Ver­si­che­rer fin­den sich in fast per­fek­tem Sze­na­rio

IN­TER­NA­TIO­NAL Ta­ri­fe und Ver­dienst­mar­gen ex­pan­siv – Fi­nanz­markt sta­bil ge­nug – Zins­sen­si­ble Kon­trak­te zu­rück­ge­drängt – Zeit für An­pas­sung des Sol­venz­re­gimes

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - THO­MAS HENGARTNER

Wenn nur das Nied­rig­zins­ni­veau nicht wä­re! Dann wür­de sich das Sze­na­rio für die Ver­si­cherer­bran­che noch präch­ti­ger dar­stel­len. Die Zins­baisse hat je­doch den Ef­fekt, dass die mil­li­ar­den­ho­hen In­vest­ments der Bran­chen­un­ter­neh­men we­gen des an­hal­ten­den Ablau­fens hoch­pro­zen­ti­ger An­lei­hen jähr­lich we­ni­ger Er­trag her­ge­ben. Der zu ge­rin­gen Cou­pons er­neu­er­te Ob­li­ga­tio­nen­be­stand ist zu­dem ab­wer­tungs­ge­fähr­det, so­bald die Markt­zin­sen wie­der nach oben dre­hen.

Die Ma­na­ger der Ver­si­che­rer wer­den je­doch nicht für das Be­kla­gen solch exo­ge­ner Um­stän­de be­zahlt, son­dern für das Fin­den pas­sen­der Mass­nah­men ge­gen po­ten­zi­ell nach­tei­li­ge Um­stän­de. Fest­stel­len lässt sich, dass die­ses Jahr die Ak­ti­en des As­se­ku­ranz­sek­tors im Schnitt über dem Markt­trend schlies­sen.

AIG wie­der be­freit

Be­son­ders vor­an­ge­kom­men sind AIG, wie die Kurs­gra­fik zeigt. Je­der wei­te­re Ge­ne­sungs­schritt des US-Mul­tis ist von den In­ves­to­ren mit ei­ner Hö­her­be­wer­tung quit­tiert wor­den. Die­se Wo­che hat das USSchatz­amt die letz­te Tran­che der in­te­ri­mis­tisch aus­ge­leg­ten Teil­ver­staat­li­chung des einst an­ge­schla­ge­nen Ver­si­che­rers mit Ge­winn ab­ge­stos­sen.

Seit Mit­te des Jah­res auf der Auf­hol­spur sind die Ge­ne­ra­li-Ak­ti­en. Nach­dem der von der Zu­rich-Grup­pe ab­ge­wor­be­ne Ma­rio Gre­co mit der Neu­aus­rich­tung des ita­li­en­las­ti­gen Kon­zerns be­traut wor­den ist, ha­ben sich Tur­naround-In­ves­to­ren der lan­ge ver­nach­läs­sig­ten Va­lo­ren an­ge­nom­men. An­ge­kün­digt ist ei­ne Stra­te­gie­re­vi- si­on, die Fo­kus­sie­rungs- und Pro­fi­ta­bi­li­täts­mass­nah­men um­fasst. Ih­re Pu­bli­ka­ti­on dürf­te wei­te­res An­le­ger­inter­es­se auf die Ge­ne­ra­li-Ak­ti­en zie­hen. Von Vor­teil für EU-Ver­si­che­rer ist, dass die Ein­füh­rung des schär­fe­ren Auf­sichts­re­gimes Sol­venz II auf frü­hes­tens 2016 ver­scho­ben ist, wo­mit mehr Zeit für An­pas­sun­gen – auch ka- pi­tal­sei­tig – bleibt. Die Schwei­zer Bran­chen­ver­tre­ter sind am Ei­gen­ka­pi­tal ge­mes­sen zu den glo­bal mit­tel­gros­sen An­bie­tern zu zäh­len. Zu­rich In­suran­ce hat die jah­re­lang ver­tei­dig­te Vor­zugs­stel­lung ein­ge­büsst, u. a. weil un­er­war­tet ho­he Son­der­auf­wen­dun­gen für die Sa­nie­rung des Deutsch­land­ge­schäfts kom­mu­ni­ziert wer­den muss­ten. Mitt­ler­wei­le nach­weis­bar ge­lun­gen ist dem Kon­zern je­doch, den An­teil zins­sen­si­bler Le­ben­kon­trak­te zu­rück­zu­drän­gen.

Swiss Re vor Son­der­ef­fekt

Die Rück­ver­si­che­rer konn­ten 2012 «auf­at­men», da trotz des US-Sturm­tiefs «San­dy» ei­ne ge­samt­haft un­ter­durch­schnitt­li­che Ka­ta­stro­phen­last zu tra­gen ist. Mit be­son­ders gu­ten Mar­gen darf Swiss Re auf­fal­len. Nächs­tes Jahr pro­fi­tiert die Rück zu­dem da­von, dass ein mehr­jäh­ri­ger Ge­schäfts­ab­tre­tungs­ver­trag aus­läuft und folg­lich das im Schwei­zer Kon­zern blei­ben­de Ge­schäfts­vo­lu­men mar­kant stei­gen wird.

Der Chef­öko­nom von Swiss Re zeich­net in sei­nem Marktausblick ein vor­sich­tig op­ti­mis­ti­sches Bild zu Ta­ri­fen und Nach­fra­ge (vgl. ne­ben­ste­hen­den Text). Da­mit sind die Vor­aus­set­zun­gen ge­schaf­fen, dass die Ver­si­che­rer nächs­tes Jahr wie­der­um gu­te Er­geb­nis­se zu lie­fern ver­mö­gen – be­son­ders dann, wenn die An­la­ge­märk­te ei­ni­ger­mas­sen sta­bil blei­ben.

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