Ho­he wirt­schaft­li­che Be­deu­tung

Schweiz will As­set Ma­nage­ment för­dern – Das Fonds- und das As­set-ma­nage­ment-ge­schäft in der Schweiz er­ar­bei­tet ei­ne Brut­to­wert­schöp­fung von 7,5 Mrd. Fr.

Finanz und Wirtschaft - - SONDERTHEMA: ASSET MANAGEMENT - MAR­KUS FUCHS

Das As­set Ma­nage­ment soll in der Schweiz als ei­gen­stän­di­ger Ge­schäfts­be­reich ge­stärkt wer­den. Da­mit wird der Fi­nanz­platz brei­ter di­ver­si­fi­ziert und ro­bus­ter, was Vor­tei­le für die ge­sam­te Volks­wirt­schaft bringt.

Fast ein Drit­tel der ge­sam­ten Wert­schrif­ten­be­stän­de in Kun­den­de­pots der Ban­ken sind kol­lek­ti­ve Ka­pi­tal­an­la­gen. Un­ter der An­nah­me, dass der «Ver­trieb» und da­mit die Wert­ge­ne­rie­rung die­ser Pro­duk­te gross­mehr­heit­lich im In­land er­folgt und das As­set Ma­nage­ment eben­falls zu ei­nem er­heb­li­chen Teil hier ge­schieht, kann auf die ent­spre­chen­de Wert­schöp­fung rück­ge­schlos­sen wer­den.

Sehr ho­he Fonds­vo­lu­men

Das As­set Ma­nage­ment um­fasst die in­sti­tu­tio­nel­le Ver­mö­gens­ver­wal­tung für Pen­si­ons­kas­sen und Ver­si­che­run­gen, das Fonds- und das Man­dats­ge­schäft für Pri­vat­kun­den so­wie al­ter­na­ti­ve An­la­gen (v. a. Hedge Funds und Pri­va­te Equi­ty). In Schwei­zer Bank­de­pots la­gen per En­de Ju­ni 2012 rund 1338 Mrd. Fr. an kol­lek­ti­ven Ka­pi­tal­an­la­gen (Qu­el­le: Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank). Da­von wa­ren 510 Mrd. Fr. in schwei­ze­ri­sche Kol­lek­tiv­an­la­gen ge­mäss dem Kol­lek­tiv­an­la­gen­ge­setz in­ves­tiert. Das Vo­lu­men der Pu­bli­kums­fonds (Re­tail As­set Ma­nage­ment, haupt­säch­lich Pri­vat­kun­den) in Schwei­zer Bank­de­pots be­trägt ak­tu­ell rund 700 Mrd. Fr.

Die Auf­tei­lung der Ver­mö­gens­wer­te in tra­di­tio­nel­le (ak­tiv ver­wal­te­te Fonds: Ak­ti­en, Geld­markt, fest­ver­zins­li­che Pro­duk­te), al­ter­na­ti­ve Pro­duk­te (Hedge Funds, Pri­va­te Equi­ty und an­de­re) und pas­si­ve Pro­duk­te (ETFs auf Ak­ti­en­in­di­zes und fest­ver­zins­li­che Pro­duk­te) er­gibt Fol­gen­des: En­de 2011 wa­ren knapp 80% der Gel­der von Pri­vat­kun­den in tra­di­tio­nel­le Pro­duk­te in­ves­tiert, der An­teil bei al­ter­na­ti­ven Pro­duk­ten inkl. Im­mo­bi­li­en­fonds be­trug et­wa 13%. Pas­si­ve Pro­duk­te hat­ten den ge­rings­ten An­teil mit rund 7%.

Ein Blick auf die Zu­sam­men­set­zung des An­le­ger­krei­ses von Schwei­zer In­sti­tu­tio­nel­len zeigt, dass Pen­si­ons­kas­sen mit 49% der ver­wal­te­ten Ver­mö­gen die gröss­te An­le­ger­grup­pe bil­den. Fi­nan­zie­rungs- und Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­in­sti­tu­tio­nen fol­gen mit 27 und Ver­si­che­run­gen mit 20%.

Im Fonds­ge­schäft wird von der To­tal Ex­pen­se Ra­tio ( TER) ge­spro­chen. Sie um­fasst ne­ben den Ver­wal­tungs­ge­büh­ren die fol­gen­den Kom­po­nen­ten: Per­for­mance Fees (so­weit vor­ge­se­hen); Re­vi­si­ons- und Bank­ge­büh­ren; Li­qui­di­täts­kos­ten (Kre­dit­zin­sen, Wäh­rungs­ab­si­che­run­gen). Aus­ga­be­auf­schlä­ge, Be­ra­tungs­kos­ten (so­weit ap­pli­zier­bar), Cour­ta­gen und Steu­ern sind üb­li­cher­wei­se nicht in der TER ent­hal­ten.

Wert­schöp­fungs­ket­te im Fonds­ge­schäft

Zu be­ach­ten ist, dass für die Wert­schöp­fung im We­sent­li­chen die Ma­nage­ment­ge­büh­ren mass­ge­bend sind, wel­che je nach An­la­ge­klas­se in der Re­gel zwi­schen 1 und 2% lie­gen. Die üb­ri­gen Ge­büh­ren be­tra­gen üb­li­cher­wei­se we­ni­ge Ba­sis­punk­te, sind hier nur der Voll­stän­dig­keit hal­ber er­wähnt und wer­den in die fol­gen­den Über­le­gun­gen nicht mit­ein­be­zo­gen.

Die Wert­schöp­fungs­ket­te im Fonds­ge­schäft lässt sich sche­ma­tisch und ver­ein­facht glie­dern (vgl. Gra­fik) Die auf­ge­führ­ten Pro­zent­zah­len stel­len die durch- schnitt­li­che und in meh­re­ren Stu­di­en er­här­te­te Auf­tei­lung der Ma­nage­ment­ge­büh­ren auf die drei gros­sen Blö­cke As­set Ma­nage­ment, Pro­dukt­ma­nage­ment (Fonds­lei­tung, De­pot­bank, Ad­mi­nis­tra­ti­on, Struk­tu­rie­rung) und Ver­trieb dar.

Un­ter der An­nah­me ei­ner durch­schnitt­li­chen Ma­nage­ment­ge­bühr von 1% (sie liegt für Ob­li­ga­tio­nen­fonds ten­den­zi­ell et­was tie­fer und für Ak­ti­en- und Spe­zi­al­fonds et­was hö­her) lässt sich die Brut­to­wert­schöp­fung des Fonds- und As­set Ma­nage­ment her­lei­ten. Da­bei er­rech­net sich die Brut­to­wert­schöp­fung aus der Mul­ti­pli­ka­ti­on des Ge­samt­vo­lu­mens der kol­lek­ti­ven Ka­pi­tal­an­la­gen mit den je­wei­li­gen Ma­nage­ment­ge­büh­ren, wo­bei bei den Pu­bli­kums­fonds mit ei­ner durch­schnitt­li­chen Ge­bühr von 1 und bei den Fonds für qua­li­fi­zier­te An­le­ger mit 0,6% ge­rech­net wur­de.

Ein­drück­li­che Zah­len

Die Ma­nage­ment­ge­büh­ren wer­den bei den Pu­bli­kums­fonds den drei Be­rei­chen Ad­mi­nis­tra­ti­on (10%), As­set Ma­nage­ment (30%) und Ver­trieb (60%) zu­ge­ord­net. Bei den Fonds für qua­li­fi­zier­te An­le­ger ent­fällt die Ver­triebs­kom­po­nen­te weit­ge­hend, und die Ge­büh­ren wer­den dem As­set Ma­nage­ment (90%) und der Ad­mi­nis­tra­ti­on (10%) zu­ge­ord­net. Da­von ab­ge­zo­gen wer­den die nicht in der Schweiz er­ziel­ten Er­trä­ge. Im Ein­zel­nen er­ge­ben sich für die drei Haupt­be­rei­che ein­drück­li­che Zah­len:

As­set Ma­nage­ment: Sehr vie­le Pu­bli­kums­fonds sind nicht nach Schwei­zer Recht auf­ge­legt, je­doch fun­gie­ren oft Schwei­zer Ban­ken und Ver­si­che­run­gen als Spon­so­ren die­ser Fonds. Das As­set Ma­nage­ment der meis­ten die­ser aus­län­di­schen Fonds fin­det in der Schweiz statt. Für die Brut­to­wert­schöp­fung er­gibt sich un­ter An­nah­me ei­ner über al­les ge­se­he­nen durch­schnitt­li­chen «In­land­quo­te» von 75% ein Be­trag von rund 3 Mrd. Fr.

Ad­mi­nis­tra­ti­on/Pro­dukt­ma­nage­ment: Von den ins­ge­samt 1300 Mrd. Fr. Fonds­vo­lu­men ent­fal­len gut 500 Mrd. Fr. auf Schwei­zer Fonds. Nur für die­se fin­det ei­ne ent­spre­chen­de Ad­mi­nis­tra­ti­ons­wert­schöp­fung in der Schweiz statt. Die Mul­ti­pli­ka­ti­on des Vo­lu­mens schwei­ze­ri­scher Fonds mit dem der Ad­mi­nis­tra­ti­on al­lo­zier­ten An­teil an der Ge­samt­wert­schöp­fung er­gibt ei­nen Be­trag von rund 450 Mio. Fr. Ver­trieb: Die Wert­schöp­fung im Ver­trieb liegt hö­her als beim As­set Ma­nage­ment und der Ad­mi­nis­tra­ti­on. Bei haus­ei­ge­nen Fonds dürf­te der pro­zen­tua­le An­teil teil­wei­se über 60% lie­gen, bei ein­ge­kauf­ten Dritt­fonds oft zwi­schen 40 und 60%.

Für die Be­rech­nung der Brut­to­wert­schöp­fung im Ver­trieb ist die Un­ter­schei­dung zwi­schen Fonds für qua­li­fi­zier­te An­le­ger und Pu­bli­kums­fonds not­wen­dig. Be­son­ders die Schwei­zer Fonds für qua­li­fi­zier­te An­le­ger sind schwer­ge­wich­tig in den Port­fo­li­os der Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen und Ver­si­che­run­gen zu fin­den, wel­che oft «Di­rekt­ver­trä­ge» mit den As­set Ma­na­gern ha­ben. So­mit dürf­te die «Ver­triebs­mar­ge» für die­se Pro­duk­te weit­ge­hend ent­fal­len. Bei aus­län­di­schen Fonds für qua­li­fi­zier­te An­le­ger han­delt es sich zu ei­nem er­heb­li­chen Teil um im Pri­va­te Ban­king ein­ge­setz­te Pro­duk­te, für die die Ban­ken teil­wei­se, aber bei Wei­tem nicht in al­len Fäl­len so­ge­nann­te Ver­triebs­ver­ein­ba­run­gen ab­ge­schlos­sen ha­ben. In­wie­fern sich der neue Bun­des­ge­richts­ent­scheid be­züg­lich Ver­triebs­ent­schä­di­gun­gen auf die Ver­triebs­wert­schöp­fung aus­wir­ken wird, ist der­zeit schwie­rig ab­zu­schät­zen.

Die Be­rech­nun­gen, die hier aus Platz­grün­den nicht im De­tail wie­der­ge­ge­ben wer­den, er­ge­ben un­ter den be­schrie­be­nen An­nah­men ei­ne Ver­triebs­brut­to­wert­schöp­fung von über 4 Mrd. Fr. Ge­samt­haft er­gibt sich ei­ne über die ge­sam­te Wert­schöp­fungs­ket­te er­rech­ne­te Brut­to­wert­schöp­fung von rund 7,5 Mrd. Fr.

21 000 Ar­beits­plät­ze

Die Swiss Funds As­so­cia­ti­on (SFA) schätzt, dass ba­sie­rend auf die­sen Über­le­gun­gen rund 21 000 Per­so­nen in der Schwei­zer Fonds- und As­set-Ma­nage­ment-In­dus­trie be­schäf­tigt sind. Die in­di­rekt mit der Fonds­in­dus­trie ver­bun­de­nen und meist hoch­qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­plät­ze (Re­vi­si­on, Rechts- und Steu­er­be­ra­tung) sind da­bei noch nicht ein­ge­rech­net.

Auch wenn die­se Be­rech­nun­gen auf ei­ni­gen nicht voll­stän­dig er­här­te­ten An­nah­men be­ru­hen, zei­gen sie doch die er­heb­li­che Be­deu­tung des Fonds- und As­set Ma­nage­ment­ge­schäfts für die Schwei­zer Wirt­schaft auf. Mar­kus Fuchs ist Se­ni­or Coun­sel von Swiss Funds As­so­cia­ti­on SFA

At­trak­tiv: Das As­set Ma­nage­ment wird für die Schweiz zur Wachs­tums­chan­ce.

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