Kla­re Ver­bes­se­run­gen blei­ben die Aus­nah­me

Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes in Eu­ro­pa und USA fal­len durch­wach­sen aus – Schwei­zer Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren über­ra­schend po­si­tiv – For­scher sen­ken den­noch Pro­gno­sen

Finanz und Wirtschaft - - KONJUNKTURSPIEGEL - ANDRE­AS NEINHAUS

Der Sch­lin­ger­kurs der in­ter­na­tio­na­len Kon­junk­tur, der das Jahr 2012 präg­te, dau­ert bis zu­letzt an. Ge­ra­de erst wur­de die Schät­zung des USB­rut­to­in­land­pro­dukts (BIP) des drit­ten Quar­tals nach oben re­vi­diert, schon folgt die nächs­te Hi­obs­bot­schaft. Die Furcht vor ei­nem Sturz über die fis­ka­li­sche Klip­pe – der au­to­ma­ti­schen Ver­hän­gung sub­stan­zi­el­ler Ein­spa­run­gen des Staats – hat da­zu ge­führt, dass der Ein­kaufs­ma­na­ger­index im No­vem­ber un­ter die Wachs­tums­schwel­le von 50 ge­rutscht ist.

Die In­dus­trie bleibt ge­schwächt. Die Ge­fahr ei­ner tem­po­rä­ren Kon­trak­ti­on nächs­tes Jahr lässt sich nicht von der Hand wei­sen, so­lan­ge sich Prä­si­dent und Kon­gress nicht auf ei­ne Sa­nie­rung ei­ni­gen.

In­dus­trie deut­lich sta­bi­ler

In Eu­ro­pa ha­ben sich die kon­junk­tu­rel­len Zei­chen nicht wirk­lich zum Po­si­ti­ven ge­wen­det. In den Nie­der­lan­den und in Ita­li­en schwäch­ten sich die PMI-In­dus­trie-

Schwei­zer Kon­junk­tur­pro­gno­sen in­di­zes im No­vem­ber wei­ter ab. In den meis­ten üb­ri­gen Eu­ro­staa­ten wur­den nur spär­li­che Ver­bes­se­run­gen in den Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes ver­bucht. Stark ge­stie­gen ist der Früh­in­di­ka­tor in Ös­ter­reich, wo er von un­ter 45 auf 49,3 Punk­te sprang.

Auch beim west­li­chen Nach­barn häu­fen sich die Bes­se­rungs­si­gna­le. Nach dem er­freu­li­chen Tem­po­ge­winn des Schwei­zer

Mar­kan­ter Wachs­tums­schub des Schwei­zer BIP

Rea­les Brut­to­in­land­pro­dukt (In­dex) BIP im drit­ten Quar­tal ist der Ein­kaufs­ma­na­ger­index den zwei­ten Mo­nat in Fol­ge hö­her aus­ge­fal­len. Er stieg im No­vem­ber 2,4 auf 48,5 Punk­te.

Zu dem Auf­wärts­schub hat pri­mär ei­ne Wen­de in der Pro­duk­ti­on bei­ge­tra­gen. Und das mit ei­ner Dy­na­mik, wie sie zu­letzt im Früh­ling 2011 ver­zeich­net wur­de. Die Pro­duk­ti­on no­tier­te im No­vem­ber 55,9 Zäh­ler (Ok­to­ber: 48). Sie ist zum Wachs­tums­mo­tor avan­ciert.

Der Auf­trags­be­stand nimmt zwar wei­ter ab, doch hat sich der Rück­gang si­gni­fi­kant ver­lang­samt. Vie­le In­dus­trie­be­trie­be sei­en von der Nach­fra­ge über­rascht wor­den, ver­mu­ten CS und Pro­cu­re.ch, die den PMI her­aus­ge­ben. Denn die Ein­kaufs­und Ver­kaufs­la­ger wur­den be­schleu­nigt ab­ge­baut. Tei­le der Nach­fra­ge muss­ten aus den Be­stän­den be­frie­digt wer­den.

We­ni­ger Wachs­tum er­war­tet

Das lässt auf Pro­duk­ti­ons­stei­ge­run­gen in den kom­men­den Mo­na­ten hof­fen. Der In­dus­trie­sek­tor wird nach rund ei­nem Jahr end­lich die Re­zes­si­on ver­las­sen.

Der Chef­öko­nom von Eco­no­mie­su­is­se, Ru­dolf Minsch, bleibt aber skep­tisch. Nach wie vor prä­sen­tie­re sich die La­ge für die Schwei­zer Wirt­schaft nicht ro­sig, wenn auch deut­lich bes­ser als in den meis­ten Eu­ro­staa­ten. Er rech­net da­mit, dass sich die we­sent­li­chen Trends im nächs­ten Jahr fort­set­zen wer­den: Die Nach­fra­ge nach Schwei­zer Pro­duk­ten und Di­enst­leis­tun- gen in Eu­ro­pa wird wei­ter ab­neh­men, der star­ke Fran­ken wird den Ex­port be­hin­dern und der Man­gel an Fach­kräf­ten dem Wachs­tum von Un­ter­neh­men in der Schweiz Gren­zen set­zen. Das Wirt­schafts­wachs­tum wird ge­mäss Eco­no­mie­su­is­se 2013 mit 0,6% schwach aus­fal­len.

Das bes­ser als er­war­te­te Quar­tals-BIP hat man­chen Kon­junk­tur­for­scher da­zu ver­an­lasst, im Ge­gen­zug die Pro­gno­se für 2013 nach un­ten zu kor­ri­gie­ren. Zürcher Kan­to­nal­bank geht neu von 1% BIPWachs­tum aus statt 1,5%. Gold­man Sachs ver­an­schlagt eben­falls nur noch 1%. Bank Ju­li­us Bär führt das un­te­re Band des Spek­trums und sagt für 2013 ei­ne Sta­gna­ti­on vor­aus. In den Vor­her­sa­gen schwingt die Sor­ge über die Aus­sich­ten in Eu­ro­land mit, nach­dem im­mer mehr er­war­ten, dass die Re­zes­si­on dort die Jah­res­wen­de über­dau­ern wird.

An­de­rer Mei­nung ist Bak Ba­sel. Chef­öko­nom Bo­ris Zürcher hielt am Di­ens­tag an sei­ner bis­he­ri­gen Pro­gno­se fest. Al­ler­dings hat­te er schon zu­vor mit ei­ner BIPVor­her­sa­ge für die Schweiz von 1,2% die Lat­te nicht all­zu hoch ge­legt.

Man muss noch lan­ge su­chen, um die ers­ten Kon­junk­tur­schöss­lin­ge zu fin­den. Aber es gibt sie.

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