Die wirt­schaft­lich dy­na­mischs­ten In­dus­trie­staa­ten 2013

OECD be­wer­tet Tsche­chi­en als in­ter­es­san­tes­ten Tur­naround-kan­di­da­ten – Be­schleu­ni­gung des Welt­han­dels und der glo­ba­len In­dus­trie­kon­junk­tur spie­len Süd­ko­rea zu

Finanz und Wirtschaft - - KONJUNKTURSPIEGEL - AN

Ak­ti­en­kur­sen wird un­ter­stellt, sie wür­den den Gang der Wirt­schaft an­ti­zi­pie­ren. Tat­säch­lich fan­gen sie die Er­war­tun­gen der In­ves­to­ren über die künf­ti­gen Er­trags­ent­wick­lung der Un­ter­neh­men, die Geld­po­li­tik der No­ten­bank und die In­fla­ti­on ein. Die­se Er­war­tun­gen kön­nen sich als rich­tig oder als falsch er­wei­sen. In­so­fern sind sie den Pro­gno­sen der Kon­junk­tur­for­scher nicht grund­sätz­lich über­le­gen.

Die Kur­se neh­men aber neue In­for­ma­tio­nen ra­scher auf. Da­für sind sie stär­ker vor­über­ge­hen­den Stim­mun­gen und Mei­nun­gen un­ter­wor­fen. Wäh­rend die Öko­no­men sich für ih­re Vor­her­sa­gen al­lein auf wirt­schaft­li­che Trends stüt­zen, die über

Tsche­chi­sche Re­pu­blik kurz­fris­ti­ge Schwan­kun­gen hin­weg Be­stand ha­ben soll­ten. Auch sie müs­sen ih­re An­nah­men re­vi­die­ren, so­bald neue Da­ten vom ge­schätz­ten Trend ab­wei­chen. Ei­ne Gewähr für Rich­tig­keit bie­ten sie nicht. Im Ide­al­fall set­zen sich die An­nah­men am En­de durch und pas­sen sich die Ak­ti­en der Rea­li­tät an. Dann hät­te es sich ge­lohnt, früh auf die wirt­schaft­lich dy­na­mischs­ten Län­der zu set­zen.

In der Ta­bel­le sind die in­ter­es­san­tes­ten Kan­di­da­ten für 2013 auf­ge­führt. Es han­delt sich um je­ne In­dus­trie­län­der, de­ren Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) nach Mei­nung der Öko­no­men am kräf­tigs­ten an­zie­hen wird. Auf­ge­führt sind nur Mit­glied­staa­ten

Süd­ko­rea der OECD, al­so nicht Chi­na, Bra­si­li­en, In­di­en etc., die der Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung nicht an­ge­hö­ren.

Den gröss­ten kon­junk­tu­rel­len Tur­naround traut der Öko­no­men­stab der OECD der Tsche­chi­schen Re­pu­blik zu. Das Land ist die­ses Jahr in ei­ne Re­zes­si­on ge­rutscht und wird im Jah­res­durch­schnitt 2013 nur ma­ge­re 0,8% wach­sen. Aber die­ser Durch­schnitt ver­schlei­ert die Dy­na­mik der Er­ho­lung: Im vier­ten Quar­tal 2013 soll ge­mäss OECD das BIP 1,7% stei­gen, wäh­rend es im lau­fen­den Vier­tel­jahr tief im Mi­nus steckt. Gold­man Sachs ist, was das Er­ho­lungs­tem­po be­trifft, vor­sich­ti­ger und

Neu­see­land er­war­tet, dass die Rück­kehr auf ei­nen stei­len Wachs­tums­pfad bis 2014 auf sich war­ten lässt. Aber über das Po­ten­zi­al sind sich die Au­gu­ren ei­nig. Tsche­chi­ens No­ten­bank hat den Leit­zins auf 0,05% ge­senkt, um die Wirt­schaft zu sti­mu­lie­ren und die Wäh­rung schwach zu hal­ten, was dem wich­ti­gen Ex­port­sek­tor hilft.

Ähn­lich ar­gu­men­tie­ren die Ex­per­ten für Un­garns wirt­schaft­li­che Er­ho­lung im kom­men­den Jahr. 2012 war hart, das Land be­fin­det sich in der Re­zes­si­on. Die in­län­di­sche Nach­fra­ge und die In­ves­ti­ti­ons­plä­ne lei­den un­ter den Spar­mass­nah­men der Re­gie­run­gen, um den Haus­halt zu sa­nie­ren. Die No­ten­bank senkt die Leit­zin­sen nur vor­sich­tig, zu­letzt auf 6%. Die Ge­sprä­che mit dem IWF über ei­ne Hil­fe kom­men nicht vom Fleck. S&P hat die Bo­ni­täts­no­te auf BB her­ab­ge­setzt. Es gibt al­so ge­nü­gend Grün­de, um skep­tisch zu sein. Aber die OECD-Öko­no­men stel­len sich auf ei­ne deut­li­che Bes­se­rung ein.

Kei­ne Wen­de­kan­di­da­ten son­dern Wachs­tums­spit­zen­rei­ter un­ter den OECDStaa­ten sind nächs­tes Jahr Süd­ko­rea und Neu­see­land. In bei­den Län­dern fes­tigt sich die wirt­schaft­li­che Er­ho­lung. Für Süd­ko­rea sa­gen die Öko­no­men ei­ne BIPS­tei­ge­rung von 3,8% im vier­ten Quar­tal 2013 vor­aus. Neu­see­land soll dann eben­falls über 3% wach­sen. Die Öko­no­men bau­en auf ei­ne Bes­se­rung des Welt­han­dels und der glo­ba­len Ver­ar­bei­tungs­in­dus­trie. Süd­ko­reas Ex­por­te sind ein ver­läss­li­cher In­di­ka­tor da­für. Zu­letzt ha­ben sie an Fahrt ge­won­nen – und die zu­ver­sicht­li­chen Er­war­tun­gen der For­scher be­stä­tigt.

Die mar­kan­tes­ten kon­junk­tu­rel­len Ein­bus­sen sa­gen sie in­des für die Eu­ro­pe­ri­phe­rie vor­aus: Selbst wenn dort die Mi­nus­ra­ten ge­rin­ger aus­fal­len soll­ten als 2012. Be­trof­fen sind aber auch an­de­re am Rand. Finn­land ge­hört 2013 eben­falls zu den Ver­lie­ren, ge­nau­so wie Slo­we­ni­en.

Rea­les BIP-Wachs­tum: die Ver­lie­rer

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