Pa­ket­lö­sung un­ter Druck

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - PE­TER MORF

Bür­ger­li­che Par­tei­en wol­len die Re­form der Al­ters­vor­sor­ge be­schleu­ni­gen. Es kommt Be­we­gung in die De­bat­te über die Re­form der Al­ters­vor­sor­ge. Es ist auch höchs­te Zeit, denn in den zwei Jah­ren, seit die 11. AHV-Re­vi­si­on im Par­la­ment ge­schei­tert ist, ist in der Sa­che nichts mehr ge­sche­hen – ob­wohl die Zeit drängt. Ge­gen En­de No­vem­ber hat In­nen­mi­nis­ter Alain Ber­set die Eck­wer­te ei­nes gros­sen Re­form­pa­kets prä­sen­tiert (vgl. FuW Nr. 93 vom 24. No­vem­ber). Er will die AHV und die be­ruf­li­che Vor­sor­ge (BVG) par­al­lel in ei­nem gros­sen Wurf bis 2020 sa­nie­ren. Den bür­ger­li­chen Par­tei­en dau­ert das zu lan­ge. BDP, CVP, FDP, Grün­li­be­ra­le und SVP ha­ben sich zu­sam­men­ge­rauft und ei­ne Al­li­anz für ei­ne schnel­le Re­form ge­bil­det.

Sie ha­ben am Di­ens­tag ih­re Ide­en prä­sen­tiert. In der Stoss­rich­tung stimmen sie mit Ber­sets Pro­gramm über­ein, wol­len ein­zel­ne Mass­nah­men aber vor­zie­hen. Da­hin­ter steht die rich­ti­ge Er­kennt­nis, dass die Zeit drängt und in Ber­sets Fahr­plan kein Spiel­raum be­steht: Ge­lingt der gros­se Wurf nicht, blei­ben nur noch Not­mass­nah­men.

Die bür­ger­li­che Al­li­anz will in zwei Be­rei­chen mög­lichst rasch ak­tiv wer­den. Ge­for­dert wird zu­nächst ei­ne Schul­den­brem­se in der AHV. Das In­stru­ment, das sich im Bun­des­haus­halt so be­währt hat, soll ver­hin­dern, dass das So­zi­al­werk in ei­ne ver­hee­ren­de De­fi­zit­spi­ra­le ge­rät. Die ge­naue Aus­ge­stal­tung der Schul­den­brem­se ist noch of­fen; im Ja­nu­ar 2013 soll ein ent­spre­chen­der Vor­stoss in der Kom­mis­si­on für so­zia­le Si­cher­heit und Ge­sund­heit ein­ge­reicht wer­den. Zu­dem wird ei­ne ra­sche An­glei­chung des Ren­ten­al­ters der Frau­en auf 65 Jah­re ge­for­dert. Ein im Stän­de­rat schlum­mern­der ent­spre­chen­der Vor­stoss soll rasch re­ak­ti­viert wer­den. Ge­gen die Vor­ha­ben der bür­ger­li­chen Al­li­anz ist in­halt­lich nichts ein­zu­wen­den. Bei­de The­men sind üb­ri­gens auch Ge­gen­stand von Ber­sets Pa­ket. Nur: Die Al­li­anz legt das Schwer­ge­richt auf die AHV. Der Hand­lungs­be­darf ist je­doch im BVG drin­gen­der – es wer­den schon heu­te in gros­sem Um­fang Ren­ten aus­ge­zahlt, die nicht fi­nan­ziert sind. Dar­auf hat auch ei­ne vor Wo­chen­frist pu­bli­zier­te Stu­die der Uni­ver­si­tät St. Gal­len hin­ge­wie­sen (vgl. FuW Nr. 96 vom 5. De­zem­ber). Grund ist vor al­lem der viel zu ho­he Um­wand­lungs­satz. Die bür­ger­li­che Al­li­anz hielt da­zu – et­was hilf­los – nur fest, sie wol­le auch da ak­tiv wer­den, sei aber noch nicht so weit.

Der gros­se Wurf von Bun­des­rat Ber­set dürf­te schei­tern. Da­für wird letzt­lich die Rea­li­tät sor­gen, im BVG kön­nen die Re­for­men nicht bis 2020 war­ten. Ei­ne Auf­tei­lung in klei­ne­re Schrit­te hat zu­dem den Vor­teil, dass ei­ne Ku­mu­la­ti­on der Geg­ner­schaft ein­zel­ner Punk­te zu ei­ner ab­leh­nen­den Ge­samt­mehr­heit aus­ge­schlos­sen ist. Den Ernst der La­ge nach wie vor nicht be­grif­fen hat Ber­sets Par­tei, die SP. Sie hat die Bür­ger­li­chen in ei­ner Me­di­en­mit­tei­lung als «He­cken­schüt­zen» und «rei­ne So­zi­al­ab­bau­er» dif­fa­miert. Ge­nos­se Ber­set harrt noch viel Auf­klä­rungs­ar­beit.

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