Pro­zess­flut und Raz­zia

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - DM

Tat­ort Frankfurt, Mitt­woch­mor­gen: Vor den Tür­men der Deut­schen Bank fah­ren Mann­schafts­wa­gen und Bus­se vor, zeit­gleich star­tet an an­de­ren Or­ten in Deutsch­land ei­ne Gross­raz­zia ge­gen das In­sti­tut. Fünf Mit­ar­bei­ter der Bank wer­den ver­haf­tet, vier blei­ben in U-Haft; ins­ge­samt wird ge­gen 25 Mit­ar­bei­ter er­mit­telt, auch ge­gen Fi­nanz­chef Ste­fan Krause und Co-Vor­stands­chef Jür­gen Fit­schen. Die Ak­ti­on steht im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Um­satz­steu­er­be­trug im Han­del mit CO2-Zer­ti­fi­ka­ten. Das von der Po­li­tik ge­schaf­fe­ne Sys­tem lud ge­ra­de­zu zum Miss­brauch ein – nicht nur die Deut­sche Bank hat sich die Hän­de schmut­zig ge­macht. Der Ge­samt­scha­den soll 850 Mio. € be­tra­gen. Schon En­de April 2010 gab es eu­ro­pa­weit Er­mitt­lun­gen, ei­ne Spur führ­te auch in die Schweiz und nach Du­bai. Das Land­ge­richt Frankfurt hat­te vor ei­nem Jahr sechs Per­so­nen we­gen Steu­er­be­trugs zu Haft­stra­fen ver­ur­teilt. Fit­schen und Krause ha­ben die Um­satz­steu­er­er­klä­rung 2009 un­ter­schrie­ben, die spä­ter kor­ri­giert wur­de. Die Bank hat be­reits auf die Rück­er­stat­tung von 310 Mio. € ver­zich­tet und da­für ei­ne Re­ser­ve ge­bil­det. In Frankfurt gilt es als un­wahr­schein­lich, dass Fit­schen durch die Er­mitt­lung erns­te Pro­ble­me be­kommt. CFO Krause sag­te, es sei un­klar, wie lan­ge die Er­mitt­lun­gen dau­ern wür­den.

Die Bank ist in et­li­che wei­te­re Fäl­le ver­wi­ckelt, so in den Li­bor-Skan­dal, in USHy­po­the­ken­ge­schäf­te und die Whist­leb­lo­wer-Af­fä­re, in der es um Bi­lanz­fra­gen geht. Am Frei­tag ver­ur­teil­te das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen im Kirch-Pro­zess die Bank zur Zah­lung von Scha­den­er­satz. De­ren Hö­he muss ein Gut­ach­ter fest­stel­len. Re­vi­si­on ist nicht zu­ge­las­sen, die Bank kann aber und will nun auch vor den Bun­des­ge­richts­hof ge­hen.

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