Full Mon­ti oh­ne Su­per Ma­rio?

Be­deu­tet das En­de der Tech­no­kra­ten das Aus für die Re­for­men? – Ber­lus­co­ni er­wacht – Fi­nanz­märk­te re­agie­ren mo­de­rat

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - TOMMASO MANZIN

Die Fi­nanz­märk­te schau­en nicht auf die Fun­da­men­tal­da­ten. Sie sind süch­tig nach Li­qui­di­tät.

DWie wird ge­wählt? Das Wahl­ge­setz gibt der sieg­rei­chen Ko­ali­ti­on ei­ne Stim­men­prä­mie. Da­her ist nicht mit ei­nem grie­chi­schen Sze­na­rio zu rech­nen, al­so mit meh­re­ren Wahl­gän­gen, um schliess­lich ei­ne Mehr­heit zu eru­ie­ren. ie bal­di­ge Ab­dan­kung des ita­lie­ni­schen Pre­miers Ma­rio Mon­ti wirft Fra­gen über die zu­künf­ti­ge Mar­sch­rich­tung in Rom auf: ei­ne An­lei­tung zum ge­mäs­sig­ten Un­glück­lich­sein mit der neu­en Si­tua­ti­on. Wann wählt Ita­li­en das neue Par­la­ment? Die Wah­len müs­sen spä­tes­tens im April statt­fin­den, da im Früh­jahr die Le­gis­la­tur­pe­ri­ode von fünf Jah­ren re­gu­lär aus­läuft. Die Ver­fas­sung schreibt zu­dem Wah­len spä­tes­tens 70 Ta­ge nach Auf­lö­sung der Kam­mern vor. Die­ser Schritt von Staats­prä­si­dent Gior­gio Na­po­li­ta­no wird noch vor Weih­nach­ten er­war­tet, nach Ver­ab­schie­dung des Haus­halts 2013 und dem da­ran ge­knüpf­ten Rück­tritt Mon­tis. Am Mon­tag hat In­nen­mi­nis­te­rin An­na Ma­ria Can­cel­lie­ri den 17. oder 24. Fe­bru­ar als Wahl­tag in Aus­sicht ge­stellt. Was sa­gen die Hoch­rech­nun­gen? Die De­zem­ber-Um­fra­ge von De­mos gibt der PDL von Sil­vio Ber­lus­co­ni 18%. Die Link­s­par­tei PD mit Spit­zen­kan­di­dat Pier Lu­i­gi Ber­sa­ni kommt auf ei­nen Re­kord­wert von 38%. Kei­ne kann al­lein re­gie­ren. Da­her blei­ben klei­ne­re Par­tei­en wich­tig für die Ko­ali­ti­ons­bil­dung, dar­un­ter vor al­lem die bür­ger­li­che UDC von Pier Fer­di­nan­do Ca­si­ni. Links der PD po­li­ti­siert Re­form­geg­ner Ni­chi Ven­do­la von der SEL. Ist noch Platz für Mon­ti? Nach sei­ner Rück­tritts­er­klä­rung liess Mon­ti die Fra­ge of­fen, ob er sich wei­ter zur Ver­fü­gung stellt. Ob­wohl er als Se­na­tor auf Leb­zei­ten nicht ge­wählt wer­den muss, bräuch­te Mon­ti die Un­ter­stüt­zung des PD. Doch Ber­sa­ni wird sich die his­to­ri­sche Chan­ce nicht neh­men las­sen, selbst ge­gen Ber­lus­co­ni an­zu­tre­ten, der noch nie so ge­schwächt war. Die letz­ten Äus­se­run­gen Ber­sa­nis: Mon­ti soll sich aus dem Wahl­kampf her­aus­hal­ten. Ei­ne Zu­sam­men­ar­beit zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt schlies­se man nicht aus. Ei­ne Mög­lich­keit wä­re, dass sich die nächs­te Re­gie­rung Mon­tis Pres­ti­ge mit ei­nem Mi­nis­ter­pos­ten si­chert. Neu zu be­set­zen ist auch das Amt des Staats­prä­si­den­ten. Ist es vor­bei mit dem Schul­den­ab­bau? Die Ent­schul­dung ge­he wei­ter, er­war­tet Mor­gan St­an­ley. Ita­li­en ha­be in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten nur 2009 ein De­fi­zit aus Ein­nah­men und Aus­ga­ben vor Zins­zah­lun­gen (Pri­mär­de­fi­zit) aus­wei­sen müs­sen. Durch­schnitt­lich be­trug der Über­schuss 5%. Das Wachs­tum sei an­ders als in Ir­land, Spa­ni­en oder Grie­chen­land nicht durch De­fi­zi­te fi­nan­ziert oder auf ei­nen Häu­ser­markt- oder Kon­sum­boom ge­baut ge­we­sen, die eben­falls kre­dit­fi­nan­ziert wa­ren. Rom wer­de zu sub­stan­zi­el­len Pri­mär­über­schüs­sen zu­rück­keh­ren, die die Zins­last fast voll­stän­dig zu fi­nan­zie­ren ver­mö­gen (vgl. Gra­fik). Wie wirkt sich die Re­zes­si­on auf den Spar­plan aus? Die po­li­tik­in­du­zier­te Re­zes­si­on wer­de die Ein­nah­men schmä­lern, meint Mor­gan St­an­ley. Doch die­ser Ef­fekt wer­de von den Kür­zun­gen der Aus­ga­ben über­wo­gen. Am Fis­kal­rah­men wer­de sich «un­ter kei­nem ver­nünf­ti­gen po­li­ti­schen Sze­na­rio» et­was än­dern. Das Bud­get­de­fi­zit (in­klu­si­ve Zin­sen) wer­de ab­neh­men und ver­zö­gert auch die Schul­den­quo­te (vgl. Gra­fik). Wie ge­fähr­lich sind die hö­he­ren Ren­di­ten? His­to­risch stie­gen die kurz­fris­ti­gen Ren­di­ten in Ita­li­en bei ei­nem Re­gie­rungs­wech­sel im Durch­schnitt um rund 24 Ba­sis­punk­te (Bp), die Ak­ti­en­märk­te ga­ben je­weils rund 5% nach. Die Ren­di­ten zwei­jäh­ri­ger An­lei­hen sind von Frei­tag – dem Tag, an dem die PDL Mon­ti die Un­ter­stüt­zung ent­zog – auf Mon­tag gut 30 Bp ge­stie­gen. Seit­her no­tie­ren sie 9 Bp tie­fer. Bis­her fällt die Re­ak­ti­on al­so nicht aus dem Rah­men. Wür­den die Zin­sen nach­hal­tig stei­gen, näh­me der Druck wie­der

Der ita­lie­ni­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Ma­rio Mon­ti kün­dig­te am Sams­tag sei­nen Rück­tritt an. Neu­wah­len fin­den im Fe­bru­ar statt.

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