Nat­ha­ni­el Roth­schild ge­gen den Ba­krie-clan

GROSS­BRI­TAN­NI­EN Streit um in­do­ne­si­schen Koh­le­för­de­rer Bu­mi

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE - BEAT HO­NEGGER

Ein pro­mi­nen­ter Na­me zieht. Als Nat­ha­ni­el Roth­schild, ein­zi­ger Sohn und de­si­gnier­ter Nach­fol­ger von Ba­ron Ja­cob Roth­schild aus der be­kann­ten Ban­kier­dy­nas­tie, Geld für In­ves­ti­ti­ons­ve­hi­kel sam­mel­te, floss ein rei­cher Se­gen. An­le­gern, die sich hat­ten ver­lo­cken las­sen, be­rei­te­te das En­ga­ge­ment bis­lang aber we­nig Freu­de. Für Bu­mi sieht die Bi­lanz ka­ta­stro­phal aus: Die Ak­ti­en ha­ben in die­sem Jahr 68% ver­lo­ren. Auch An­la­gen in Ge­n­el sind noch kei­ne Gold­gru­be. Die Ti­tel no­tie­ren fast 20% un­ter dem Emis­si­ons­preis.

Was ist schief­ge­lau­fen? Der Spross des eng­li­schen Roth­schild-Zweigs hat­te zum gu­ten Na­men auch eben­sol­che Be­zie­hun­gen – un­ter an­de­rem war er Be­ra­ter des Rus­sen Oleg De­ri­pas­ka, der den welt­gröss­ten Alu­mi­ni­um­kon­zern Ru­sal kon­trol­liert. Aus­ge­zahlt hat sich sein Kauf von Glen­co­re-Wandelanleihen, die ihm beim Bör­sen­gang des Schwei­zer Roh­stoff­händ­lers 2011 viel Geld ein­brach­ten.

Zur Vor­sicht hät­ten ne­ben dem Ri­si­ko von An­la­gen in Ent­wick­lungs­län­dern aber ins­be­son­de­re sei­ne voll­mun­di­gen Ver­spre­chen mah­nen müs­sen. Nat Roth­schild woll­te sich nicht mit ho­hen zwei­stel­li­gen Ge­win­nen be­gnü­gen. Er vi­sier­te zu­min­dest ei­ne Ver­dop­pe­lung des Ein­sat­zes an. Er­rei­chen woll­te er das mit der Ein­set­zung ei­nes neu­en Ma­nage­ments in den er­wor­be­nen Ge­sell­schaf­ten und ver­bes­ser­ter Un­ter­neh­mens­füh­rung. Bei­des miss­lang zu­min­dest bei Bu­mi gründ­lich.

An­le­ger las­sen sich ver­lo­cken

Kri­ti­sche Vor­be­hal­te vor der Lan­cie­rung ver­fin­gen nicht. In we­ni­gen Wo­chen in­ves­tier­ten die An­le­ger im Ju­li 2010 über 700 Mio. £ (mehr als 1 Mrd. Fr.) in das Berg­bau­ve­hi­kel Vall­ar, ei­ne Black­box noch oh­ne Sub­stanz, erst ein Ver­spre­chen. Im No­vem­ber wur­de dann gross ein­ge­kauft. Vall­ar er­warb für 1,4 Mrd. $ ein Vier­tel des gröss­ten in­do­ne­si­schen Koh­le­för­de­rers Bu­mi Re­sour­ces und für 1,6 Mrd. $ drei Vier­tel von Berau Co­al Re­sour­ces, der Num­mer fünf des Lan­des. Un­ter dem neu­en Na­men Bu­mi, ko­tiert in Lon­don, schien vor­erst al­les gut zu lau­fen.

Die zu 1000 p aus­ge­ge­be­nen Bu­mi-Ak­ti­en leg­ten bis April 2011 auf 1400 p zu. Den gu­ten Start ver­dank­te das Un­ter­neh­men auch den sich nach der Fi­nanz­kri­se er­ho­len­den Ab­satz­prei­sen für Ther­m­al­koh­le. Vom Hun­ger Chi­nas nach Roh­stof­fen pro­fi­tie­rend, er­leb­te die Bran­che da­mals wie­der gu­te Zei­ten. Das er­mu­tig­te Roth­schild, zu­sam­men mit dem we­gen der Gol­fka­ta­stro­phe ent­las­se­nen BP-Chef To­ny Hay­ward ein zwei­tes An­la­ge­ve­hi­kel für In­ves­ti­tio­nen im Ener­gie­be­reich – Vall­ares – zu grün­den. Mit den ge­äuf­ne­ten 1,3 Mrd. £ wur­de dann mit ei­nem Re­ver­se Take­over die tür­ki­sche Ge­n­el Ener­gij über­nom­men (vgl. Box un­ten).

Ziel war es, Bu­mi grös­ser als Xstra­ta zu ma­chen. Als Vor­bild eig­net sich der Schwei­zer Berg­bau­kon­zern zwar, aber die Vor­her­sa­ge von Roth­schild war sehr kühn. Die heu­te breit di­ver­si­fi­zier­te Xstra­ta wur­de vom CEO Mick Da­vis auf den von Süd­elek­tra bzw. Glen­co­re 1999 über­nom­me­nen aus­tra­li­schen Koh­le­mi­nen auf­ge­baut und ent­wi­ckel­te sich nach dem Bör­sen­gang 2002 in ei­ner De­ka­de zum be­gehr­ten Welt­kon­zern.

Nicht zum ers­ten Mal ge­riet aber die Fa­mi­lie von Abu­ri­zal Ba­krie, die ih­re Koh­lein­ter­es­sen in Bu­mi ein­ge­bracht hat­te und da­für 43% des Ka­pi­tals über­nahm, in fi­nan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten (vgl. FuW Nr. 83 vom 20. Ok­to­ber). Mit Sa­min Tan stieg dar­auf­hin ein be­freun­de­ter in­do­ne­si­scher En­tre­pre­neur ein. Roth­schild ver­such­te ver­geb­lich, mo­der­ne Struk­tu­ren durch­zu­set­zen. Im in­do­ne­si­schen Klün­gel ver­san­de­ten sei­ne An­stren­gun­gen, hö­he­re Trans­pa­renz und ei­ne bes­se­re Ab­gren­zung von ver­schwä­ger­ten Un­ter­neh­men durch­zu­set­zen. Er schei­ter­te an der in­do­ne­si­schen Pha­lanx, die sehr gut ver­netzt ist mit der Po­li­tik. Die Zu­sam­men­ar­beit ver­schlech­ter­te sich ab En­de 2011 lau­fend. Zu­erst wur­de der Streit in­tern, dann auch öf­fent­lich aus­ge­tra­gen.

Tau­zie­hen hält an

Roth­schild ge­rät noch stär­ker ins Ab­seits als Tan 2012 Chair­man wird. Mitt­ler­wei­le läuft ei­ne Un­ter­su­chung über fi­nan­zi­el­le Ver­feh­lun­gen. Das Ba­krie-Fa­mi­li­en­kon­glo­me­rat ver­sucht zu­dem, den Bu­mi-An­teil an Bu­mi Re­sour­ces (29,2%) und Berau (84,7%) für 1,2 Mrd. $ und Rück­ga­be der Bu­mi-Be­tei­li­gung (23,8%) zu­rück­zu­kau­fen. Roth­schild kon­tert und will mit neu­en in­do­ne­si­schen Part­nern und Un­ter­stüt­zung von In­sti­tu­tio­nel­len die Ba­krie-Fa­mi­lie so­wie Tan und Ro­san Roes­la­ni – ei­nen wei­te­ren in­do­ne­si­schen An­le­ger – aus­kau­fen. Noch ist zwar nichts ent­schie­den. Das Tau­zie­hen hält an. Vor­läu­fi­ger Sie­ger sind je­doch die Ba­k­ries. Die sehr ein­fluss­rei­che Fa­mi­lie hat Roth­schild und mit ihm sei­ne An­le­ger über den Tisch ge­zo­gen. Bis auf wei­te­res be­stimmt sie mit Tan und Roes­la­ni das Bu­mi-Schick­sal.

Als Al­ter­na­ti­ve zu An­la­gen in aus­sichts­rei­chen Un­ter­neh­men in Schwel­len­län­dern ist das En­ga­ge­ment über gros­se in­ter­na­tio­na­le Berg­bau­kon­zer­ne die bes­se­re Wahl. Das zei­gen die Ir­run­gen und Wir­run­gen um Bu­mi. Auch ein il­lus­trer Na­me wie Nat Roth­schild hat es schwer, sich ge­gen ein­fluss­rei­che Ein­hei­mi­sche durch­zu­set­zen. Es rächt sich auch, dass er, ge­blen­det vom gros­sen Emis­si­ons­er­folg der Black­box Vall­ar, zu we­nig Zeit für ei­ne se­riö­se Ab­klä­rung der Ak­qui­si­tio­nen im in­do­ne­si­schen Berg­bau hat­te.

Bu­mi

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