SPS nicht mehr er­stre­bens­wert

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - AL­FONS COR­TÉS,

Im­mo­bi­li­en­an­la­gen wer­den neu­er­dings eu­phe­mis­tisch ger­ne als «Be­ton­gold» be­zeich­net. Be­schö­ni­gend, weil es je­der­zeit mög­lich ist, den Preis zu er­fah­ren, zu dem Gold­be­stän­de li­qui­diert und Gold­Fu­tures mit ei­nem Maus­klick in Se­kun­den­schnel­le ver­kauft wer­den kön­nen.

Bei­des trifft auf «Be­ton­gold» nicht zu, wohl aber auf Im­mo­bi­li­en­ak­ti­en, ob­schon mit ei­ner Ein­schrän­kung: Die we­nigs­ten Im­mo­bi­li­en­wer­te sind so li­qui­de wie Gold-Fu­tures. An­sons­ten gibt es in die­ser Markt­pha­se ge­wis­se Ähn­lich­kei­ten. Gold und Im­mo­bi­li­en­ak­ti­en sind seit län­ge­rem nicht er­stre­bens­wert.

Klei­ne His­to­rie

Seit dem 6. Sep­tem­ber 2011 hat Gold 12% an Wert ein­ge­büsst. In der­sel­ben Zeit ist der MSCI-Welt­in­dex in Dol­lar 16% ge­stie­gen. Ei­ne An­la­ge von 100 000 $ in ei­nem MSCI-ETF könn­te jetzt für 116 000 $ ver­kauft wer­den, die in Gold wür­de 24% we­ni­ger als die in den MSCI er­lö­sen, näm­lich 88 000 $. Noch bes­ser als der MSCI hat – wäh­rend der Gold­preis wie er­wähnt 12% ge­fal­len ist – der Sto­xx 600, der 600 Ak­ti­en aus dem viel ge­schmäh­ten Eu­ro­pa re­prä­sen­tiert, mit ei­nem An­stieg von 26% ge­glänzt.

Im­mo­bi­li­en­ak­ti­en ha­ben sich von März 2009, als der Bo­den für ei­nen neu­en Bul­len­markt ge­legt wur­de, bis Au­gust letz­ten Jah­res bes­ser als der Sto­xx 600 und dann bis Au­gust die­ses Jah­res par­al­lel da­zu ent­wi­ckelt. Seit­her weist der Sto­xx Re­al Esta­te ei­ne leich­te re­la­ti­ve Schwä­che auf. An­ders die Ak­ti­en

Swiss Pri­me Site N Swiss Pri­me Site: Ihr Trend re­la­tiv zum Sto­xx Re­al Esta­te be­gann im Sep­tem­ber 2011 zu schwächeln. Die Ak­tie hat sich seit­her knapp 2% nach oben be­wegt, im Ver­gleich zu +26% für den Sto­xx Re­al Esta­te. In der­sel­ben Zeit ist üb­ri­gens der Gold­preis kläg­li­che 6% ge­stie­gen.

Das Sys­tem

Das al­les ist Ver­gan­gen­heit. Doch in kom­ple­xen pfa­dab­hän­gi­gen Sys­te­men wie der Bör­se hat sie ei­ne aus­ge­präg­te Nei­gung, sich fort­zu­set­zen. Ein Merk­mal sol­cher Sys­te­me ist der of­fe­ne Aus­gang, der in­ef­fi­zi­ent sein kann, was nichts an­de­res be­deu­tet, als dass Prei­se weit weg von ei­nem Gleich­ge­wicht zum dar­un­ter lie­gen­den Wert zu­stan­de kom­men kön­nen. Nicht über­ra­schend dau­ern in al­ler Re­gel Trends viel län­ger und füh­ren viel wei­ter, als man auf Ba­sis durch­aus ver­nünf­ti­ger Be­rech­nun­gen im Vor­aus an­neh­men kann. Trends von Markt­räu­mungs­prei­sen en­den ent­we­der mit ei­nem Preis­schock oder über sich wäh­rend Mo­na­ten hin­zie­hen­den Pha­sen schwan­ken­der Kur­se, die in ei­nem Mo­nat den Ge­winn des Vor­mo­nats zu­nich­te­ma­chen. Da­mit ein­her geht dann oft, aber nicht im­mer die Wen­de der re­la­ti­ven Stär­ke.

Die re­la­ti­ve Schwä­che von Swiss Pri­me Site zum Sto­xx 600 ist in mei­nem Ur­teil ein Trend. Im Markt hat sich die Stim­mung be­reits ge­wen­det zu­guns­ten an­de­rer Sek­to­ren als Im­mo­bi­li­en, be­son­ders von Bank- und Ver­si­che­rungs­ak­ti­en. Die­ser Trend ver­stärkt sich zu­neh­mend, auch wenn zwi­schen­durch Rück­schlä­ge statt­fin­den wer­den.

Im eu­ro­päi­schen Kon­text ver­lie­ren schwei­ze­ri­sche Im­mo­bi­li­en­ak­ti­en re­la­tiv zu sol­chen in an­de­ren Re­gio­nen. Es mag sein, dass die Ak­tie Swiss Pri­me Site nach der Kor­rek­tur der letz­ten fünf Mo­na­te wie­der zu­legt. Es ist je­doch wahr­schein­lich, dass sie über Mo­na­te we­ni­ger gut ab­schnei­det als der Sto­xx 600 und vie­le an­de­re Ti­tel. Es gibt nichts, das dar­auf hin­deu­tet, dass der be­gon­ne­ne Pfad ver­las­sen wird (vgl. Bei­la­ge, Sei­te 25). Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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