Sha­le Gas – ein gros­ses The­ma

Finanz und Wirtschaft - - IM GESPRÄCH MIT KURT BOCK - CB

Die USA schwär­men von ih­rem Sha­le Gas (Schie­fer­gas). Das un­kon­ven­tio­nel­le, in Ton­stein­vor­kom­men ein­ge­la­ger­te Erd­gas kommt in rie­si­gen Men­gen vor und er­mög­licht nied­ri­ge Kos­ten für Ener­gie aus hei­mi­scher Qu­el­le. Das bie­te Ame­ri­ka Op­por­tu­ni­tä­ten – auch der che­mi­schen In­dus­trie –, steht für BASF-Chef Kurt Bock aus­ser Fra­ge. Doch ei­nen Nach­teil für die BASF sieht er des­we­gen nicht.

Die BASF zäh­le in den USA mit zu den gröss­ten Che­mie­pro­du­zen­ten, führt Bock aus, wes­halb auch sie von den güns­ti­ge­ren Roh­stoff- und Ener­gie­kos­ten pro­fi­tie­re. Ge­ne­rell sei aber ge­nau zu über­le­gen, wie man Sha­le Gas nut­zen wol­le. Für die BASF sei es zum Bei­spiel nicht at­trak­tiv, des­we­gen ei­nen auf Et­han ba­sie­ren­den Cra­cker (An­la­ge zur Ge­win­nung che­mi­scher Roh­stof­fe aus Koh­len­was­ser­stof­fen, wie sie in Öl und Gas vor­kom­men) zu bau­en. Dar­aus ge­win­ne man im We­sent­li­chen Ethy­len, und aus Ethy­len wür­den Pro­duk­te her­ge­stellt, die BASF in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eher auf­ge­ge­ben ha­be.

«Als güns­ti­ger Roh­stoff ist Sha­le Gas kei­ne neue Qua­li­tät im Wett­be­werb», hält Bock nüch­tern fest. Wer Pe­tro­che­mi­ka­li­en wirk­lich güns­tig her­stel­len wol­le, ha­be das bis­her schon im Na­hen Os­ten tun kön­nen. Für die BASF sei dies aber kei­ne Op- ti­on ge­we­sen; sie sei im­mer di­rekt in die Ab­satz­märk­te ge­gan­gen, nach Ame­ri­ka, nach Asi­en. «In ers­ter Li­nie spre­chen wir im Zu­sam­men­hang mit Sha­le Gas al­so über ei­ne ver­bes­ser­te Wett­be­werbs­fä­hig­keit un­se­rer In­ves­ti­tio­nen in den USA.»

Die USA wer­den durch Sha­le Gas be­flü­gelt. Sin­ken­de Ener­gie­kos­ten be­deu­ten mehr Kauf­kraft. Dank ihm hat zu­dem ei­ne Re­in­dus­tria­li­sie­rung ein­ge­setzt, und so­gar von Ener­gie­un­ab­hän­gig­keit ist die Re­de. Die Ge­win­nung von Sha­le Gas durch hy­drau­li­sche Riss­bil­dung (Frac­tu­ring), bei der gros­se Men­gen Was­ser, Sand und Che­mi­ka­li­en in die Boh­rung ge­presst wer­den, ist al­ler­dings sehr um­strit­ten.

Ist es trotz­dem auch ei­ne Chan­ce für Eu­ro­pa? «Das ist ei­ne span­nen­de Fra­ge – und ein The­ma, das of­fen­siv an­ge­gan­gen wer­den muss», meint Kurt Bock. Doch Eu­ro­pa übe sich in Vo­gel-Strauss-Po­li­tik. Frank­reich will kein Sha­le Gas, und ähn­lich klingt es in Deutsch­land. Doch Eu­ro­pa müs­se er­geb­nis­of­fen prü­fen, was für ein Po­ten­zi­al es für Sha­le Gas ge­be und un­ter wel­chen Be­din­gun­gen ei­ne För­de­rung im Sin­ne der Nach­hal­tig­keit ver­ant­wort­bar sei, for­dert der BASF-Chef und meint: «Ener­gie ist ei­ne wert­vol­le Wa­re. Die Hal­tung ‹Wol­len wir nicht, brau­chen wir nicht› ist des­halb et­was ar­ro­gant.»

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