Ciao, Su­per Ma­rio

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Aus­te­ri­tät ist un­de­mo­kra­tisch. Das scheint in Ita­li­en ein durch­aus po­pu­lä­rer Trug­schluss zu sein. Schliess­lich hat die Tech­no­kra­ten­re­gie­rung des nicht ge­wähl­ten Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ma­rio Mon­ti sie ver­ord­net. Der Um­kehr­schluss trifft lei­der zu: De­fi­zi­te sind de­mo­kra­tisch. Ho­he Staats­schul­den und chro­ni­sche Neu­ver­schul­dung sind das Mar­ken­zei­chen vie­ler, wenn nicht der meis­ten re­prä­sen­ta­ti­ven De­mo­kra­ti­en. Längst nicht nur Ita­li­ens (vgl. Sei­te 22). Es reicht nicht, in Zei­ten höchs­ter Not qua­si we­ni­ger De­mo­kra­tie zu wa­gen und vor­über­ge­hend ei­nen (Bei­na­he-) Kon­kurs­ver­wal­ter zu be­voll­mäch­ti­gen. Die De­mo­kra­tie er­le­digt sich selbst, wenn sie die, Par­don, Drecks­ar­beit nicht selbst er­le­digt. Sie muss weg­kom­men von der fort­lau­fen­den Wäh­ler­be­ste­chung mit un­ge­deck­ten Schecks: vom Ver­tei­len an die Kli­en­tel, auf Pump – zu­las­ten künf­ti­ger Ge­ne­ra­tio­nen. Da­für tra­gen so­wohl die Be­rufs­po­li­ti­ker wie auch die­je­ni­gen die Ver­ant­wor­tung, die zwar Po­li­ti­ker ver­ach­ten, doch ih­re par­ti­ku­lä­ren An­sprü­che zäh ver­tei­di­gen und ent­spre­chend wäh­len.

Es geht nicht al­lein dar­um, die In­sol­venz Ita­li­ens etc. zu ver­mei­den. Auf dem Spiel steht die par­la­men­ta­ri­sche De­mo­kra­tie an sich. Fin­den ge­wähl­te Po­li­ti­ker nicht den Mut, statt des kurz­fris­tig Po­pu­lä­ren das lang­fris­tig Rich­ti­ge zu tun, dann droht mit der Zeit Schlim­me­res als bloss ein Fach­leu­te­ka­bi­nett ad in­te­rim. Soll­te sich in Rom ei­ne de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­te Re­gie­rung zu Struk­tur­re­for­men durch­rin­gen, wä­re das ge­sün­der und eher er­folg­ver­spre­chend als Mon­ti da ca­po. Ver­fie­le je­doch Ita­li­ens Po­li­tik nach Mon­ti wie­der in ge­wohn­te «de­mo­kra­ti­sche» Un­sit­te – Pro­ble­me nicht an­spre­chen, schon gar nicht an­pa­cken, am liebs­ten noch mit von Deutsch­land ge­zeich­ne­ten Eu­ro­bonds über­kleis­tern –, dann buo­na not­te.

Mon­ti sagt es tref­fend: «Ich glau­be, dass Re­for­men nicht rich­tig grei­fen, so­lan­ge sie nicht in die Kul­tur der Men­schen ein­wir­ken.»

Res­sort­lei­ter zum The­ma Tech­no­kra­ten oder De­mo­kra­ten

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