Das In­vest­ment Ban­king lebt

SCHWEIZ

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - MH IN­TER­VIEW: AR­NO SCHMOCKER UND THO­MAS HENGARTNER

2012 war für das Schwei­zer In­vest­ment Ban­king ein er­folg­rei­ches Jahr. Erst­mals in fünf­zehn Jah­ren war das Vo­lu­men an Fu­sio­nen und Über­nah­men grös­ser als in Deutsch­land und Frank­reich. Ob­wohl die glo­ba­le Ak­ti­vi­tät rück­läu­fig war, nahm der Trans­ak­ti­ons­wert in der Schweiz auf 148 Mrd. $ zu (vgl. Gra­fi k). Das ent­spricht ei­nem Plus von 120%. Weit­ge­hend zu ver­dan­ken ist das den Gross­trans­ak­tio­nen Glen­co­re und Al­li­an­ce Boots.

Die Spe­zia­lis­ten der Cre­dit Suis­se ha­ben ih­re markt­füh­ren­de Stel­lung im Schwei­zer In­vest­ment Ban­king 2012 mit ei­nem Markt­an­teil von 22% be­haup­ten kön­nen. Auch bei den Ei­gen­ka­pi­tal­trans­ak­tio­nen (Bör­sen­gän­gen, Block­ver­käu­fen, Be­zugs­recht­s­e­mis­sio­nen) spielt die CS ei­ne füh­ren­de Rol­le als Boo­krun­ner auf dem Schwei­zer Markt (vgl. Ta­bel­le).

Mar­co Il­ly, Vice Chair­man der In­vest­ment Ban­king Di­vi­si­on der CS, sprach an ei­nem Me­di­en­ge­spräch von «wei­ter­hin in­tak­ten Per­spek­ti­ven» für Mer­gers & Ac­qui­si­ti­ons (Fu­sio­nen und Über­nah­men). Da er gu­te Ak­ti­en­märk­te er­war­tet, glaubt Il­ly auch, dass sich «das Um­feld für Bör­sen­gän­ge wei­ter ver­bes­sern» wer­de. Das IPO-Vo­lu­men er­höh­te sich 2012 dank der bei­den Bör­sen­gän­ge von DKSH und EFG Fi­nan­ci­al Products auf 1,1 Mrd. $, ver­gli­chen mit 45 Mio. im Vor­jahr.

M& A-Lei­ter Mar­co Su­peri­na er­war­tet für das kom­men­de Jahr ei­ne Zu­nah­me vor al­lem der grenz­über­schrei­ten­den Trans­ak­tio­nen. Aus­ser im Ver­si­che­rungs­be­reich sei die Schweiz weit­ge­hend kon­so­li­diert. Tho­mas Gott­stein, Lei­ter In­vest­ment Ban­king Swit­z­er­land, pro­gnos­ti­ziert Ber­ei­ni­gun­gen un­ter den na­tio­na­len Ver­si­che­rern. In­ter­na­tio­nal sei die ver­ti­ka­le In­te­gra­ti­on von In­dus­trie­un­ter­neh­men und Roh­stoff­fi rmen ein gros­ses The­ma.

An­ge­sichts des Tief­zins­um­felds sei­en zu­dem die Fi­nan­zie­rungs­kos­ten für Fir­men­über­nah­men so nied­rig wie nie zu­vor. «Es ist mehr Geld da, als Op­por­tu­ni­tä­ten vor­han­den sind», er­klär­te Su­peri­na. Als Käu­fer kom­men of­fen­bar im­mer mehr Un­ter­neh­men und Staats­fonds aus Schwel­len­län­dern und roh­stoff­rei­chen Staa­ten in Fra­ge. «Das Geld liegt im Os­ten», kon­sta­tier­te er, «und in Bra­si­li­en.»

Als Deal Kil­ler ent­pup­pen könn­te sich al­ler­dings die un­si­che­re po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che La­ge Eu­ro­pas im Zu­sam­men­hang mit der Schul­den­kri­se. Sie schreckt ge­mäss den CS-Ex­per­ten man­che In­ves­to­ren ab.

Vom Rück­zug der UBS aus ge­wis­sen Be­rei­chen des In­vest­ment Ban­king er­war­tet Il­ly kei­nen un­mit­tel­ba­ren po­si­ti­ven Ef­fekt für sei­ne Ein­heit. Denn die UBS wer­de ih­re Schwei­zer Kun­den wei­ter­hin voll­um­fäng­lich be­die­nen und im Schwei­zer Markt ei­ne star­ke Stel­lung bei­be­hal­ten. Al­len­falls wer­de es für die UBS schwie­ri­ger wer­den, su­pra­na­tio­na­le An­lei­hen­e­mit­ten­ten in der Schweiz zu be­die­nen, wenn sie die­ses Ge­schäft (wie an­ge­kün­digt) aus Lon­don her­aus nicht mehr be­trei­ben wer­de.

Wir sind kräf­tig ge­nug, das Wachs­tum zu fi­nan­zie­ren und zu­dem bis zu 50% des Ge­winns aus­zu­schüt­ten.

Holt Na­tio­na­le Suis­se aus den Spe­zi­al­ge­bie­ten auch spe­zi­ell gu­te Mar­gen her­aus? Der Kon­zern­ge­winn wird bis 2014 nach un­se­ren Plä­nen 100 Mio. Fr. über­schrei­ten und da­mit we­sent­lich über dem Mehr­jah­res­schnitt lie­gen. Dies kommt ei­ner Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te von klar über 10% gleich. Dank der gu­ten Ka­pi­ta­li­sie­rung kön­nen wir nicht nur un­se­re Wachs­tums­plä­ne und all­fäl­li­ge Er­gän­zungs­ak­qui­si­tio­nen fi­nan­zie­ren, son­dern auch jähr­lich 35 bis 50% des Ge­winns aus­schüt­ten. Die­ses Jahr be­trug die be­zahl­te Di­vi­den­de 1.60 Fr. je Ak­tie. Die An­le­ger er­hiel­ten zu­dem ei­ne Son­der­aus­schüt­tung von 0.20 Fr. Das aus­ser­halb der Schweiz be­trie­be­ne Stan­dard­ge­schäft ist je­doch, ge­mes­sen am Scha­den-Kos­ten-Ver­hält­nis, de­fi­zi­tär. Wä­re ein Rück­zug auf den pro­fi­ta­blen Heim­markt nicht ein pro­ba­tes Mit­tel? Nein. Um in den zu­kunfts­träch­ti­gen Ni­schen­seg­men­ten un­se­re Rol­le zu spie­len, be­nö­ti­gen wir in vie­len Län­dern ei­ne dort zu­ge­las­se­ne und re­gu­lier­te Toch­ter­ge­sell­schaft. Zu­dem ha­ben wir in ei­ni­gen un­se­rer aus­län­di­schen Be­triebs­ein­hei­ten, be­son­ders in Bel­gi­en, Mass­nah­men er­grif­fen, die un­ren­ta­blen Tei­le des Stan­dard­ge­schäfts für Pri­va­te und KMU aus­zu­mer­zen bzw. zu ver­bes­sern. Wel­ches sind die un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­den Her­aus­for­de­run­gen? Die Op­ti­mie­run­gen wer­den sich 2013 in vol­lem Um­fang aus­wir­ken. Obers­tes Ziel für nächs­tes Jahr ist des­halb, in der ge­straff­ten Struk­tur des Kon­zerns das Ge­schäft er­trags­ori­en­tiert zu si­chern. Das ist Ba­sis für dau­er­haf­ten Er­folg. Zu den gros­sen Ak­tio­nä­ren von Na­tio­na­le Suis­se ge­hö­ren meh­re­re Kon­kur­ren­ten, dar­un­ter Bâ­loi­se, Hel­ve­tia und Mo­bi­li­ar. Da bleibt Ih­nen wohl nur we­nig stra­te­gi­scher Spiel­raum? Der Ver­wal­tungs­rat hat voll­kom­men freie Hand. Das Stimm­recht der Gross­ak­tio­nä­re ist ge­mäss un­se­ren Sta­tu­ten auf je 5% be­schränkt. Die­se Be­stim­mun­gen sind al­len be­kannt. Im Ver­wal­tungs­rat ver­tre­ten ist ein­zig die Lan­des­bank Ba­den-Würt­tem­berg, und das ist his­to­risch be­dingt. Die an­de­ren ha­ben kei­nen An­spruch auf ei­nen Sitz. Was ist der Hin­ter­grund des mit 50% ge­rin­gen Streu­be­sit­zes? Ur­sprüng­lich war die UBS lan­ge Jah­re mit et­wa 30% des Ka­pi­tals der sta­bi­li­sie­ren­de Kern­ak­tio­när. Als sich die Bank um das Jahr 2000 von die­sem Pa­ket lö­sen woll­te, ha­ben meh­re­re In­ves­to­ren lang­fris­ti­ges In­ter­es­se be­kun­det. So kam es zur heu­ti­gen Kon­stel­la­ti­on. Der Ver­wal­tungs­rat wird je­de Ge­le­gen­heit nut­zen, den Streu­be­sitz aus­zu­wei­ten. Vor vier Mo­na­ten wech­sel­ten fast 20% der Na­tio­na­le-Ak­ti­en die Hand, als gros­se Pa­ke­te an Hel­ve­tia und Mo­bi­li­ar gin­gen. Ha­ben Sie mit­ge­wirkt? Wir wa­ren nicht in ei­ner Rol­le, in der man ak­tiv in Ver­hand­lun­gen ein­ge­bun­den wird. Ei­ne brei­te Markt­plat­zie­rung die­ser Ak­ti­en wä­re we­nig rea­lis­tisch ge­we­sen bzw. sie hät­te er­heb­li­chen Preis­druck aus­ge­löst. Dem­ge­gen­über lässt sich ein Pa­ket mit ei­ner Prä­mie ver­äus­sern. Wir su­chen ein kon­struk­ti­ves Ver- hält­nis zu al­len Gross­ak­tio­nä­ren. Da­bei wer­den auch Ver­triebs­ko­ope­ra­tio­nen ge­prüft, die künf­tig noch ver­stärkt ver­folgt wer­den sol­len. Eher pro­ble­ma­tisch scheint das Ver­hält­nis zur Bâ­loi­se zu sein. Sie gilt nicht als so­ge­nann­te Kern­ak­tio­nä­rin, ob­schon sie ei­nen An­teil von gut 10% hält. Frü­he­re Ani­mo­si­tä­ten ha­ben sich ge­legt. Mit dem heu­ti­gen Bâ­loi­se-Prä­si­den­ten Andre­as Burck­hardt ver­bin­det mich seit Ju­gend­zei­ten ein freund­schaft­li­ches Ver­hält­nis. Wir stimmen dar­in über­ein, dass bei­de Un­ter­neh­men gu­te Per­spek­ti­ven auf ei­ne ei­gen­stän­di­ge Ent­wick­lung ha­ben. Das klingt nach ei­ner grund­sätz­li­chen Ab­leh­nung ei­nes Zu­sam­men­ge­hens mit ei­nem Wett­be­wer­ber. In der Fra­ge der Selb­stän­dig­keit sind wir kei­nes­wegs dog­ma­tisch. Ei­ne Fu­si­on schafft al­ler­dings nur dann blei­ben­de Wer­te, wenn für bei­de Par­ti­en we­sent­li­che und dau­er­haf­te Vor­tei­le im Ver­gleich zum Al­lein­gang re­sul­tie­ren. In den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren ha­ben wir uns je­doch mit der Kon­zen­tra­ti­ons­stra­te­gie ei­ne lang­fris­tig trag­fä­hi­ge Struk­tur ge­schaf­fen.

Ak­ti­en sind taug­li­che An­la­gen. Ih­re Wert­schwan­kun­gen pas­sen lei­der schlecht zu den Buch­hal­tungs­re­geln.

rungs­stu­fen vor­han­de­nen Da­ten quan­ti­ta­tiv und qua­li­ta­tiv er­heb­lich ver­bes­sert. Dar­auf möch­ten und kön­nen wir nicht mehr ver­zich­ten. Ihr Un­ter­neh­men muss 5 Mrd. Fr. Vor­sor­ge­gel­der und Ver­si­che­rungs­rück­stel­lun­gen er­trag­brin­gend an den Fi­nanz­märk­ten in­ves­tie­ren. Wie lau­tet das Er­folgs­re­zept? Ver­si­che­rern reicht es nicht, bloss ei­nen Ver­gleichs­mass­stab über­tref­fen zu wol­len, denn wir be­nö­ti­gen je­des Jahr ei­ne ab­so­lu­te Ren­di­te. Des­halb set­zen wir weit­ge­hend auf An­lei­hen qua­li­ta­tiv gu­ter Schuld­ner und auf Ver­miet­lie­gen­schaf­ten an lang­fris­tig vor­teil­haf­ter La­ge. Ak­ti­en wä­ren eben­falls taug­lich, da sie In­fla­ti­ons­schutz und Di­vi­den­den­er­trag bie­ten. Ih­re Wert­schwan­kun­gen pas­sen lei­der nicht zu den auf­sichts­recht­li­chen und buch­hal­te­ri­schen An­for­de­run­gen. Den­noch wei­ten wir die Ver­mö­gens­quo­te der Ak­ti­en von 3% auf im­mer­hin knapp 5% aus.

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