Sün­den­bock ge­sucht

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CB

Im und um die Stahl- und Tech­no­lo­gie­grup­pe Thys­sen­Krupp herrscht Auf­ruhr. Die Su­che nach Schul­di­gen ist in vol­lem Gan­ge. Wer ist ver­ant­wort­lich für den Scha­den – den fi­nan­zi­el­len und den an der Glaub­wür­dig­keit –, den das Pro­jekt Steel Ame­ri­cas, Kar­tell­ab­spra­chen und Kor­rup­ti­ons­fäl­le ver­ur­sacht ha­ben? Die Fin­ger zei­gen in zwei Rich­tun­gen.

Zum ei­nen deu­ten sie auf Ma­na­ger, die für die «al­te» Füh­rungs­kul­tur des Kon­zerns ste­hen: den Ex-CEO Ek­ke­hard Schulz und drei Vor­stands­mit­glie­der, die nun ge­hen müs­sen (vgl. Haupt­text). Zum an­dern steht aber auch Auf­sichts­rats­chef Ger­hard Crom­me in der Kri­tik. Ha­ben er und die an­de­ren Mit­glie­der des Kon­troll­gre­mi­ums ih­re Pflicht er­füllt, lau­tet die Fra­ge.

Crom­me selbst hat die Flucht nach vorn an­ge­tre­ten. Ge­mäss ei­nem vom Kon­zern be­stä­tig­ten Be­richt im «Spie­gel» hat er ein Gut­ach­ten in Auf­trag ge­ge­ben, um zu klä­ren, ob Schulz und an­de­re ehe­ma­li­ge Füh­rungs­kräf­te den Auf­sichts­rat über das De­sas­ter rund um Steel Ame­ri­cas be­wusst falsch in­for­miert hat­ten.

Doch selbst wenn dem so sein soll­te, dürf­te die Kri­tik an Crom­me kaum ganz ver­stum­men. Thys­sen­Krupp ist ein kaum über­schau­ba­res Kon­glo­me­rat mit ei­ner eher dürf­ti­gen Er­folgs­bi­lanz ge­we­sen. Die­se Struk­tur hat Crom­me seit 2001 mit­ge­tra­gen, oh­ne dass ihn die dar­in ent­stan­de­ne Füh­rungs­kul­tur ge­stört hät­te. Mehr noch: Crom­me steht seit bald zehn Jah­ren auch dem Auf­sichts­rat von Sie­mens vor – ei­nem Kon­zern, der eben­falls nicht im Ruf steht, fo­kus­siert zu sein, der we­ni­ger wert ist als die Sum­me sei­ner Tei­le und des­sen Leis­tung eben­falls zu wün­schen üb­rig lässt.

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