Re­nault kräf­tigt sich

FRANK­REICH Vol­vo-an­teil ver­kauft – Per­spek­ti­ven in Russ­land

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - CHRIS­TI­AN BRAUN

Ein Ver­trag, der die mehr­heit­li­che Über­nah­me des rus­si­schen Au­to­bau­ers Av­to­vaz (Mar­ke La­da) re­gelt und ein Er­lös von um­ge­rech­net 1,48 Mrd. € aus dem Ver­kauf des Rest­an­teils an Vol­vo: Re­nault hat die­se Wo­che ei­ni­ges er­reicht, sich Wachs­tums­po­ten­zi­al ge­si­chert (Av­to­vaz) und fi­nan­zi­ell Luft ver­schafft. Auf den Ver­trags­ab­schluss von Mitt­woch ist lan­ge ge­war­tet wor­den. Der Ver­kauf der Vol­vo-Ak­ti­en kam im Ver­gleich da­zu eher un­ver­hofft, zu­min­dest zeit­lich.

Die Tren­nung vom Rest­an­teil an der Last­wa­gen­grup­pe Vol­vo – die frag­li­chen AAk­ti­en ste­hen für 6,5% des Ka­pi­tals und 17,2% der Stimm­rech­te – wur­de an der Bör­se gut auf­ge­nom­men: Re­nault zo­gen am Don­ners­tag in ei­nem schwä­che­ren Markt 1,5% an. Den­noch sen­det der Ver­kauf ge­misch­te Si­gna­le aus. Auf der ei­nen Sei­te ver­ge­gen­wär­tigt er die un­be­frie­di­gen­de Fi­nanz­la­ge von Re­nault, auf der an­dern bringt der Er­lös ei­ne fi­nan­zi­el­le Ent­span­nung, was ei­ne Ver­bes­se­rung dar­stellt und des­halb po­si­tiv zu wer­ten ist.

Will­kom­me­ner Geld­zu­fluss

Die Be­tei­li­gung stammt noch vom Ver­kauf des Re­nault-Last­wa­gen­ge­schäfts an Vol­vo im Jahr 2001. Be­reits 2010 hat­te sich Re­nault von den stimm­rechts­schwä­che­ren B-Ak­ti­en von Vol­vo ge­trennt (14,9% des Ka­pi­tals, 3,8% der Stimm­rech­te). Mit der am Mitt­woch nach Bör­sen­schluss an­ge­kün­dig­ten und am Don­ners­tag voll­zo­ge­nen Ve­räus­se­rung via Pri­vat­plat­zie­rung un­ter in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren will Re­nault ei­ge­nen An­ga­ben zu­fol­ge die Fi­nan­zen der Grup­pe kräf­ti­gen und die fi­nan­zi­el­le Fle­xi­bi­li­tät er­hö­hen.

Die 1,39 Mio. A-Ak­ti­en gin­gen zu 92.25 sKr. je Ti­tel weg. Fi­nanz­häu­ser wer­ten den Schritt po­si­tiv. Die Bi­lanz zu stär­ken, sei in die­sem Um­feld klug, heisst es von Ci­ti. Auch Na­ti­xis spricht von ei­nem ge­schick­ten Zug und stellt zu­gleich in Abre­de, dass hier ein Aus­ver­kauf statt­ge­fun­den ha­be. Die Fra­ge, ob Aus­ver­kauf oder nicht, ist in­so­fern in­ter­es­sant, als sich je nach Ant­wort an­de­re Schlüs­se zur Ver­fas­sung von Re­nault zie­hen las­sen.

Vol­vo A no­tier­ten im Ju­ni un­ter 75 sKr., im Herbst 2011 gar un­ter 70 sKr. An­de­rer­seits sa­hen sie im März noch Kur­se um 100 sKr., und im ers­ten Halb­jahr 2011 sol­che um 120 sKr. Zu­dem sind wei­te­re Avan­cen über das heu­ti­ge Ni­veau hin­aus gut mög­lich. Vol­vo sind früh­zy­kli­sche Ak­ti­en, und we­gen ih­rer mo­de­ra­ten Be­wer­tung und des im Herbst ge­star­te­ten Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rungs­pro­gramms ist ih­nen in ei­nem Sze­na­rio ei­ner leich­ten Kon­junk­tur­er­ho­lung durch­aus et­was zu­zu­trau­en.

Si­cher ist, dass Re­nault den Ver­kaufs­er­lös gut ge­brau­chen kann. Das Au­to­ge­schäft zeig­te zur Jah­res­mit­te ei­ne Net­to­ver­schul­dung (818 Mio. €), was ei­nem Au­to­bau­er kein gu­tes Zeug­nis aus­stellt. Der freie Cash­flow des ers­ten Halb­jah­res war leicht ne­ga­tiv (–200 Mio. €). Die Ver­bind­lich­kei­ten ha­ben den Ra­ting­agen­tu­ren zu­fol­ge kei­ne An­la­ge­qua­li­tät. Für das drit­te Quar­tal mel­de­te Re­nault 6% we­ni­ger Ab­satz und 13% we­ni­ger Um­satz.

Av­to­vaz bie­tet Chan­cen

Von den Pro­ble­men ei­ner PSA Peu­geot Ci­tro­ën ist Re­nault aber weit ent­fernt – dank der Mar­ke Da­cia, der Be­tei­li­gung an Nis­san (43,4%), und we­gen der brei­te­ren geo­gra­fi­schen Ba­sis. Der Ver­trags­ab­schluss in Moskau hat die Per­spek­ti­ven der Grup­pe ver­bes­sert. Er be­trifft ein Jo­int Ven­ture ( JV) mit der Rus­si­an Tech­no­lo­gies Sta­te Corp, die künf­tig al­le Av­to­vaz-An­tei­le kon­trol­lie­ren wird. Ab Mit­te 2014 wird die Al­li­anz Re­nault-Nis­san 67,13% an die­sem JV hal­ten, wo­von 50,1 Pro­zent­punk­te auf Re­nault ent­fal­len wer­den; Re­nault ist be­reits heu­te mit 25% an Av­to­vaz be­tei­ligt.

Pro­gnos­ein­sti­tu­te wie LMC Au­to­mo­ti­ve be­schei­ni­gen dem rus­si­schen Markt ei­ni­ges Po­ten­zi­al; schon jetzt ist Russ­land auf dem Sprung, der gröss­te Au­to­mo­bil­markt Eu­ro­pas zu wer­den. Av­to­vaz ist der gröss­te Her­stel­ler des Lan­des; den Plä­nen zu­fol­ge soll er bis 2015 1,4 Mio. Fahr­zeu­ge der Mar­ken La­da, Re­nault und Nis­san bau­en. Bis da­hin hat der Re­nault-Kon­zern aber noch schwie­ri­ges Ge­län­de vor sich. Seit der Kri­se von 2008/09 war­tet er dar­auf, wie­der rich­tig in die Gän­ge zu kom­men. Der Ak­ti­en­kurs er­reicht nicht ein­mal die Hälf­te des Buch­werts. Ein Kurs-Buch­wert-Ver­hält­nis un­ter 1 drückt ei­ne Un­ter­be­wer­tung oder schwe­re Be­den­ken aus. Bei Re­nault spielt bei­des zu­sam­men: Die Ak­ti­en sind reiz­voll, aber hoch­ris­kant.

Re­nault

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