«Steu­er­kon­for­mi­tät si­cher­stel­len»

EVE­LI­NE WID­MER-SCHLUMPF zur künf­ti­gen Fi­nanz­platz­stra­te­gie

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - THO­MAS WYSS UND MO­NI­CA HEGG­LIN

Was hat der Bun­des­rat am Frei­tag ent­schie­den? Wir ha­ben heu­te ei­nen Grund­satz­ent­scheid ge­fällt im Hin­blick auf die Weiss­geld- oder Fi­nanz­platz­stra­te­gie. Wir ha­ben uns dar­über un­ter­hal­ten, wie wir die Steu­er­kon­for­mi­tät der Kun­den si­cher­stel­len kön­nen. Es ist ein Vor­ent­scheid, und wir wer­den den Ent­scheid in die Fi­nanz­platz­stra­te­gie ein­bau­en. Den ent­spre­chen­den Be­richt wer­den wir am 19. De­zem­ber mit dem Bun­des­rat dis­ku­tie­ren. Was muss man sich un­ter die­sen Grund­sät­zen vor­stel­len? Wir wer­den klar fest­hal­ten, wel­che Ka­te­go­ri­en von Kun­den ge­nau über­prüft wer­den müs­sen. Wir wer­den auch fest­hal­ten, was im Rah­men der Selbst­re­gu­lie­rung zu­sätz­lich zu er­fol­gen hat. Fi­nanz­mi­nis­te­rin Eve­li­ne Wid­merSchlumpf mach­te an der Pres­se­kon­fe­renz in Bern Aus­sa­gen, die es mit Blick auf die künf­ti­ge Weiss­geld- oder Fi­nanz­platz­stra­te­gie ver­die­nen, zi­tiert zu wer­den. Ha­ben im Powerplay zwi­schen der SP und den Ban­ken die Ban­ken ge­won­nen? Ich ha­be mit Er­stau­nen fest­ge­stellt, dass in den Me­di­en ein Pa­pier der Ban­ken pu­bli­ziert wur­de. Der In­halt ent­sprach nicht dem, was wir uns vor­stel­len kön­nen. Die ei­gent­li­che Selbst­re­gu­lie­rung der Ban­ken wä­re ja oh­ne ir­gend­wel­che ge­setz­li­che Grund­la­ge, oh­ne kla­re Selbst­re­gu­lie­rung auf Ver­ord­nungs­stu­fe und oh­ne kla­re Über­wa­chung durch die Fin­ma vor­ge­nom­men wor­den. Die Selbst­de­kla­ra­ti­on ist zur Kan­nFor­mu­lie­rung ver­kom­men. Bricht da nicht ein zen­tra­ler Teil der bun­des­rät­li­chen Weiss­geld­stra­te­gie ein­fach weg? Wir sind nicht die­ser Mei­nung. Die­se Selbst­de­kla­ra­ti­on ist ei­ner der mög­li­chen An­halts­punk­te un­ter den In­di­zi­en für die Ver­steue­rung der Kon­ten. Wir ha­ben auch ei­ne flä­chen­de­cken­de Selbst­de­kla­ra­ti­on ge­prüft, sind aber da­von weg­ge­kom­men. Kann man den Ban­ken ver­trau­en ? Ich bin über­zeugt, dass die Re­geln, die wir nun vor­schla­gen, mit der Auf­sicht und der Kon­trol­le durch die Fin­ma, gut sind. Wir ha­ben das Zu­sam­men­spiel zwi­schen not­wen­di­gem Ver­trau­en und not­wen­di­ger Kon­trol­le. Die Sorg­falts­pflich­ten re­geln das Neu­geld. Wie sieht es aus mit dem Alt­geld? Die Ver­gan­gen­heits­re­gu­lie­rung ge­schieht über die Qu­el­len­steu­er­ab­kom­men. Wir wer­den auch ver­su­chen, mit an­de­ren Län­dern Lö­sun­gen zu fin­den. Wir ha­ben mit Fatca ei­ne Lö­sung, die die Zu­kunft be­trifft, die aber auch ei­nen Teil der Ver­gan­gen­heit re­geln kann. Was um­fasst die Fi­nanz­platz­stra­te­gie? Die Ent­wick­lung der Fi­nanz­in­dus­trie ver­läuft schnell. Ge­wis­se Pro­zes­se sind im Gang. Wir wer­den uns po­si­tio­nie­ren müs­sen, da­mit der Markt­zu­tritt und das Nicht­mehr-Er­schei­nen auf schwar­zen oder grau­en Lis­ten und ver­schie­de­ne an­de­re Ziel­set­zun­gen er­reicht wer­den kön­nen. Wir wol­len nicht al­le paar Mo­na­te mit den glei­chen Fra­gen kon­fron­tiert wer­den. Was hal­ten Sie von der Idee, ei­ne Task Force ein­zu­set­zen? Es gibt die Idee, dass ei­ne Task­force ge­bil­det wird mit ver­schie­dens­ten Play­ern, un­ter an­de­rem aus dem Ban­ken­be­reich. Wir möch­ten ei­nen an­de­ren Weg be­schrei­ten. Zu­erst wol­len wir die Be­rei­che de­fi­nie­ren und ana­ly­sie­ren, in de­nen Reg­lun­gen er­for­der­lich sein wer­den. Dann wer­den wir die Vor­schlä­ge mit den Ban­ken, den Ver­si­che­run­gen und dem Werk­platz dis­ku­tie­ren. Dies aus der Er­fah­rung des letz­ten Jah­res, dass es kei­ne ein­heit­li­che

Wir wer­den klar fest­hal­ten, wel­che Ka­te­go­ri­en von Kun­den ge­nau über­prüft wer­den müs­sen.

Mei­nung in der Fi­nanz­bran­che gibt, son­dern ver­schie­de­ne In­ter­es­sen. Es ist wich­tig, dass die Po­li­tik zu­erst ein­mal sagt, was das Ziel ist und die mög­li­chen We­ge fest­legt und dann selbst­ver­ständ­lich mit der Bran­che dis­ku­tiert. Das Ziel muss die Po­li­tik fest­le­gen. Wie funk­tio­niert der Kri­te­ri­en­ka­ta­log? Wir stel­len uns nicht vor, dass je­de Bank al­le In­di­zi­en über­prüft. Die Kri­te­ri­en, die am wahr­schein­lichs­ten sind – je nach Ri­si­ko der Ver­trags­par­tei, der Her­kunft und dem Pro­dukt – wer­den über­prüft. Die Ban­ken kön­nen ei­nen Kun­den erst an­neh­men, wenn sie mit Si­cher­heit sa­gen kön­nen, dass er steu­er­ehr­lich ist. Wie steht es mit den in­län­di­schen Kun­den Wir be­ab­sich­ti­gen, dass al­le Kun­den, ob aus­län­di­sche oder in­län­di­sche, von der steu­er­li­chen Ab­klä­rung be­trof­fen wer­den. Es gab ei­ne Dis­kus­si­on im Bun­des­rat. Zu­nächst war man von ei­nem Mo­dell nur für aus­län­di­sche Kun­den aus­ge­gan­gen. Da­mit es nicht zu kom­pli­ziert wird in der Ab­wick­lung, ha­ben wir ana­log der Geld­wä­sche­rei­be­kämp­fung be­schlos­sen, kei­ne Un­ter­schei­dung vor­zu­neh­men. Wer ar­bei­tet mit in der Ex­per­ten­grup­pe? Es sind ne­ben Herrn Bru­n­et­ti zwei Wirt­schafts­pro­fes­so­ren in der Ex­per­ten­grup­pe, da­zu Ver­tre­ter der SNB und der Fin­ma, so­wie Ex­per­ten des Se­co, des SIF und des EDA. Es ist ei­ne breit ab­ge­stütz­te Grup­pe.

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