CEO von Hedge Fund Man geht

GB

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Nach gut sechs Jah­ren nimmt Pe­ter Clar­ke als Chef des bri­tisch-schwei­ze­ri­schen Hedge-Fund-An­bie­ters Man Group den Hut. Ge­mäss der Me­di­en­mit­tei­lung zu sei­nem Ab­gang per En­de Fe­bru­ar heisst es, der 53-Jäh­ri­ge wol­le sich nach zwan­zig Jah­ren beim Un­ter­neh­men früh­pen­sio­nie­ren las­sen und das Zep­ter an Em­ma­nu­el Ro­man, der bis­her als Ope­ra­ti­ver Chef (COO) tä­tig war, wei­ter­ge­ben.

Wä­re der Ak­ti­en­kurs al­lei­ni­ges Kri­te­ri­um für die Leis­tung von Clar­kes, dann hat er ei­ne schlech­te Ar­beit ab­ge­lie­fert (vgl. Gra­fik un­ten). Al­ler­dings war er erst kurz vor der Fi­nanz­kri­se, im März 2007, vom Fi­nanz­chef zum CEO auf­ge­stie­gen. Der Druck auf ihn wur­de aber grös­ser, als nach der Fi­nanz­kri­se die Neu­aus­rich­tung des Kon­zerns auf sich war­ten liess und die Ge­win­ne san­ken. 2011 ga­ben die Ak­ti­en rund 60% nach, im lau­fen­den Jahr sind es er­neut 40%. Im Ju­ni fie­len die Ak­ti­en aus dem Lon­do­ner Re­fe­ren­z­in­dex FTSE-100.

An­ge­sichts die­ser Kurs­ent­wick­lung war in brei­ten Krei­sen da­mit ge­rech­net wor­den, dass Clar­ke bald ab­tre­ten könn­te. Die «Fi­nan­ci­al Ti­mes» hat­te im Früh­jahr be­rich­tet, meh­re­re nicht ge­nann­te in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren hät­ten ge­gen­über dem Ver­wal­tungs­rat ih­ren Un­mut ge­äus­sert.

Bü­ro Pfäf­fi­kon ver­klei­nert

Clar­ke agier­te glück­los, in ei­nem wid­ri­gen Um­feld, der Tur­naround liess auf sich war­ten. Zum Bei­spiel die Ren­di­te des Trend­fol­ge­fonds AHL. Nach dem Glanz­jahr 2008 (Ge­winn: 33%) lie­fer­te der Fonds mehr schlech­te als rech­te Ren­di­ten. So­wohl 2009 (–17%) als auch 2011 (–7%) ver­lor der Fonds Geld, im lau­fen­den Jahr liegt AHL er­neut im Mi­nus (–7%). Wäh­rend das Vor­zei­chen der Ren­di­ten dem HFR-In­dex für ver­gleich­ba­re Fonds ent­spricht, so wa­ren die Ver­lus­te von AHL je­weils grös­ser.

Hin­zu kommt der Mit­tel­ab­fluss im frü­he­ren zwei­ten Stand­bein mit Schwei­zer Kern, dem Fund-of-Hedge-Funds-Ge­schäft (heu­te Mul­ti­ma­na­ger). Zu bes­ten Zei­ten ver­wal­te­te die­ser Be­reich 46 Mrd. $, En­de Ju­ni, be­vor der über­nom­me­ne Kon­kur­rent FRM in­te­griert wur­de, wa­ren es noch gut 10 Mrd. $. An­ge­fan­gen hat der Mit­tel­ab­fluss 2008 und wur­de ver­stärkt, weil dem Be­trü­ger Ber­nard Mad­off Geld an­ver­traut wor­den war. Die­ser Vor­fall hat al­len ähn­li­chen An­bie­tern ge­scha­det. Am Schwei­zer Stand­ort in Pfäf­fi­kon (SZ), noch heu­te of­fi­zi­ell der zwei­te Grup­pen­haupt­sitz, hat­te dies be­deu­ten­de Kon­se­quen­zen. Die Mit­ar­bei­ter­zahl in Pfäf­fi­kon wird auf zwi­schen 200 und 300 ge­schätzt (Zahl wird nicht an­ge­ge­ben), die al­le in ei­nem Ge­bäu­de Platz fin­den. Vor der Fi­nanz­kri­se wa­ren es ge­schätz­te rund 600 Mit­ar­bei­ter ge­we­sen, ver­teilt auf drei Ge­bäu­de.

Kei­ne Wun­der zu er­war­ten

Clar­ke wird zu­dem vor­ge­hal­ten, der Preis für den Kauf des Hedge Funds GLG vor zwei Jah­ren sei zu hoch ge­we­sen. Al­ler­dings hat das Pro­fil der Grup­pe durch den Zu­kauf ge­won­nen, die Ab­hän­gig­keit von AHL wur­de re­du­ziert. Und der neue CEO, Em­ma­nu­el Ro­man, ein frü­he­rer Gold­man-Sachs-Part­ner, der von al­len «Man­ny» ge­nannt wird, kam mit GLG zu Man.

Auf ein ra­sches Wun­der des neu­en Chefs – seit zwei Jah­ren an Bord – zu set­zen wä­re falsch. Letzt­lich blei­ben die Her­aus­for­de­run­gen gleich: Die Ver­mö­gens­ba­sis muss sta­bi­li­siert, die Ren­di­ten von AHL ver­bes­sert und die Ein­künf­te er­höht wer­den. Selbst dann ist der Er­folg un­si­cher, denn An­le­ger ma­chen kei­ne An­stal­ten, in gros­sem Stil Hedge Funds zu kau­fen.

Man Group

Den Re­gio­nal­ban­ken ist nichts so wich­tig wie ih­re Ei­gen­stän­dig­keit. Die lo­ka­le Ver­an­ke­rung ist ihr Vor­teil.

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