Ba­si­lea vor ei­ner Zä­sur

SCHWEIZ Be­stän­dig­keit nach dem Chef­wech­sel – 2013 ste­hen wich­ti­ge Neu­ig­kei­ten ins Haus

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - THORS­TEN RIEDL

VAb­gang er­war­tet

or fast drei Jah­ren schlug die Nach­richt ein wie ei­ne Bom­be: John­son & John­son hat­te bei kli­ni­schen Tests des An­ti­bio­ti­kums Zev­te­ra un­sau­ber ge­ar­bei­tet und ei­ne Rü­ge der US-Ge­sund­heits­be­hör­de FDA kas­siert. Die Zu­las­sung des Mit­tels, auch be­kannt un­ter dem Na­men des Wirk­stoffs Cef­to­bi­prol, wur­de dar­auf­hin zu­nächst ein­mal ge­stoppt. Für den US-Kon­zern war das kaum mehr als ein Schluck­auf, für den Part­ner Ba­si­lea aber ei­ne Nach­richt, die das Un­ter­neh­men ins Mark er­schüt­tert hat – und de­ren Fol­gen bis heu­te zu spü­ren sind.

Die Ak­ti­en von Ba­si­lea no­tie­ren bis jetzt un­ter dem Ni­veau des 24. Fe­bru­ars 2009, al­so dem Tag, als die Pro­ble­me be­kannt wur­den. Und auch dass Ant­ho­ny Man, Mit­grün­der und seit neun Jah­ren Chef des Un­ter­neh­mens, nun ab­tritt, füh­ren un­ter­neh­mens­na­he Krei­se auf die­sen Vor­fall zu­rück. Auf Man folgt Ro­nald Scott, eben­falls ein Mann der ers­ten St­un­de, der sei­nen Leis­tungs­aus­weis spä­tes­tens in die­sem Jahr für die zweit­gröss­te Schwei­zer Bio­tech-Ge­sell­schaft er­bracht hat. Man und Scott ge­hö­ren zum Grün­dungs­team, das Ba­si­lea im Ok­to­ber 2000 als Spin-off der In­fek­ti­ons­ab­tei­lung von Ro­che aus dem Phar­ma­kon­zern ge­löst hat. Der Aus­stieg von Man zum jet­zi­gen Zeit­punkt und mit der kur­zen Frist – schon zum Jah­res­en­de – hat vie­le über­rascht. «Wir ha­ben kei­ne Kennt­nis von Un­stim­mig­kei­ten oder an­de­ren Grün­den, die Ak­tio­nä­re be­un­ru­hi­gen soll­ten», schreibt bei­spiels­wei­se die Bank Sa­ra­sin in ei­ner ers­ten Ein­schät­zung. In der Tat war es aber laut Un­ter­neh­mens­ken­nern so, dass Man seit dem Rück-

Ba­si­lea N schlag mit J&J über sei­nen Ab­gang nach­ge­dacht hat. «Das ist ihm per­sön­lich na­he­ge­gan­gen», heisst es. Doch man ha­be ihn zum Wei­ter­ma­chen be­we­gen kön­nen. Jetzt aber scheint der rich­ti­ge Zeit­punkt zum Ab­schied ge­kom­men zu sein: Das Feld ist be­stellt. Wäh­rend Man per­sön­li­che Zie­le in Chi­na ver­fol­gen will, kann Scott ern­ten, was sein Vor­gän­ger auf den Weg ge­bracht hat.

«Wir wol­len zu­nächst mit Prio­ri­tät Cef­to­bi­prol und Is­a­vu­co­na­zol zur Markt­rei­fe füh­ren», er­klär­te Scott «Fi­nanz und Wirt­schaft». «Un­se­re Früh­pha­sen-Wirk­stof­fe ent­wi­ckeln wir par­al­lel da­zu wei­ter.» Für Cef­to­bi­prol hat Ba­si­lea die Rech­te im Fe­bru­ar 2011 von J&J zu­rück­er­wor­ben. Noch in die­sem Jahr sol­len Ge­sprä­che mit der FDA statt­fin­den, zum letz­ten Mal mit Man. An­fang nächs­ten Jah­res er­war­tet Ba­si­lea die Rück­mel­dun­gen von EU-Be­hör­den zum Zu­las­sungs­an­trag für das Mit­tel ge­gen schwe­re Lun­gen­ent­zün­dun­gen und mul­ti­re­sis­ten­te bak­te­ri­el­le In­fek­tio­nen im Spi­tal. Beim An­ti­pilz­prä­pa­rat Is­a­vu­co­na­zol wer­den eben­so noch 2012 Pa­ti­en­ten re­kru­tiert für die Pha­se-III-Zu­las­sungs­stu­die. Bei die­sem Me­di­ka­men­ten­kan­di­da­ten ko­ope­riert Ba­si­lea mit dem ja­pa­ni­schen Phar­ma­kon­zern Astel­las.

Un­ab­hän­gig dank Gla­xo

Scott ist seit Grün­dung des Un­ter­neh­mens Fi­nanz­chef. Seit ei­nem Jahr be­rei­tet er sich als Chief Ope­ra­ting Of­fi­cer (COO) auf die CEO-Tä­tig­keit vor. Bran­chen­ken­ner hat er die­sen Som­mer mit ei­nem für Ba­si­lea äus­serst güns­ti­gen Li­zenz­ge­schäft be­ein­druckt. Für 224 Mio. Fr. zu­züg­lich wei­te­rer Zah­lun­gen mit Er­rei­chen von Mei­len­stei­nen li­zen­zier­te er Toc­ti­no, ein Prä­pa­rat ge­gen Han­dek­ze­me, an ei­ne Toch­ter von Gla­xoS­mit­hK­li­ne aus.

Die­se Mit­tel ge­ben der Ge­sell­schaft ein Pols­ter, ih­re Pro­dukt­kan­di­da­ten wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und oh­ne Druck in Ge­sprä­che über wei­te­re Part­ner­schaf­ten oder die Ein­li­zen­zie­rung von Wirk­stof­fen an­de­rer Ge­sell­schaf­ten zu ge­hen. «Durch die Toc­tinoTrans­ak­ti­on hat­ten wir in die­sem Jahr schon ei­nen er­heb­li­chen Mit­tel­zu­fluss», sag­te Scott, «un­ser Ziel ist je­doch, dau­er­haft Cash­flow-po­si­tiv zu wer­den.» Das will er in drei Jah­ren er­rei­chen.

Der Ver­trag mit Ant­ho­ny Man wä­re ei­gent­lich noch bis 2014 ge­lau­fen. De­tails zu fi­nan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen für Ba­si­lea in­fol­ge sei­nes vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens sol­len im Fe­bru­ar im nächs­ten Ge­schäfts­be­richt ver­öf­fent­licht wer­den.

Mit Scott hat das Un­ter­neh­men ei­nen Nach­fol­ger ge­won­nen, der die ein­ge­schla­ge­ne Stra­te­gie wei­ter­ver­fol­gen will. Auf den Wech­sel an der Spit­ze ha­ben die Ak­ti­en von Ba­si­lea kaum re­agiert. Seit Jah­res­an­fang sind sie um mehr als 20% ge­stie­gen. Wei­te­re Aus­schlä­ge sind mög­lich, wenn Neu­ig­kei­ten zur Pi­pe­line kom­men. Ri­si­ko­fä­hi­ge An­le­ger po­si­tio­nie­ren sich jetzt. Wer brei­ter ge­streut par­ti­zi­pie­ren will, kann ei­nen Kauf von HBM He­alth­ca­re er­wä­gen. Die Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft hält ei­nen An­teil von 25% an Ba­si­lea.

wa­ren im Grün­dungs­team von Ba­si­lea. Der lang­jähZu­letzt war er Chief Ope­ra­ting Of­fi­cer.

Ant­ho­ny Man (links) und Ro­nald Scott

Chef Man geht – Scott über­nimmt.

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