Schwei­ter an neu­er Weg­ga­bel

SCHWEIZ Hoch­zy­kli­sches Halb­lei­ter­ge­schäft ver­kauft – Über 300 Mio. Fr. Cash – Be­ste­hen­des er­gän­zen oder drit­te Spar­te zu­kau­fen

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - AR­NO SCHMOCKER

Schwei­ter ist stets für ei­ne Über­ra­schung gut. Der seit Jah­ren üp­pi­ge Cash­be­stand wird (noch) nicht in­dus­tri­ell in­ves­tiert. Viel­mehr ver­äus­sert das Mi­ni­kon­glo­me­rat aus Hor­gen die Halb­lei­ter­spar­te. Mit dem Er­lös aus dem Ver­kauf der Toch­ter Is­me­ca wer­den ma­xi­mal 10% der Ak­ti­en zu­rück­ge­kauft. Die Va­lo­ren re­agier­ten am Mon­tag mit ei­nem Kurs­sprung, zu­mal an der Di­vi­den­de (Ren­di­te von über 8%) fest­ge­hal­ten wird.

Die Grup­pe ver­folgt kon­ser­va­ti­ve Fi­nan­zie­rungs­prin­zi­pi­en: «Wir ge­hen kei­ne un­ge­bühr­li­chen Ri­si­ken ein und wol­len je­der­zeit hand­lungs­fä­hig blei­ben», be­ton­te Heinz Baum­gart­ner an ei­ner Me­di­en­ori­en­tie­rung. Als CEO ha­be er In­ter­es­se, die li­qui­den Mit­tel (der­zeit 300 bis 350 Mio. Fr.) in­dus­tri­ell zu in­ves­tie­ren. Gern wür­de er das Port­fo­lio mit «der ei­nen oder an­de­ren Ak­qui­si­ti­on» ab­run­den.

Grös­se­rer Zu­kauf mög­lich

Schwei­ter könn­te sich ei­nen Zu­kauf im Wert von min­des­tens 500 Mio. Fr. leis­ten. Die zwei ver­blei­ben­den Ge­schäf­te, Tex­til­ma­schi­nen und Ver­bund­werk­stof­fe, er­wirt­schaf­ten ei­nen so­li­den Cash­flow, und die Grup­pe ist ins­ge­samt schul­den­frei. Zu­dem könn­te Schwei­ter Kre­dit­li­ni­en von Ban­ken nut­zen und sich mo­de­rat ver­schul­den. Last but not least steht ge­neh­mig­tes Ka­pi­tal in der Hö­he von 300 Mio. Fr. zur Ver­fü­gung.

Für ei­ne be­deu­ten­de Über­nah­me kommt eher die Toch­ter 3A (die ehe­ma­li­ge Al­can Com­po­si­tes) in Fra­ge. Im Be­reich Ver­bund­werk­stof­fe ist die Zahl der po­ten­zi­el­len Kauf­ob­jek­te grös­ser, da der Markt im Ver­gleich zum rei­fen Tex­til­ma­schi­nen­sek­tor frag­men­tiert ist. In Fra­ge kommt auch das An­schnal­len ei­ner drit­ten Spar­te, in die Schwei­ter ihr Ma­schi­nen­bau-Know­how ein­brin­gen kann.

Kei­ne Er­folgs­ge­schich­te

Doch das Ma­nage­ment lässt sich Zeit. In nä­he­rer Zu­kunft ist kein be­deu­ten­der Schritt ge­plant. In ei­nem In­ter­view mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» En­de De­zem­ber 2009 be­ton­te CEO Baum­gart­ner, der Kauf­preis spie­le ei­ne zen­tra­le Rol­le. Aber für Schwei­ter min­des­tens so wich­tig sei, dass das Kauf­ob­jekt «ei­ne gu­te Chan­ce auf Wei­ter­ent­wick­lung und Frei­set­zung neu­er Wer­te bie­tet».

Ei­ne sol­che Chan­ce bot Is­me­ca of­fen­bar nicht mehr. Die Ge­sell­schaft, seit zehn Jah­ren im Voll­be­sitz Schwei­ters, hat die Er­war­tun­gen der Gross­ak­tio­nä­re (vgl. Ak­ti­en­sta­tis­tik) und des Ma­nage­ments nicht er­füllt. Mit­te 2000, als Schwei­ter ei­nen ers­ten An­teil an dem West­schwei­zer Un­ter­neh­men er­warb, sprach der da­ma­li­ge Haupt­ak­tio­när und Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Hans Wid­mer (zu­vor als Sa­nie­rer von Oer­li­kon-Bühr­le be­kannt) von «sehr viel Der Haupt­sitz der in La-Chaux-de-Fonds. Ge­mäss Ab­ma­chung soll der Stand­ort min­des­tens zehn Jah­re er­hal­ten blei­ben.

Schwei­ter I

Ak­ti­en­sta­tis­tik ver­spre­chen­den» Wachs­tums­aus­sich­ten. Das Ma­nage­ment glaub­te, ihr im Tex­til­ma­schi­nen­ge­schäft er­prob­tes Ge­schäfts­sys­tem – Be­wäl­ti­gen der Zy­klen, ho­her An­teil in Ni­schen­märk­ten, In­no­va­ti­on, Kun­den­nä­he und nied­ri­ge Fix­kos­ten – auf die Halb­lei­ter­welt über­tra­gen zu kön­nen.

Doch kurz nach dem Kauf brach der Markt in ei­nem nie er­war­te­ten Aus­mass ein. Er er­wies sich als noch schwan­kungs­an­fäl­li­ger und un­be­re­chen­ba­rer als der Tex­til­ma­schi­nen­sek­tor. Seit 2002 hat Is­me­ca meis­tens be­reits auf be­trieb­li­cher Ebe­ne Ver­lust ge­schrie­ben (vgl. Gra­fik). Ein­zig 2010 ge­lang es, ei­ne ope­ra­ti­ve Mar­ge zu er­wirt­schaf­ten, die den Vor­stel­lun­gen Schwei­ters ent­spricht. Ein Jahr spä­ter kipp­te ein Drit­tel des Um­sat­zes und zwei Drit­tel des Be­triebs­ge­winns be­reits wie­der weg. Im ers­ten Se­mes­ter 2012 schrumpf­ten die Ein­nah­men ein wei­te­res Vier­tel auf 38 Mio. Fr.

Doch noch ein gu­ter Preis

So ge­se­hen ist der vor­aus­sicht­li­che Ge­samt­er­lös von et­wa 100 Mio. Fr. für das Halb­lei­ter­ge­schäft von Is­me­ca (der Be­reich Au­to­ma­ti­on wur­de be­reits 2005 an Ko­max ab­ge­tre­ten) ein gu­ter Preis. Der Käu­fer, das US-Un­ter­neh­men Co­hu, zahlt 54,5 Mio. $. «Wir konn­ten die Ver­hand­lun­gen aus ei­ner Po­si­ti­on der Stär­ke her­aus füh­ren, da Co­hu an uns her­an­ge­tre­ten war», sag­te Baum­gart­ner. Rund 18 Mio. Fr. wer­den aus der Ve­räus­se­rung des Haupt­sit­zes in La Chaux-de-Fonds er­war­tet. Co­hu, die sich ver­pflich­tet hat, den Stand­ort min­des­tens zehn Jah­re lang wei­ter­zu­füh­ren, wird Mie­te­rin. Zu­dem er­hält die Schwei­ter Hol­ding vor Ab­schluss der Trans­ak­ti­on aus Is­me­ca ei­ne Di­vi­den­de von 30 Mio. Fr.

Et­wa 70 Mio. Fr. wird Schwei­ter auf­wen­den, um 10% des Ak­ti­en­ka­pi­tals zu­rück­zu­kau­fen. Die Ti­tel sol­len ver­nich­tet wer­den, der Ge­winn je Ak­tie er­höht sich ent­spre­chend. So­dann kün­dig­te Baum­gart­ner be­reits jetzt an, es wür­den im kom­men­den Früh­ling er­neut et­wa 40 Fr. je Pa­pier als Di­vi­den­de an die Ak­tio­nä­re aus­ge­schüt­tet, et­wa zwei Drit­tel da­von steu­er­frei aus Ka­pi­tal­re­ser­ven.

En­ga­ge­ments in Schwei­ter ei­len nicht. Der dies­jäh­ri­ge Ge­winn wird nied­ri­ger als 2011 aus­fal­len. Die Schät­zung für das kom­men­de Jahr fusst auf der Er­war­tung, dass sich das Ge­schäft mit Wind­kraft in Chi­na (3A lie­fert Kern­ma­te­ria­li­en für Ro­tor­blät­ter) er­holt. Der Markt be­grüss­te den Ver­kauf von Is­me­ca und die ak­ti­en­be­zo­ge­nen Plä­ne. Im Ver­gleich zum Ge­samt­markt liegt die Per­for­mance 2012 aber im­mer noch «un­ter Was­ser». Schwei­ter sind pfif­fi­ge Ne­ben­wer­te – aber ein­zig für In­ves­to­ren, die mit über­durch­schnitt­li­chen Kurs­schwan­kun­gen um­ge­hen kön­nen.

Schwei­ter-Toch­ter Is­me­ca

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