sagt Mi­nor, Bei­spie­le da­für sei­en No­var­tis, Ber­tels­mann oder Lan­xess. No­var­tis hat­te im Sep­tem­ber in ei­nem zwei­tei­li­gen Deal 2 Mrd. $ auf­ge­nom­men und be­zahlt auf der zehn­jäh­ri­gen Ob­li­ga­ti­on ei­nen Cou­pon von 2,4%, auf der dreis­sig­jäh­ri­gen ei­nen von 3,7%. Mit dem Geld konn­te un­ter an­de­rem ein kurz­fris­ti­ger 3,5%-Fran­kenbond ge­tilgt wer­den.

Hält die Nach­fra­ge an?

Mehr und mehr keh­ren auch Ban­ken zu­rück, die lan­ge vom Markt aus­ge­schlos­sen wa­ren. Bei­spiel da­für war die Emis­si­on der por­tu­gie­si­schen Ban­co Espi­ri­to San­to, Fi­nanz­schuld­ner aus der Eu­ro-Pe­ri­phe­rie sind wie­der ak­zep­tiert. Be­reits wird da­von

We­nig IPO ge­spro­chen, dass ein­zel­ne Ban­ken am Markt Geld auf­neh­men, um das Drei­jah­res­geld der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank, das vor ei­nem Jahr un­li­mi­tiert an­ge­bo­ten wur­de, vor­zei­tig zu­rück­zu­zah­len. Mi­les Mil­lard, Glo­bal­chef Ka­pi­tal­märk­te und Tre­a­su­ry-Lö­sun­gen der Deut­schen Bank, er­war­tet, «dass Ban­ken 2013 mehr Bi­lanz­struk­tur-Trans­ak­tio­nen und Ka­pi­tal­aus­ga­ben durch­füh­ren». Das ers­te be­trifft Rück­käu­fe oder Um­wand­lun­gen, um das Fi­nan­zie­rungs­pro­fil zu ver­bes­sern. Ka­pi­tal­aus­ga­ben sind sol­che, die zum re­gu­la-

An­lei­hen­emis­sio­nen Eu­ro­pa to­ri­schen Ka­pi­tal zäh­len, wie z. B. die kürz­lich emit­tier­te An­lei­he von Uni­Credit.

Ob der Trend 2013 zu An­lei­hen­emis­sio­nen an­hält, wird je­doch be­zwei­felt. Me­lis­sa Smith, Che­fin An­lei­hen­emis­sio­nen In­vest­ment­gra­de Emea bei J. P. Mor­gan, sag­te an ei­nem Me­di­en­ge­spräch: «Wenn In­ves­to­ren nicht mehr so viel Ren­di­te wie 2012 krie­gen, ist es gut mög­lich, dass die Nach­fra­ge ab­nimmt». Im lau­fen­den Jahr liegt die Ren­di­te bei ho­hen 12%. Eben­falls vor­sich­tig ist Mil­lard: «Wir wer­den se­hen, wie viel Saft im An­lei­hen­markt üb­rig ist».

Phar­ma­kon­zern No­var­tis hat die vor­teil­haf­ten Be­din­gun­gen am An­lei­hen­markt ge­nutzt.

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