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Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - KR

Es ist nicht mehr so sehr die Furcht vor ei­nem Staats­bank­rott, die in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren in Eu­ro­pa um­treibt. Mehr Sor­gen be­rei­tet ih­nen, wie im Nied­rig­zins­um­feld ei­ne halb­wegs zu­frie­den­stel­len­de Ren­di­te zu er­wirt­schaf­ten ist. Dies geht aus der jüngs­ten halb­jähr­li­chen Ris­kMo­ni­tor-Um­fra­ge von Al­li­anz Glo­bal In­ves­tors (Al­li­anz GI) her­vor. Sa­hen vor Jah­res­frist noch 35% der Be­frag­ten das staat­li­che Aus­fall­ri­si­ko als ein gros­se Ge­fahr an, so sind es nur noch 13%. Auch die Vo­la­ti­li­tät ver­liert an Be­deu­tung. Nur noch 9% der 155 Um­fra­ge­teil­neh­mer aus Eu­ro­pa se­hen sie als gros­ses Ri­si­ko an, vor ei­nem Jahr wa­ren es drei­mal so vie­le. Von Ent­span­nung den­noch kei­ne Spur: Der An­teil der­je­ni­gen, die die Ri­si­ken von Ex­tre­mer­eig­nis­sen als hoch an­se­hen, hält sich sta­bil bei 15%.

Sor­gen be­rei­ten die nied­ri­gen, teil­wei­se ne­ga­ti­ven Zin­sen auf Staats­an­lei­hen höchs­ter Bo­ni­tät. Das ist für über 20% der Be­frag­ten ein gros­ses Pro­blem. Dar­über hin­aus sor­gen sich mehr In­ves­to­ren, dass das Nied­rig­zins­um­feld noch län­ge­re Zeit be­ste­hen bleibt. Be­fragt da­nach, was ih­nen nachts den Schlaf raubt, ant­wor­te­ten 25%: die fi­nan­zi­el­le Re­pres­si­on.

Ver­trau­en ver­lo­ren

Die Um­fra­ge­er­geb­nis­se zeig­ten, dass vie­le An­le­ger das Ver­trau­en in die Märk­te ver­lo­ren hät­ten, fol­gert Ja­mes Dil­worth, Eu­ro­pa­chef von Al­li­anz GI. Das sei nicht ver­wun­der­lich, denn schliess­lich sei die Kurs­ent­wick­lung kaum noch durch An­ge­bot und Nach­fra­ge ge­trie­ben, son­dern hän­ge von den Zen­tral­ban­ken ab. Die­se hät­ten mit ih­rer Li­qui­di­täts­schwem­me den Markt­me­cha­nis­mus fak­tisch aus­ser Kraft ge­setzt und ein bi­nä­res Markt­um­feld ge­schaf­fen: «Risk on, Risk off».

Laut Dil­worth wird die Re­gu­lie­rung zu­neh­men, nicht nur zur Markt­sta­bi­li­sie­rung, son­dern auch, um den Staa­ten bei der Schul­den­ver­rin­ge­rung zu hel­fen. «In die­sem Zu­sam­men­hang ver­wun­dert es nicht, dass Än­de­run­gen der Ei­gen­ka­pi­tal­an­for­de­run­gen An­la­gen in Staats­an­lei­hen be­güns­ti­gen. Dies grei­fe mas­siv in die Ent­schei­dung von In­sti­tu­tio­nel­len und Pen­si­ons­fonds ein und wir­ke pro­zy­klisch – «ei­ne wei­te­re Fa­cet­te der fi­nan­zi­el­len Re­pres­si­on».

Vor Bla­se ge­warnt

Al­li­anz-Ri­si­ko­stra­te­ge Rein­hold Haf­ner for­dert Um­den­ken. Um die not­wen­di­gen Ziel­ren­di­ten zu er­rei­chen, sei ei­ne stär­ke­re Al­lo­ka­ti­on in ri­si­ko­be­haf­te­ten An­la­gen un­ab­ding­bar. Die Be­deu­tung un­kor­re­lier­ter Er­trags­quel­len ha­be zu­ge­nom­men. Ein leis­tungs­fä­hi­ges Ri­si­ko­ma­nage­ment sei in der La­ge, ei­nen Teil des Ri­si­ko­an­stiegs zu kom­pen­sie­ren, der aus ei­ner ver­än­der­ten Al­lo­ka­ti­on re­sul­tiert.

Ein ge­misch­tes Bild er­gab sich bei der Fra­ge nach den ge­eig­ne­ten Sub­sti­tu­ten für Staats­an­lei­hen. Die mit 68,8% meist­ge­nann­te Al­ter­na­ti­ve wa­ren Un­ter­neh­mens­an­lei­hen – ob­wohl ei­ni­ge der Be­frag­ten da­vor warn­ten, dass in den kom­men­den sechs bis zwölf Mo­na­ten ei­ne Be­wer­tungs­bla­se ent­ste­hen könn­te. In­ter­es­san­ter­wei­se wa­ren Schwel­len­län­der­ak­ti­en als Al­ter­na­ti­ve po­pu­lä­rer als Ti­tel aus den In­dus­trie­län­dern. Es zeig­te sich auch, dass eu­ro­päi­sche in­sti­tu­tio­nel­le An­le­ger ein re­la­tiv star­kes Ver­trau­en in die Emer­ging Mar­kets ha­ben. Be­fragt nach dem Haupt­hin­der­nis für In­ves­ti­tio­nen in Asi­en ga­ben nur 4% an, dass sie die Fun­da­men­tal­da­ten dort als schwä­cher ein­stu­fen als an­ders­wo. Trotz Sor­gen über Li­qui­di­tät und Trans­pa­renz wol­len 58% der Be­frag­ten ih­re In­ves­ti­tio­nen in Asi­en vor­aus­sicht­lich er­hö­hen.

Fünf Haupt-Fi­nanz­ri­si­ken

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