Bra­si­li­ens Ban­ken müs­sen sich an­pas­sen

BRA­SI­LI­EN Neu­es Zins­um­feld – Kon­kur­renz durch Staats­ban­ken – Ak­ti­en von Bra­des­co und Itaú Uni­ban­co ha­ben Er­ho­lungs­po­ten­zi­al

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - ALEX­AN­DER BUSCH,

Die pri­va­ten Ban­ken in Bra­si­li­en kom­men der­zeit von meh­re­ren Sei­ten un­ter Druck: Ei­ner­seits müs­sen sie ler­nen, bei sin­ken­den Zin­sen mit Kre­di­ten Geld zu ver­die­nen, und das bei ei­ner Kon­junk­tur, die sich deut­li­cher ab­schwächt als er­war­te­tet. Da­zu ver­langt die Re­gie­rung, dass die Ban­ken die Zins­dif­fe­renz zwi­schen Ein­la­gen und Kre­di­ten (Spreads) ver­rin­gern. Sie schickt da­für die staat­li­chen Kon­kur­ren­ten vor, um die pri­va­ten Ban­ken mit bil­li­gen Kre­di­ten un­ter Zug­zwang zu set­zen.

Das führt da­zu, dass bei Itaú Uni­ban­co und Bra­des­co, den bei­den füh­ren­den In­sti­tu­ten, erst­mals der his­to­risch ho­he Er­trag sinkt: Die Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­ten von über 20% noch En­de letz­ten Jah­res sind im drit­ten Quar­tal auf rund 17% ge­sun­ken. Nach An­ga­ben der Zen­tral­bank hat sich die Ka­pi­tal­ren­di­te im Ban­ken­sek­tor ins­ge­samt im ers­ten Halb­jahr von 16,4 auf 14,4% ver­rin­gert.

Mas­si­ve Leit­zins­sen­kun­gen

Vor al­lem die mas­si­ven Leit­zins­sen­kun­gen von 12,5 auf 7,25% in nur ei­nem Jahr ma­chen dem Sek­tor zu schaf­fen, denn sie be­deu­ten ei­nen grund­sätz­li­chen Wan­del im Ge­schäfts­mo­dell: «Die Ban­ken müs­sen um­schal­ten von ei­ner Kul­tur, die noch von der Hoch­in­fla­ti­on ge­prägt war, und be­gin­nen, lang­fris­tig zu den­ken», sagt Mar­ci­al Por­te­la, Prä­si­dent von Santan­der in Bra­si­li­en, der gröss­ten aus­län­di­schen Bank mit Ein­zel­kun­den­ge­schäft Bra­si­li­ens, de­ren Ren­ta­bi­li­tät eben­falls von 14% auf mitt­ler­wei­le 11,7% ge­sun­ken ist.

Trotz der dies­jäh­ri­gen schwa­chen Kon­junk­tur in Bra­si­li­en mit ei­nem Wachs­tum von nur rund 1,5% rech­net Por­te­la da­mit, dass das Kre­dit­wachs­tum 2012 et­wa 15% be­tra­gen wird. In der ers­ten Hälf­te 2012 war die Aus­fall­ra­te bei den Kre­di­ten ins­ge­samt ge­gen­über dem Vor­jah­res­zeit­raum deut­lich ge­stie­gen (um 46%). Im drit­ten Quar­tal sta­gnier­te je­doch die Zahl der nicht ge­tilg­ten Kre­dit­rück­zah­lun­gen, und zum Jah­res­en­de er­war­ten die Ban­ken leicht sin­ken­de Aus­fall­ra­ten.

Da­bei ha­ben sich die An­tei­le am Kre­dit­wachs­tum zu­guns­ten der staat­li­chen Ban­ken ver­än­dert. Denn die ma­chen den pri­va­ten Ban­ken zu­neh­mend Kon­kur­renz. Die Ban­co do Bra­sil so­wie die Caixa Econô­mi­co Fe­deral (CEF) ge­ben auf An­wei­sung der Re­gie­rung die Zins­sen­kun­gen schnel­ler wei­ter als die Pri­vat­ban­ken und stei­gern so ih­ren An­teil am Kre­dit­vo­lu­men auf Kos­ten des Pri­vat­sek­tors. Die CEF et­wa stei­ger­te ih­re Kre­di­te in den letz­ten zwölf Mo­na­ten um sa­gen­haf­te 43% (knapp 100 Mrd. Re­al). Auch die Ban­co do Bra­sil er­höh­te ihr Kre­dit­port­fo­lio um 78 Mrd. Re­al und da­mit stär­ker als die drei gröss­ten pri­va­ten Ban­ken zu­sam­men.

Die Re­gie­rung kri­ti­siert, die bra­si­lia­ni­schen Pri­vat­ban­ken Itaú Uni­ban­co ( Jah­res­um­satz rund 38 Mrd. $) und Bra­des­co (24 Mrd. $) gä­ben die ge­sun­ke­nen Leit­zin­sen nicht schnell ge­nug an die Kun­den wei­ter. Statt­des­sen sei­en die Spreads zeit- wei­se so­gar ge­stie­gen. Nach ei­ner Un­ter­su­chung des IWF wa­ren die Zins­span­nen bis vor we­ni­gen Mo­na­ten in Bra­si­li­en tat­säch­lich welt­weit nach Sim­bab­we am höchs­ten: 35 Pro­zent­punk­te be­trug der Spre­ad in Bra­si­li­en.

Mehr Ef­fi­zi­enz ge­fragt

In­zwi­schen ha­ben die pri­va­ten In­sti­tu­te zäh­ne­knir­schend nach­ge­zo­gen. Sie ste­hen nun vor der schwie­ri­gen Auf­ga­be, in kur­zer Zeit und un­ter po­li­ti­schem Druck ihr Ge­schäft ra­di­kal um­zu­stel­len: «Die bra­si­lia­ni­schen Ban­ken müs­sen jetzt schnell und mas­siv ih­re Ef­fi­zi­enz er­hö­hen, wenn sie ih­re Ren­di­ten wie­der stei­gern wol­len», sagt Eri­v­el­to Ro­d­ri­gues von Austin Ra­ting. Sie in­ves­tie­ren in Tech­no­lo­gie

Ban­co Bra­des­co und in Know-how für die Ver­ga­be von lang­fris­ti­gen Kre­di­ten, die sie bis­her kaum ab­de­cken muss­ten. Gleich­zei­tig müs­sen sie sich da­ran ge­wöh­nen, dass ih­re Kre­dit­port­fo­li­os nicht mehr 30% im Jahr wach­sen wer­den, wie wäh­rend der letz­ten fünf Jah­re, son­dern nur noch knapp zwei­stel­lig. Nach An­sicht des füh­ren­den bra­si­lia­ni­schen In­vest­ment­ban­kers And­re Es­t­e­ves ste­hen den bra­si­lia­ni­schen Ban­ken den­noch gu­te Zei­ten be­vor: «Durch die Zins­sen­kun­gen wer­den sich die Ka­pi­tal­märk­te in Bra­si­li­en ganz neu be­le­ben.»

Trotz des zu­letzt schlech­ten Ab­schnei­dens sind Itaú Uni­ban­co und Bra­des­co mit 69 Mrd. und 63 Mrd. $ Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung Scher­ge­wich­te, auch im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich. Itaú Uni­ban­co ist die fünftschwers­te Bank Ame­ri­kas. Für In­ves­to­ren in­ter­es­sant sind so­wohl Bra­des­co als auch Itaú Uni­ban­co, de­ren Ak­ti­en je­weils als ADR an Wall­s­treet ge­lis­tet sind.

Bei­de Ti­tel sind at­trak­tiv für In­ves­to­ren, die auf die Er­ho­lung Bra­si­li­ens set­zen und li­qui­de Ak­ti­en ins Port­fo­lio ho­len wol­len, die sich je­der­zeit ver­kau­fen las­sen. Das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis für das Ge­schäfts­jahr Jahr 2012/13 per En­de Sep­tem­ber, ba­sie­rend auf Durch­schnitts­schät­zun­gen ge­mäss Reu­ters, ist je­weils mit 9 für Itaú Uni­ban­co und 10 für Bra­des­co nicht zu hoch. Un­ter Ana­lys­ten sind der­zeit Bra­des­co be­lieb­ter, weil die Bank ihr Fi­li­al­netz zü­gig aus­ge­baut hat und durch ihr breit di­ver­si­fi­zier­tes Fi­nanz­an­ge­bot we­ni­ger vom Kre­dit­wachs­tum ab­hän­gig ist als Itaú Uni­ban­co.

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