«In zwei Jah­ren in­ter­na­tio­na­ler Stan­dard»

CLAU­DE-ALAIN MAR­GE­LISCH Der CEO der Ban­kier­ver­ei­ni­gung er­läu­tert das Kon­zept des Bran­chen­ver­bands für die Weiss­geld­stra­te­gie – Sorg­falts­pflich­ten im Zen­trum

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - IN­TER­VIEW: THO­MAS WYSS

Noch vor der Weih­nachts­pau­se soll der Bun­des­rat über die Weiss­geld­stra­te­gie be­ra­ten. Auf Initia­ti­ve der Ban­ken sol­len, wie im Kampf ge­gen die Geld­wä­sche­rei, neue Sorg­falts­pflich­ten der Ban­ken ver­hin­dern, dass der Schweiz un­ver­steu­er­tes Neu­geld zu­fliesst. Die ur­sprüng­lich an­ge­dach­te Selbst­de­kla­ra­ti­on der Kun­den ist in den Hin­ter­grund ge­rückt. Das ruft in die­sen Ta­gen die po­li­ti­sche Lin­ke auf den Plan, die den Ein­druck er­weckt, die Plä­ne der Ban­kiers tor­pe­die­ren zu wol­len. Clau­de-Alain Mar­ge­lisch, CEO der Ban­kier­ver­ei­ni­gung, wehrt sich und er­läu­tert die Weiss­geld­stra­te­gie mit den neu­en Sorg­falts­pflich­ten im Zen­trum. Für sie spricht, dass sie, ganz im Ge­gen­satz zur Selbst­de­kla­ra­ti­on der Kun­den, das Zeug hat, zum in­ter­na­tio­na­len Stan­dard er­klärt zu wer­den – und zwar schnell: «Zwei Jah­re könn­te es dau­ern, bis die­se prä­ven­ti­ven Sorg­falts­pflich­ten in­ter­na­tio­na­ler Stan­dard sind», ist Mar­ge­lisch über­zeugt. Herr Mar­ge­lisch, in Bern macht ein Kon­zept der Ban­kier­ver­ei­ni­gung für ei­ne Weiss­geld­stra­te­gie die Run­de. Was kon­kret um­fasst es? Ban­ken sind – und zwar oh­ne die­se im De­tail zu ken­nen. Es wä­re im In­ter­es­se der Sa­che hilf­reich, wenn wir ei­ne kon­struk­ti­ve und fai­re De­bat­te über die­ses The­ma füh­ren könn­ten. Vie­le Leu­te spre­chen heu­te über die Weiss­geld­stra­te­gie, aber nur we­ni­ge ha­ben sich kon­kre­te Ge­dan­ken da­zu ge­macht. Ich kann nicht aus­schlies­sen, dass ge­wis­se Krei­se den Fi­nanz­platz Schweiz auch ganz be­wusst schwä­chen wol­len. Aber wir ha­ben die Pflicht, Lö­sun­gen zu fin­den, die glaub­wür­dig sind und den Fi­nanz­platz nicht un­nö­ti­ger­wei­se schwä­chen. Sie hof­fen, dass sol­che Sorg­falts­pflich­ten zum in­ter­na­tio­na­len Stan­dard wer­den könn­ten. In wel­chen Gre­mi­en soll die­se Idee ein­ge­bracht wer­den? Und wie lan­ge wür­de das dau­ern? Ich den­ke, dass die OECD die­se Auf­ga­ben über­neh­men könn­te. Die Sorg­falts­pflich­ten der Schwei­zer Ban­ken im Kampf ge­gen die Geld­wä­sche­rei dien­ten als Vor­bild für die 40 E mp­feh­lun­gen der FATF. Was die zeit­li­che Kom­po­nen­te be­trifft, so kann das re­la­tiv schnell ge­hen. Die Län­der ha­ben nun Zeit, in zwei Jah­ren zu de­fi­nie­ren, un­ter wel­chen Um­stän­den Steu­er­de­lik­te ei­ne Vor­tat zur Geld­wä­sche­rei dar­stel­len sol­len. Zwei Jah­re könn­te es auch dau­ern, bis die­se prä­ven­ti­ven Sorg­falts­pflich­ten in­ter­na­tio­na­ler Stan­dard sind. Wie viel Pro­zent der Kun­den­be­zie­hun­gen wer­den im Kampf ge­gen die Geld­wä­sche­rei ei­ner spe­zi­el­len Kon­trol­le un­ter­zo­gen? Und wie gross wä­re der Pro­zent­satz im Fal­le der Steu­er­hin­ter­zie­hung? Bei­de Re­gu­lie­run­gen ba­sie­ren auf dem ri­si­ko­ad­jus­tier­ten An­satz. Das heisst, dass al­le Kun­den be­trof­fen sind. Wie oft es zu ei­nem Ab­bruch der Ge­schäfts­be­zie­hung kommt, ist na­tür­lich schwie­rig zu sa­gen. Wir sa­gen aber ganz klar: Wir wol­len kei­ne Kun­den mit un­ver­steu­er­ten Gel­dern. Was spricht ge­gen die Selbst­de­kla­ra­ti­on der Kun­den, dass sie ihr Ver­mö­gen im Hei­mat­land ge­set­zes­kon­form ver­steu­ern? Die flä­chen­de­cken­de Selbst­de­kla­ra­ti­on ist für uns kei­ne Lö­sung und zwar aus drei Grün­den: Ers­tens ist sie nicht ziel­füh­rend, denn mit ei­ner sol­chen Selbst­de­kla­ra­ti­on fra­gen sie je­den Kun­den, ob er in sei­nem Hei­mat­land Steu­ern be­zahlt. Das be­deu­tet, dass je­der Kun­de un­ter ei­nen Ge­ne­ral­ver­dacht ge­stellt wird, was für uns ganz klar nicht der rich­ti­ge An­satz ist. Der Kun­de und nicht die Bank sind da­für ver­ant­wort­lich, dass die Steu­er­pflicht er­füllt ist. Zwei­tens wä­re es ei­ne un­glaub­wür­di­ge Lö­sung. Der Kun­de, der die Steu­er­be­hör­de in sei­nem Hei­mat­land be­trü­gen will, hat kei­ne Mü­he da­mit, sei­ner Bank in der Schweiz nicht die Wahr­heit zu sa­gen. Und drit­tens wird ei­ne sol­che Selbst­de­kla­ra­ti­on in­ter­na­tio­nal nie an­er­kannt wer­den. Wir wa­ren in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten in die­ser Sa­che oft im Aus­land un­ter­wegs, ha­ben dort ver­schie­de­ne Krei­se kon­sul­tiert und sind über­zeugt, dass die Selbst­de­kla­ra­ti­on nie­mals in­ter­na­tio­na­ler Stan­dard wird. Die neu­en Sorg­falts­pflich­ten be­tref­fen neue Gel­der. Falls das Ab­gel­tungs­steu­er­kon­zept schei­tert: Wie soll die Ver­gan­gen­heit be­rei­nigt wer­den? Die Ver­gan­gen­heit kann nur bi­la­te­ral ge­re­gelt wer­den. Des­halb wur­den mit Gross­bri­tan­ni­en und Ös­ter­reich Ab­gel­tungs­steu­er­ab­kom­men un­ter­zeich­net, mit zwei wei­te­ren Län­dern – Ita­li­en und Grie­chen­land – wird ver­han­delt. Aber so­lan­ge wir nicht wis­sen, ob das Kon­zept der Ab­gel­tungs­steu­er breit ak­zep­tiert wird, kön­nen wir kei­ne Pro­gno­se wa­gen. Wie lau­tet Ih­re Pro­gno­se für das Ab­gel­tungs­steu­er­ab­kom­men mit Deutsch­land? Im Mo­ment ist al­les of­fen. Es wird schwie­rig, das se­he ich. Aber per­sön­lich hof­fe ich im­mer noch, dass ei­ne po­li­ti- sche Lö­sung er­zielt wer­den kann. Und wenn nicht, ha­ben wir kei­ne an­de­re Wahl, als das zu ak­zep­tie­ren. Wie be­ur­tei­len Sie die Ide­en, Kun­den ver­mehrt zur straf­lo­sen Selbst­an­zei­ge zu drän­gen – zu­mal die­se in Deutsch­land über kurz oder lang er­schwert oder so­gar ver­bo­ten wer­den könn­te? Der Ent­scheid liegt beim Kun­den, ob er sich re­gu­la­ri­sie­ren las­sen will. Wir ha­ben im­mer ge­sagt, dass wir ei­ne steu­er­kon­for­me Stra­te­gie wol­len. Aber wir kön­nen von der Ban­kier­ver­ei­ni­gung kei­ne Emp­feh­lung ab­ge­ben, weil wir uns an die Ver­trags­frei­heit hal­ten müs­sen. Und wir kön­nen den Kun­den nicht zu ei­nem be­stimm­ten Ver­hal­ten zwin­gen. Wir sind in der Schweiz ein Rechts­staat und wol­len das auch blei­ben. Und was ist von der Idee der Aus­land­ban­ken zu hal­ten, ei­ne Task-Force Fi­nanz­platz Schweiz ein­zu­set­zen? Das ist ein gu­ter Vor­schlag. Mit Blick auf all die of­fe­nen Bau­stel­len liegt es un­se­res Erach­tens im ur­ei­gens­ten In­ter­es­se des Lan­des, dass sich die Po­li­tik, die Be­hör­den und der Pri­vat­sek­tor an ei­nen Tisch set­zen und ei­ne Stra­te­gie ent­wi­ckeln. Das Bei­spiel Weiss­geld zeigt doch ge­ra­de, wie mit In­dis­kre­tio­nen über Lö­sungs­an­sät­ze ge­strit­ten an­statt mit­ein­an­der dis­ku­tiert wird. Die Her­aus­for­de­run­gen sind viel zu gross, als das wir uns das leis­ten könn­ten. Wir müs­sen ge­mein­sam Lö­sun­gen su­chen und ge­mein­sam vor­wärts ma­chen. Die Zeit ist knapp.

SBVg-CEO Mar­ge­lisch: «OECD soll Sorg­falts­pflich­ten zum in­ter­na­tio­na­len Stan­dard er­klä­ren.»

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