Yen­schwä­che dürf­te Bör­se 2013 be­flü­geln

Die Plä­ne von Ldp-an­füh­rer Shin­zo Abe schwä­chen die ja­pa­ni­sche Va­lu­ta – Ak­ti­en­markt re­agiert er­freut – Struk­tu­rel­le Yen­schwä­che könn­te Zins­wen­de aus­lö­sen

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - GRE­GOR MAST

Er­in­nern Sie sich? In den Jah­res­aus­bli­cken für 2012 stand der USAk­ti­en­markt ganz oben auf der Emp­feh­lungs­lis­te der meis­ten An­la­ge­stra­te­gen. Von eu­ro­päi­schen und ja­pa­ni­schen Di­vi­den­den­pa­pie­ren wur­de ab­ge­ra­ten – in Eu­ro­pa herr­sche Kri­se, und Ja­pan kom­me oh­ne­hin kaum vom Fleck. Da­zu las­te der star­ke Yen auf dem Ak­ti­en­markt. Nur die USA wür­den an­spre­chen­des Wachs­tum bie­ten, lau­te­te die Lo­sung vor Jah­res­frist.

Bald neigt sich das Jahr dem En­de zu – höchs­te Zeit für ei­ne ers­te Bi­lanz. Ha­ben sich die Pro­phe­zei­un­gen be­wahr­hei­tet? Viel­leicht trau­en Sie Ih­ren Au­gen nicht, aber per letz­ten Frei­tag be­trug der Kurs­ge­winn des S&P 500 12,8%, der­je­ni­ge des Nik­kei 225 12,7%, wäh­rend der Eu­ro Sto­xx 50 12,3% hö­her no­tiert.

Noch er­staun­li­cher mu­tet die Aus­wer­tung an, wenn auf den Ge­samt­er­trag – Kurs­ent­wick­lung in­klu­si­ve re­inves­tier­ter Di­vi­den­den – ab­ge­stellt wird. Der kla­re Sie­ger ist Eu­ro­pa mit 17,9% Ge­samt­ren­di­te, wäh­rend Ame­ri­ka auf 15,2 und Ja­pan auf 14,8% kommt.

Das fast iden­ti­sche Ab­schnei­den der wich­tigs­ten Märk­te mag um­so er­staun­li­cher er­schei­nen, als die Au­gu­ren mit ih­ren Kon­junk­tur­pro­gno­sen gar nicht so fal­schla­gen. In der Tat über­zeug­te Ame­ri­ka mit den so­li­des­ten Wachs­tums­wer­ten, wäh­rend Eu­ro­pa und Ja­pan in die Re­zes­si­on ab­ge­glit­ten sind. Ja­pan wies in kei­nem ein­zi­gen Quar­tal ein hö­he­res Wachs­tum aus als die USA. Auch die be­rühmt-be­rüch­tig­ten de­fla­tio­nä­ren Ten­den­zen ha­ben sich kei­nes­falls ver­flüch­tigt. Seit Ju­ni sin­ken die Kon­su­men­ten­prei­se in Ja­pan ste­tig, wäh­rend die Teue­rung in Ame­ri­ka im Ju­li mit 1,4% den Tief­punkt durch­schrit­ten hat und seit­her wie­der an­zieht.

Yen als Kurstrei­ber

Und trotz­dem no­tie­ren al­le Märk­te gleich­auf. Was ist pas­siert? Fi­nanz­märk­te wer­den von den Er­war­tun­gen ge­trie­ben und nicht vom Wachs­tum al­lein. Wäh­rend sich Ame­ri­ka in et­wa so ent­wi­ckelt hat wie er­war­tet, über­rasch­te Eu­ro­pa mit An­sät­zen der Kri­sen­be­wäl­ti­gung und Ja­pan mit ei­nem schwä­che­ren Yen.

Bis Mit­te Ok­to­ber kam der ja­pa­ni­sche Ak­ti­en­markt kaum vom Fleck, wäh­rend die ame­ri­ka­ni­schen und die eu­ro­päi­schen Bör­sen be­reits seit Ju­ni haus­sie­ren. Mit­te No­vem­ber ver­kün­de­te Pre­mier Yo­shi­hi­ko No­da vor­ge­zo­ge­ne Neu­wah­len für kom­men­des Wo­che­n­en­de. Der An­füh­rer der vor­aus­sicht­li­chen Wahl­ge­win­ne­rin LDP – der ehe­ma­li­ge Pre­mier Shin­zo Abe – strebt die Ver­po­li­ti­sie­rung der Bank of Ja­pan (BoJ) an. Ziel ist die Schwä­chung des Yens,

Schwä­che­rer Yen treibt Nik­kei 225 den Abe als Haupt­ur­sa­che für den wirt­schaft­li­chen Kriech­gang iden­ti­fi­ziert, über ei­ne mas­si­ve Re­fla­tio­nie­rung (vgl. da­zu un­ten­ste­hen­den Ar­ti­kel). Die Wäh­rung des In­sel­reichs re­agier­te prompt mit ei­nem spür­ba­ren Kur­stau­cher und weck­te da­mit auch den ja­pa­ni­schen Ak­ti­en­markt aus sei­ner Lethar­gie (vgl. Gra­fik 1).

Al­ler­dings meh­ren sich die An­zei­chen, dass der Yen auch oh­ne Schwä­chung durch die BoJ an ei­nem struk­tu­rel­len Wen­de­punkt an­ge­langt sein könn­te. Die Han­dels­bi­lanz – lan­ge Zeit ei­ne der be­deu­tends­ten Stüt­zen der ja­pa­ni­schen Va­lu­ta – dreh­te we­gen der glo­ba­len Wachs­tums­ab­schwä­chung und der im Ge­fol­ge der Ka­ta­stro­phe von Fu­kus­hi­ma er­höh­ten Erd­gas­im­por­te zum ers­ten Mal seit En­de der Sieb­zi­ger­jah­re ins Mi­nus (vgl. Gra­fik 2). Wäh­rend die Ab­küh­lung des Welt­wirt­schafts­wachs­tums tem­po­rär ist, dürf­ten die Än­de­run­gen in der Ener­gie­po­li­tik und der da­mit ver­bun­de­ne Druck auf die Han­dels­bi­lanz dau­er­haf­ter Na­tur sein.

Spiel mit dem Feu­er

Da­zu kommt der Streit mit Chi­na um die Senka­ku-In­seln. Abe als Hard­li­ner dürf­te kaum in der La­ge sein, die­sen Kon­flikt zu ent­schär­fen, wes­halb die Be­zie­hun­gen zu Chi­na an­ge­spannt und die Ex­por­te ins Reich der Mit­te un­ter Druck blei­ben dürf­ten. Es spricht dem­nach ei­ni­ges für an­hal­ten­de De­fi­zi­te in der Han­dels­bi­lanz, die sich auch auf die Leis­tungs­bi­lanz über­tra­gen dürf­ten.

So sehr sich Po­li­ti­ker, Aka­de­mi­ker und Stra­te­gen nach ei­nem schwa­chen Yen seh­nen, so ge­fähr­lich ist die of­fi­zi­el­le Aus­rich­tung der Geld­po­li­tik an­ge­sichts des ge­wal­ti­gen Schul­den­ber­ges. Es fällt der Re­gie­rung heu­te schon im­mer schwe­rer, in­län­di­sche Spa­rer an­zu­lo­cken, die den Über­hang an Re­gie­rungs­an­lei­hen ( JGB) ab­sor­bie­ren. So schal­tet das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um Wer­be­kam­pa­gnen mit lo­ka­len Be­rühmt­hei­ten, die den Pri­vat­in­ves­to­ren das Hal­ten von JGB schmack­haft ma­chen wol­len. Trotz­dem sin­ken die JGB-Be­stän­de in den Hän­den von Herrn und Frau Wa­tan­a­be.

Das ak­tu­el­le Ren­di­teni­veau und die Aus­sicht auf Wäh­rungs­ver­lus­te dürf­ten die aus­län­di­schen In­ves­to­ren kaum ver­an­las­sen, in die Bre­sche zu sprin­gen. Es ist des­halb nicht aus­zu­schlies­sen, dass mit der Schwä­chung des Yens auch die Zin­sen zu stei­gen be­gin­nen. An­fäng­lich dürf­te der Ak­ti­en­markt bei­des eu­pho­risch be­grüs­sen – haupt­säch­lich Bank­ak­ti­en und Ex­port­wer­te wür­den zu den gros­sen Pro­fi­teu­ren ge­hö­ren. Soll­te die Si­tua­ti­on aber aus­ser Kon­trol­le ge­ra­ten und sich der Zins­an­stieg ver­fes­ti­gen, wür­den Re­gie­rung und Bör­se auf die Pro­be ge­stellt.

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