Bar­ry Cal­le­baut drängt an die Spit­ze

SCHWEIZ Zu­kauf der Ka­kao­s­par­te von Pe­tra Foods – Markt kri­ti­siert Kauf­preis und Ge­winn­ver­wäs­se­rung – Ak­ti­en lang­fris­tig in­ter­es­sant

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - WOLF­GANG GAM­MA

DBar­ry Cal­le­baut N as at­trak­ti­ve Wachs­tum in den Schwel­len­län­dern und die lang­fris­tig sich ab­zeich­nen­den Eng­päs­se in der Ver­sor­gung mit Ka­kao bil­den den Hin­ter­grund zur jüngs­ten Ak­qui­si­ti­on von Bar­ry Cal­le­baut. Die von Pe­tra Foods aus Singapur er­wor­be­ne Ka­kao­s­par­te ist ein stra­te­gi­scher Schritt, der in bei­der­lei Hin­sicht ei­ne sinn­vol­le Ant­wort gibt. Um den statt­li­chen Kauf­preis von 950 Mio. $ auf­zu­brin­gen, ist je­doch ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung not­wen­dig, was man­che In­ves­to­ren zum Ver­kauf von An­tei­len be­wog.

Durch den Kauf der Pe­tra-Foods-Spar­te mit 405 000 Ton­nen Ver­mah­lungs­ka­pa­zi­tät wird der welt­gröss­te Scho­ko­la­de­pro­du­zent Bar­ry Cal­le­baut nun auch zur Num­mer eins der Ka­kao­ver­ar­bei­ter (vgl. Gra­fik).

Vor­teil Asi­en

Der Um­satz der Spar­te Glo­ba­le Be­schaf­fung & Ka­kao ver­dop­pelt sich durch den Zu­kauf auf 2,6 Mrd. Fr. Ihr An­teil am Ge­samt­um­satz steigt auf 45%. Pe­tra Foods’ Know-how in der Ver­ar­bei­tung von Ka­kao­pul­ver kommt Bar­ry Cal­le­baut im Aus­bau die­ses Ge­schäfts ent­ge­gen. CEO Jür­gen St­ei­ne­mann ver­weist auf das Po­ten­zi­al der auf­stre­ben­den Märk­te. In Asi­en wird die Pul­ver­nach­fra­ge nach sei­ner Ein­schät­zung jähr­lich 5 bis 9% wach­sen, in Latein­ame­ri­ka 3 bis 8%. Ab­stri­che an Bar­ry Cal­le­bauts ei­ge­nen Pro­jek­ten in Asi­en gibt es kei­ne (vgl. In­ter­view un­ten).

Pe­tra Foods er­ar­bei­tet ge­rin­ge­re Mar­gen (5,2% Ebit­da) als Bar­ry Cal­le­baut (8,9% im Kon­zern bzw. 6,8% mit Ka­kao), was CEO St­ei­ne­mann aber kei­ne Kopf­schmer­zen be­rei­tet. Auf 30 bis 35 Mio. Fr. schätzt er die Sy­ner­gi­en, die vier Jah­re nach Ab­schluss der Trans­ak­ti­on er­reicht wer­den sol­len. Die Mar­gen­schwä­che der Sin­ga­pu­rer ist ge­mäss St­ei­ne­mann «nicht struk­tu­rell be­grün­det, son­dern ra­san­tem Wachs­tum ge­schul­det».

Die fu­sio­nier­te Spar­te kön­ne von den Vor­in­ves­ti­tio­nen in Wachs­tum rasch pro­fi­tie­ren, ab dem zwei­ten Jahr der Kon­so­li­die­rung wer­de der er­wor­be­ne Teil ei­nen Ge­winn­bei­trag leis­ten. Den Zeit­be­darf, um die Mar­ge auf Kon­zern­ni­veau zu brin­gen, schätzt St­ei­ne­mann auf vier Jah­re. Für den­sel­ben Zei­t­raum geht er wie bis­her von 6 bis 8% Vo­lu­men­wachs­tum aus.

Zu­nächst wird der Kauf mit ei­nem Über­brü­ckungs­kre­dit be­zahlt, der in­ner­halb ei­nes Jah­res durch die kom­bi­nier­te Emis­si­on von Ei­gen­ka­pi­tal und Schul­den er­setzt wer­den soll. Fi­nanz­chef Vic­tor Bal­li schätzt den Ei­gen­ka­pi­tal­be­darf auf 300 Mio. Fr., um das Ra­ting BB+/Ba1 knapp un­ter In­vest­ment Gra­de hal­ten zu kön­nen. Bar­ry Cal­le­baut hat­te im Mai 2011 von Moo­dy’s die­ses Gü­te­sie­gel er­hal­ten, S&P dop­pel­te spä­ter nach.

Gü­te­sie­gel ge­sucht

Das Un­ter­neh­men strebt mit­tel­fris­tig wie­der die­se Ein­stu­fung an. Die Mehr­heits­ak­tio­nä­re, die Fa­mi­lie Ja­cobs, un­ter­stüt­zen den Deal und ak­zep­tie­ren die Ge­winn­ver­wäs­se­rung von ge­schätz­ten 6% auf der Ba­sis des ak­tu­el­len Bör­sen­werts (300 Mio. Fr. Ka­pi­tal­er­hö­hung bei 4,8 Mrd. Fr. Bör­sen­wert).

Die an­ge­kün­dig­ten Ka­pi­tal­mass­nah­men und die Mar­gen­pro­ble­me der Sin­ga­pu­rer brach­ten den Ak­ti­en­kurs un­ter Druck. Bar­ry Cal­le­baut dürf­ten in ei­nem Seit­wärts­trend ge­fan­gen sein, bis De­tails zur Ka­pi­tal­er­hö­hung fest­ste­hen. Auf lan­ge Sicht über­wie­gen die Ar­gu­men­te für ein En­ga­ge­ment. Ka­kao ist nur be­grenzt ver­füg­bar, und der Nach­fra­ge­trend weist auf­wärts. Di­ver­si­fi­zier­te Be­schaf­fungs­mög­lich­kei­ten und ein grös­se­rer Markt­an­teil sind die Vor­aus­set­zun­gen, um wei­ter am Wachs­tum der Scho­ko­lade­indus­trie teil­zu­ha­ben.

Wach­sen­der Scho­ko­la­de­kon­sum macht Ka­kao zum ge­frag­ten Gut. Bar­ry Cal­le­baut sorgt vor.

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