Ge­gen die Ener­gie­stra­te­gie

CH

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - PM

Es rächt sich im­mer mehr, dass die Ener­gie­stra­te­gie 2050, die den Aus­stieg aus der Kern­ener­gie an­strebt, in Be­am­ten­stu­ben fern der Rea­li­tät er­son­nen wor­den ist. Die wich­tigs­ten In­dus­trie­ver­bän­de der Schwei­zer Wirt­schaft, Swiss­mem (Ma­schi­nen-, Elek­tro- und Me­tall­in­dus­trie) und Sci­en­ce­in­dus­tries (Che­mie, Pharma, Bio­tech), leh­nen die Ener­gie­stra­te­gie ab – mit pra­xis­be­zo­ge­nen Ar­gu­men­ten, wie sie an ei­ner Me­di­en­ori­en­tie­rung dar­leg­ten.

Die wich­tigs­ten Ge­gen­ar­gu­men­te ent­stam­men der un­ter­neh­me­ri­schen Rea­li­tät. Zen­tral ist die Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Ge­meint ist ei­ne Ga­ran­tie der Be­lie­fe­rung mit Strom rund um die Uhr – auch wenn we­der die Son­ne scheint noch der Wind weht. In bei­den Bran­chen gibt es vie­le Pro­zes­se, die nicht, oder nur mit ho­hen Kos­ten, un­ter­bro­chen wer­den kön­nen. Vor sol­chen Un­ter­brü­chen fürch­ten sich die Un­ter­neh­men.

Sie kri­ti­sie­ren zu­dem den (Fast-)Al­lein­gang der Schweiz: Nur Deutsch­land hat sich den Aus­stieg aus der Kern­ener­gie auf die Fah­ne ge­schrie­ben, Bel­gi­en plant eben­falls den Aus­stieg, Ös­ter­reich will den Im­port von Atom­strom ver­bie­ten, und Ita­li­en hat letz­tes Jahr den Wie­der­ein­stieg ab­ge­lehnt. Die di­rek­ten Kos­ten für den Aus­stieg so­wie die zur Ver­brauchs­steue­rung vor­ge­se­he­nen Len­kungs­ab­ga­ben wür­den die Strom­prei­se in der Schweiz – und nur in der Schweiz – in die Hö­he trei­ben, so die Ver­bän­de. Das ist um­so pro­ble­ma­ti­scher, als die In­dus­trie­strom­prei­se hier­zu­lan­de ge­mäss Swiss­mem schon heu­te über dem EU-Schnitt lie­gen. Zu­sätz­lich ist die Ex­port­wirt­schaft mit dem star­ken Fran­ken kon­fron­tiert. Die Wett­be­werbs­fä­hig­keit müss­te lei­den. Im schlim­me­ren Fall droht ge­mäss Chris­toph Mä­der, Prä­si­dent von Sci­en­ce­in­dus­tries, gar ei­ne De­in­dus­tria­li­sie­rung der Schweiz – mit fa­ta­len Fol­gen auch für den For­schungs­platz Schweiz.

Nicht ak­zep­ta­bel ist für die Ver­bän­de auch das mit dem Aus­stieg ein­her­ge­hen­de fak­ti­sche Tech­no­lo­gie­ver­bot. Es ist nicht ex­pli­zit Teil der Ener­gie­stra­te­gie, aber das ge­setz­lich zu ver­an­kern­de Ver­bot des Baus neu­er Kern­kraft­wer­ke hat ei­nem Tech­no­lo­gie­ver­bot ent­spre­chen­de Fol­gen. Wer forscht in der Schweiz noch an The­men, die hier nicht um­ge­setzt wer­den dür­fen – wer spricht da­für noch Geld?

Swiss­mem und Sci­en­ce­in­dus­tries ma­chen zu­dem grund­sätz­lich gel­tend, dass die Stra­te­gie ei­nem plan­wirt­schaft­li­chen An­satz fol­ge. Sie leh­nen di­ri­gis­ti­sche Mass­nah­men zur Ver­brauchs­steue­rung ab, weh­ren sich ge­gen die Sub­ven­tio­nie­rung der teu­ers­ten Ener­gie­trä­ger über die kos­ten­de­cken­de Ein­spei­se­ver­gü­tung und wol­len kei­ne zu­sätz­li­chen Steu­ern und Len­kungs­ab­ga­ben. Ener­gie­mi­nis­te­rin Do­ris Leuthard tut gut da­ran, die Kri­tik der Ver­bän­de ernst zu neh­men. Sie ste­hen für drei Vier­tel der Schwei­zer Ex­por­te, be­schäf­ti­gen 400 000 Mit­ar­bei­ter und tra­gen 14% zum Brut­to­in­land­pro­dukt bei.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.