Deutsch­land drif­tet weg von ei­ner bi­la­te­ra­len Lö­sung

DEUTSCH­LAND Nach dem Nein zum Steu­er­ab­kom­men ist Pau­se an­ge­sagt – Es gilt, den in­ter­na­tio­na­len Rah­men neu ab­zu­ste­cken – Vor lang­wie­ri­gen Ver­hand­lun­gen

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - DIETEGEN MÜL­LER,

Erst ein­mal ist ei­ne Pau­se an­ge­zeigt. Im Sep­tem­ber 2013 fin­det in Deutsch­land die Bun­des­tags­wahl statt. Bis die neue Re­gie­rung steht, will sich nie­mand in Steu­er­fra­gen un­be­dacht fest­le­gen. Das fe­der­füh­ren­de Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um (CDU) sagt auf An­fra­ge von FuW, die Bun­des­re­gie­rung müs­se sich erst zu­sam­men­set­zen und über­le­gen, wie es wei­ter­geht. Das State­ment von Bun­des­prä­si­den­tin Eve­li­ne Wid­mer-Schlumpf, Ver­hand­lun­gen sei­en bis ins nächs­te Jahr aus­ge­schlos­sen, wird so in­ter­pre­tiert, dass die Schweiz da­nach neue Ver­hand­lun­gen auf­neh­men könn­te. Auch Nor­bert Wal­ter-Bor­jans, Fi­nanz­mi­nis­ter Nord­rhein-West­fa­lens, sag­te am Don­ners­tag in Düs­sel­dorf, es ge­be in­zwi­schen vie­le Si­gna­le aus der Schweiz, wie Deutsch­land zu ei­nem Er­geb­nis kom­men könn­te, «das ei­ne wirk­lich fai­re und ge­rech­te Be­steue­rung al­ler si­cher­stellt».

Bi­la­te­ral und mul­ti­la­te­ral

Ge­mäss Mei­nungs­um­fra­gen ist der­zeit ei­ne Ko­ali­ti­on aus SPD und Uni­on am po­pu­lärs­ten. Kommt es nach den Wah­len im Sep­tem­ber zu ei­ner Re­gie­rung aus die­sen Par­tei­en, dürf­ten die po­li­ti­schen Zie­le in Steu­er­fra­gen in ei­nem Ko­ali­ti­ons­ver­trag neu fi­xiert wer­den. Es zeich­net sich ab, dass sie vor­erst im Rah­men von OECD, des Glo­bal Fo­rum oder der EU an­ge­gan­gen wer­den. «Wir wol­len ei­nen Min­de­st­rah­men auf Ebe­ne der OECD, der den nicht an­ony­men, au­to­ma­ti­schen In­for­ma­ti­ons­aus­tausch vor­sieht», sagt Lothar Bin­ding (SPD) aus dem Fi­nanz­aus­schuss des Bun­des­tags, auf An­fra­ge, fügt aber an: «Es braucht mul­ti­la­te­ra­le und bi­la­te­ra­le Lö­sun­gen, bei­de kön­nen sich wei­ter ge­gen­sei­tig be­fruch­ten.»

Das Ab­stim­mungs­re­sul­tat im Ver­mitt­lungs­aus­schuss zeigt da­bei, dass die Zahl der Be­für­wor­ter des bis­her ge­wähl­ten bi­la­te­ra­len Wegs schrumpft. Reu­ters zu­fol­ge hat der 32-köp­fi­ge Aus­schuss mit neun­zehn zu zehn Stimmen Neu­ver­hand­lun­gen ge­for­dert. Üb­li­cher­wei­se sind die Stimm­ver­hält­nis­se ge­heim. Stimmt die Zahl, zeigt sie, wie we­nig sich die Re­gie­rungs­par­tei­en für das Ab­kom­men stark ge­macht ha­ben. Die Ver­tre­ter von Uni­on und FDP aus Bun­des­tag und schwarz-gelb re­gier­ten Bun­des­län­dern um­fas­sen zwölf Ab­ge­ord­ne­te.

So­wohl aus dem Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um als auch in Krei­sen der Uni­on wird aber er­klärt, ei­nen Plan B ge­be es der­zeit nicht. Auf die Fra­ge, wie sich Deutsch­land in­ter­na­tio­nal in der OECD und den G-20 oder in der EU po­si­tio­nie­ren will, hält man sich zu­rück. Si­cher ist, dass das Nein zum Ab­kom­men Fol­gen für die De­bat­te über die Ein­füh­rung ei­nes au­to­ma­ti­schen In­for­ma­ti­ons­aus­tauschs (AIA) hat. Bis­her sei Deutsch­land mo­de­rat ge­we­sen, was die Um­set­zung in­ter­na­tio­na­ler Stan­dards be­tref­fe, heisst es. Die OECD-Stan­dards wer­den als Min­dest­nen­ner ge­se­hen.

Wei­ter­hin Straf­frei­heit

In Krei­sen von Uni­ons-Par­la­men­ta­ri­ern wird nicht er­war­tet, dass sich CDU/CSU im Wahl­kampf zu die­sen The­men kon­kret äus­sern. Die­ser Part dürf­te der SPD zu­fal­len, die den AIA will. Er­fah­rungs­ge­mäss wer­den mul­ti­la­te­ra­le Ge­set­zes­in­itia­ti­ven viel Zeit kos­ten. In der seit Jah­ren blo­ckier­ten Re­form der EU-Zins­richt­li­nie wird sich Deutsch­land über­le­gen müs­sen, wie weit man ei­ne Ver­schär­fung un­ter­stützt.

Wel­che Po­si­ti­on die CDU/CSU zum Mass­nah­men­pa­ket ge­gen Steu­er­hin­ter­zie­hung hat, das EU-Steu­er­kom­mis­sar Še­me­ta vo­ri­ge Wo­che vor­ge­legt hat, ist noch of­fen. In der Op­po­si­ti­on fin­det es Un­ter­stüt­zung. Kommt die gros­se Ko­ali­ti­on, ist ein schär­fe­rer Ton zu er­war­ten. Nicht auf der Agen­da steht die Auf­he­bung der Straf­frei­heit bei Selbst­an­zei­ge in Steu­er­de­lik­ten. In Krei­sen der SPD gilt dies als nicht mehr­heits­fä­hig. SPD-Mit­glied Bin­ding sagt, dies sei «nicht ab­schlies­send be­han­delt» und be­tont, es dürf­te nicht zur «Au­to­ma­ti­sie­rung» der Straf­be­frei­ung kom­men. Zu er­war­ten ist aber ei­ne Än­de­rung der Ver­jäh­rungs­fris­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.