CKW fal­len Pro­gno­sen schwer

SCHWEIZ Un­si­cher­hei­ten durch re­gu­la­to­ri­sche Fra­gen und Markt­um­feld – Ver­sor­ger zahlt sta­bi­le Di­vi­den­de – Ti­tel statt­lich be­wer­tet

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - CLAU­DIA CARL

Nach dem Ge­winn­ein­bruch um gut ein Vier­tel im Vor­jahr hat der Ver­sor­ger CKW im Ge­schäfts­jahr 2011/12 (per En­de Sep­tem­ber) un­ter dem Strich wie­der mehr ver­dient. Dies ist aber vor al­lem dem Rü­cken­wind vom Fi­nanz­markt zu ver­dan­ken. An der Bi­lanz­me­di­en­kon­fe­renz in Lu­zern sprach CKWChef And­rew Wa­lo am Don­ners­tag von ei­nem zu­frie­den­stel­len­den Er­geb­nis.

Das Un­ter­neh­men ist we­gen der neu­en Stra­te­gie ge­for­dert. CKW lie­fer­te 2011 im Stan­dard-Strom­mix noch drei Vier­tel Kern­ener­gie. Im Ok­to­ber lan­cier­te Ta­ri­fe set­zen Schwer­punk­te auf Was­ser­kraft, So­lar­kraft oder re­gio­na­le Pro­duk­ti­on. «Bis 2050 sind In­ves­ti­tio­nen von 3 Mrd. Fr. in den neu­en Pro­duk­ti­ons­mix ge­plant. 80% flies­sen in er­neu­er­ba­re Ener­gi­en», un­ter­strich der CEO die im April vor­ge­stell­ten Zie­le für die Pro­duk­ti­on. Hin­zu kommt der Aus­bau der Net­ze für 300 Mio. Fr.

Nach­hal­ti­ges Ni­veau

Die Ak­tio­nä­re – dar­un­ter der Strom­kon­zern Ax­po mit 81% und der Kan­ton Lu­zern mit 9,9% – sol­len ei­ne sta­bi­le Di­vi­den­de von 4.50 Fr. je Ak­tie er­hal­ten. Der gros­se Schnitt war im Vor­jahr ge­sche­hen, denn bis 2009/10 hat­te die Ge­sell­schaft über Jah­re hin­weg 9 Fr. je Ti­tel aus­ge­schüt­tet. Das ge­gen­wär­ti­ge Ni­veau se­he CKW als nach­hal­tig an, er­klär­te der CEO. Der Ge­winn pro Ak­tie be­läuft sich auf 17.16 Fr. nach 14.48 Fr. im Vor­jahr.

Dass das Zen­tral­schwei­zer Un­ter­neh­men bei sta­bi­lem Strom­ab­satz und Net­to­um­satz deut­lich mehr Ge­winn er­wirt- schaf­te­te, lag an Son­der­ef­fek­ten. So brach­ten die eid­ge­nös­si­schen Fonds für die Still­le­gung und Ent­sor­gung von Kern­an­la­gen für CKW ei­ne Ent­las­tung um 30 Mio. Fr. ge­gen­über dem Vor­jahr. Grund war die bes­se­re Per­for­mance der Ver­mö­gens­wer­te, die zu Markt­wer­ten er­fasst sind. Zu­dem bil­de­te das Un­ter­neh­men we­ni­ger

CKW N re­gu­la­to­ri­sche Rück­stel­lun­gen, was ei­nen Ef­fekt von 19 Mio. Fr. zur Fol­ge hat­te.

Im Be­triebs­er­geb­nis schlug sich auch aber auch zu­sätz­li­cher Auf­wand nie­der. So stie­gen die Kos­ten für die Ener­gie­be­schaf­fung. Un­ter an­de­rem ver­teu­er­te sich aus Frank­reich im­por­tier­ter Strom – trotz sin­ken­der Gross­han­dels­prei­se. Das ist ge­mäss CKW-Fi­nanz­chef Beat Schle­gel auf den ver­trag­li­chen Preis­me­cha­nis­mus zu­rück­zu­füh­ren, der sich vor al­lem an Ma­kro- und Roh­stoff­da­ten ori­en­tiert und nicht am börs­lich ge­han­del­ten Strom.

Im lau­fen­den Ge­schäfts­jahr ste­hen CKW ei­ni­ge Wei­chen­stel­lun­gen be­vor. Er er­war­te zu­min­dest ei­ne weg­wei­sen­de Ent­schei­dung, sag­te Schle­gel zu «Fi­nanz und Wirt­schaft». We­gen ei­nes Ver­fah­rens der Elek­tri­zi­täts­kom­mis­si­on (El­Com) zur Über­prü­fung der Strom­ta­ri­fe stell­te der Ver­sor­ger 16 Mio. Fr zu­rück. Weil der Re­gu­la­tor zu­dem die von CKW er­mit­tel­ten Netz­kos­ten nicht an­er­kennt, fie­len wei­te­re 12 Mio. Fr. an. Bei­de Fra­gen sind noch nicht rechts­kräf­tig ent­schie­den. Ins­ge­samt hat CKW knapp 63 Mio. Fr. für re­gu­la­to­ri­sche Ver­fah­ren zur Sei­te ge­legt.

Die Über­tra­gung des Höchst­span­nungs­net­zes an die Netz­ge­sell­schaft Swiss­grid soll An­fang 2013 über die Büh­ne ge­hen. Das Netz steht mit 79 Mio. Fr. in den Bü­chern. Wie viel das Un­ter­neh­men tat­säch­lich da­für er­hält, ist noch of­fen, denn CKW hat ge­gen die ent­spre­chen­de El­Com-Ver­fü­gung Be­schwer­de ein­ge­reicht. Ei­ne wert­mäs­si­ge An­pas­sung soll erst nach Vor­lie­gen al­ler letzt­in­stanz­li­chen Ent­schei­de ge­sche­hen.

Auch per­so­nell stellt CKW die Wei­chen neu: Der lang­jäh­ri­ge Fi­nanz­chef zieht sich 2013 aus der Ge­schäfts­lei­tung zu­rück und gibt an ei­nen noch zu be­stim­men­den Nach­fol­ger ab. Ei­ni­ge Auf­ga­ben und Man­da­te will Beat Schle­gel aber für den Ver­sor­ger wei­ter wahr­neh­men. Im Ver­wal­tungs­rat strebt zu­dem der Kan­ton Lu­zern wie­der ei­nen Sitz an, mit Fi­nanz­di­rek­tor Mar­cel Schwerz­mann als zu­sätz­li­ches VR-Mit­glied. Seit 2010 war der Kan­ton nicht mehr im Gre­mi­um ver­tre­ten.

Meh­re­re Un­si­cher­hei­ten

Un­si­cher­hei­ten brin­gen CKW im Jahr 2012/13 meh­re­re Fak­to­ren, die die Er­trags­kraft be­ein­flus­sen. Da­zu zäh­len die Per­for­mance der Fi­nanz­märk­te und die Strom­preis­ent­wick­lung im Gross­han­del. Im Ge­schäft mit Kun­den in der Gr­und­ver­sor­gung schlägt ei­ne Ta­rif­sen­kung per 1. Ok­to­ber 2012 zu Bu­che. Für die gan­ze Bran­che ist zu­dem die Ener­gie­stra­te­gie 2050 des Bun­des, ge­gen­wär­tig in der Ver­nehm­las­sung, ein Prüf­stein. Der Ver­sor­ger gibt an­ge­sichts teil­wei­se un­kla­rer Aus­wir­kun­gen kei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­blick ab.

Im lau­fen­den Ge­schäfts­jahr schätzt «Fi­nanz und Wirt­schaft» den Ge­winn auf 17.20 Fr. je Ak­tie, wo­bei die ge­nann­ten Ri­si­ken hin­ein­spie­len könn­ten. Die CKWAk­ti­en sind bei über­schau­ba­rer er­war­te­ter Ren­di­te von 1,4% mit ei­nem Kurs-Ge­win­nVer­hält­nis von 19 nicht güns­tig. En­ga­ge­ments drän­gen sich nicht auf. Ge­ne­rell gibt es der­zeit in­ter­es­san­te­re Ak­ti­en als die Ti­tel von Schwei­zer Ver­sor­gern, was Wachs­tums­per­spek­ti­ven, Di­vi­den­den­ren­di­te oder Streu­be­sitz an­geht. Al­le Fi­nanz­da­ten zu CKW im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/CKWN

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