Va­li­ant muss sich frei­kau­fen

SCHWEIZ Ak­tio­närs­ver­trag der Re­gio­nal­ban­ken-hol­ding sieht In­ves­ti­ti­ons­ent­schä­di­gung bei Aus­trit­ten vor

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - MO­NI­CA HEGG­LIN

Va­li­ant ist das Schwer­ge­wicht un­ter den Re­gio­nal­ban­ken. Der un­ge­lieb­te Ber­ner Ko­loss ist der gröss­te Be­zü­ger und der wich­tigs­te Zah­ler von Di­enst­leis­tun­gen im Rah­men des Re­gio­nal­ban­ken­ver­bands RBA. Wenn Va­li­ant in­fol­ge ei­ner Über­nah­me von RBA ab­springt, müs­sen sich die üb­ri­gen Re­gio­nal­ban­ken et­was ein­fal­len las­sen.

Sie ha­ben ih­ren Sitz in Zu­z­wil, Küt­ti­gen, Kirch­le­erau und Schüpf­heim. In den Ver­wal­tungs­rä­ten sit­zen Land­wir­te und Hand­wer­ker. Den Re­gio­nal­ban­ken ge­mein­sam ist der Wil­le zur Un­ab­hän­gig­keit. Eben­so cha­rak­te­ris­tisch wie die Nä­he zu den Kun­den ist ih­re Nä­he zu den Ei­gen­ka­pi­tal­ge­bern, die selbst zum gros­sen Teil aus den Ein­zugs­ge­bie­ten der Ban­ken stam­men. Und ihr Kos­ten-Er­trags-Ver­hält­nis ist gar nicht so schlecht (vgl. Ta­bel­le).

RBA-Mo­dell über­den­ken

Für Aus­sen­ste­hen­de kaum nach­voll­zieh­bar, aber ty­pisch Re­gio­nal­bank ist ein Vor­gang im No­vem­ber. Die Fu­si­on der Spar- und Leih­kas­se Münsin­gen mit der Ber­ner­land Bank in Su­mis­wald ist am Wi­der­stand der Münsin­ger Ak­tio­nä­re ge­schei­tert. Grös­sen­wahn à la Va­li­ant ist den «ech­ten Re­gio­nal­ban­ken» ein Gräu­el. Das ist ei­ner der Grün­de, wie­so die Dach­ge­sell­schaft der Re­gio­nal­ban­ken, die RBAHol­ding, nur teil­wei­se funk­tio­niert. Es gibt zwar Ge­mein­schafts­wer­ke, aber kein Grup­pen­den­ken und kei­ne Mar­ke, die – ähn­lich wie bei Raiff­ei­sen – ei­ne ideo­lo­gi­sche Klam­mer bil­den könn­te. Von ei­ner straf­fen Füh­rung à la Raiff­ei­sen wa­ren die RBA-Ban­ken bis­her nicht zu über­zeu­gen.

Die RBA-Grup­pe ist ei­ne Ge­mein­schafts­or­ga­ni­sa­ti­on von Re­gio­nal­ban­ken. Ziel der Grup­pe ist die Exis­tenz­si­che­rung der RBA-Ban­ken un­ter Wah­rung ih­rer ju­ris­ti­schen Un­ab­hän­gig­keit. Die RBA lie­fert über ih­re Toch­ter­ge­sell­schaf­ten Di­enst­leis­tun­gen an ih­re Mit­glie­der. Bei­spiels­wei­se las­sen sie ihr Kern­ge­schäft über die Bu­si­ness-Platt­form von En­tris Ban­king ver­ar­bei­ten und be­zie­hen von ihr Cor­po­ra­teCen­ter-Leis­tun­gen. Was aber, wenn Va­li­ant, die für sich al­lein die hal­be RBA-Grup­pe aus­macht, ab­springt (vgl. Ta­bel­le)?

«Ein all­fäl­li­ger Aus­tritt ei­nes grös­se­ren In­sti­tuts oder ei­ner In­sti­tuts­grup­pe macht ein Über­den­ken des RBA-Mo­dells not-

RBA-Ban­ken wen­dig. Län­ger­fris­tig brauch­te es in ei­nem sol­chen Fall si­cher Kurs­kor­rek­tu­ren.» Das ist die knap­pe Ant­wort der RBA-Zen­tra­le in Bern auf die Fra­ge, wie RBA oh­ne Va­li­ant funk­tio­nie­ren könn­te. «Kurz­fris­tig ge­se­hen kann sich die RBA-Hol­ding Aus­trit­te – auch von gros­sen Mit­glie­dern – leis­ten», er­klär­te RBA-Spre­che­rin Bar­ba­ra Beet­schen. Das Fi­nan­zie­ren von grös­se­ren Neu­pro­jek­ten, darf ge­fol­gert wer­den, müss­te neu auf­ge­gleist wer­den.

Wer zahlt die In­for­ma­tik?

Gra­tis wür­den die Re­gio­nal­bänk­ler die Va­li­ant aber nicht der BEKB über­las­sen. Der Ak­tio­närs­ver­trag der RBA-Hol­ding sieht vor, dass ein Mit­glied, das aus der RBA-Ge­mein­schaft aus­tritt, ei­ne In­ves­ti­ti­ons­ent­schä­di­gung zah­len muss.

Es gibt ei­ni­ge Knack­nüs­se: Als ei­ne der Pi­lot­ban­ken der RBA-Grup­pe hat die Va­li­ant Bank auf An­fang 2011 auf die Ge­samt­ban­ken­lö­sung Fin­no­va ge­wech­selt. Der Wech­sel auf Fin­no­va be­trifft vier­zig Re­gio­nal­ban­ken und ist ei­nes der gröss­ten je rea­li­sier­ten Mi­gra­ti­ons­pro­jek­te in der Schweiz. Va­li­ant hat das Pro­jekt in en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit der RBAToch­ter En­tris Ban­king rea­li­siert. Fest steht auch, dass die Ber­ner Kan­to­nal­bank (BEKB), die sich für die Über­nah­me der Va­li­ant in­ter­es­siert, über ei­ne ef­fi­zi­en­te Or­ga­ni­sa­ti­on ver­fügt. 2011 hat BEKB ein IT-Platt­form der neus­ten Ge­ne­ra­ti­on ein­ge­führt. Trotz­dem blieb die Cost-In­co­me Ra­tio un­ter 50%. Der BEKB ge­hört die Mehr­heit an den Ban­ken­in­for­ma­tik­un­ter­neh­men RTC und Le­gan­do.

Die In­for­ma­tik wird mög­li­cher­wei­se zum ent­schei­den­den Fak­tor. Wenn die üb­ri­gen Re­gio­nal­ban­ken es schaf­fen, oh­ne Va­li­ant ei­ne trag­ba­re Lö­sung für ih­re In­for­ma­tik zu fin­den, könn­te aus dem En­de der RBA in ih­rer heu­ti­gen Form ei­ne Chan­ce wer­den. Dann näm­lich, wenn die Re­gio­nal­ban­ken als nun ei­ni­ger­mas­sen ho­mo­ge­ne Grup­pe vor­wärts­ma­chen könn­ten. Ih­re bis­her recht güns­ti­ge Kos­ten­struk­tur ist da­bei ein Vor­teil.

In ei­ner gu­ten Po­si­ti­on

«Im Re­tail Ban­king be­steht aus mei­ner Sicht am we­nigs­ten An­pas­sungs­be­darf», sag­te der Cre­dit-Suis­se-Ban­ker Mar­co Il­ly die­se Wo­che am Ran­de ei­ner Ver­an­stal­tung. Auch ei­ne neue Stu­die von Ernst & Young stuft das Re­tail Ban­king als grund­sätz­lich pro­fi­ta­bel ein, nicht zu­letzt auf­grund be­reits er­grif­fe­ner Mass­nah­men.

Das Re­tail Ban­king gilt als stra­te­gisch in­ter­es­sant. Für die kom­men­den Jah­re er­war­ten man­che Be­ob­ach­ter ei­ne ver­stärk­te Tren­nung zwi­schen «in­dus­tri­el­len Fer­ti­gungs­in­sti­tu­ten» und be­ra­tungs­in­ten­si­ven In­sti­tu­ten. Viel­leicht wird die Idee der Trans­ak­ti­ons­bank wie­der­be­lebt. Den­noch ist denk­bar, dass sich in Münsin­gen und Küt­ti­gen gar nicht so viel än­dert.

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