Erst die hal­be Ban­ken­uni­on steht

Eu­ro­zo­ne-ban­ken­auf­sicht ist ein wich­ti­ger Zwi­schen­schritt – Ab­wick­lungs­pro­ze­de­re und Ein­la­gen­ver­si­che­rung sol­len 2013 fol­gen

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - CLIFFORD PADEVIT,

Von An­fang an hat die Idee ei­ner Ban­ken­uni­on für die Eu­ro­zo­ne über­zeugt. Doch wie die Ei­ni­gung über die zen­tra­le Ban­kauf­sicht zeigt (vgl. Kas­ten), ist der Weg da­hin wei­ter und stei­ni­ger, als es sich die EU-Spit­zen aus­mal­ten. Die Vor­tei­le ei­ner Ban­ken­uni­on – nicht zu­letzt für In­ves­to­ren – sind es wert, den Rest des Wegs zu ge­hen.

Von vier Ele­men­ten der Ban­ken­uni­on sind mit der Schaf­fung des ein­heit­li­chen Auf­sichts­me­cha­nis­mus erst zwei spruch­reif. Ne­ben der Zen­tra­li­sie­rung der Ban­ken­auf­sicht für sys­tem­re­le­van­te oder ge­fähr­li­che In­sti­tu­te be­fin­det sich auch die Ver­ein­heit­li­chung der Auf­sichts­re­geln auf gu­tem Weg. In Kür­ze soll­te die neus­te Ka­pi­tal­di­rek­ti­ve, mit der die in­ter­na­tio­na­len Stan­dards von Ba­sel III gül­tig wer­den, be­schlos­sen sein. Da­mit gel­ten in der EU die glei­chen Re­geln für al­le Ban­ken.

Spa­ni­en und Ir­land hof­fen

Die­se ers­ten zwei Ele­men­te der an­ge­streb­ten Ban­ken­uni­on wa­ren die ein­fa­che­ren. Im We­sent­li­chen ging es um Pro­ze­de­re und Auf­ga­ben für be­reits ge­schaf­fe­ne Gre­mi­en. Ab jetzt geht es um Geld, Sou­ve­rä­ni­tät und auch kon­kre­te Kon­se­quen­zen für An­le­ger. Die zwei wei­te­ren Baustei­ne der Ban­ken­uni­on sind ein Ab­wick­lungs­pro­ze­de­re für kon­kur­si­te Ban­ken so­wie ei­ne ge­mein­sa­me Ein­la­gen­ver­si­che­rung. Wer be­denkt, dass die Ei­ni­gung auf ei­ne zen­tra­le Auf­sicht nur mit ei­nem Kom­pro­miss zu­guns­ten Deutsch­lands zahl­rei­cher Spar­kas­sen zu­stan­de ge­kom­men ist (vgl. Gra­fik und In­ter­view), fragt sich, wie weit die Kan­ten der zwei noch feh­len­den Baustei­ne ab­ge­schlif­fen wer­den. Die EU-Staats- und -Re­gie­rungs­chefs wol­len die zwei Pro­jek­te üb­ri­gens rasch vor­an­trei­ben. Ge­mäss dem Schluss­do­ku­ment des EU-Rats, der bis Frei­tag tag­te, sol­len bei­de im Ver­lauf von 2013 zum Ab­schluss ge­bracht wer­den.

Da­zu müs­sen sich die EU-Po­li­ti­ker aber er­neut an die Vor­zü­ge der Ban­ken­uni­on er­in­nern. Das wich­tigs­te Ziel war es, das fi­nan­zi­el­le Band zwi­schen Staats­fi­nan­zen und Ban­ken zu zer­schnei­den. Die Schaf­fung der zen­tra­len Auf­sicht war Vor­be­din­gung, dass künf­tig der EU-Not­fonds, der Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ESM, Ban­ken di­rekt – oh­ne Um­weg über die Staats­bi­lanz – ka­pi­ta­li­sie­ren kann. Spa­ni­en hät­te das ers­te Land sein sol­len, des­sen In­sti­tu­ten der ESM di­rekt ge­hol­fen hät­te.

Al­lein die Ei­ni­gung auf ei­ne zen­tra­le Auf­sicht reicht aber noch nicht. Es wird noch ein «ope­ra­ti­ver» Rah­men be­nö­tigt, wie es im Schluss­do­ku­ment des EU-Rats heisst. Der soll in der ers­ten Hälf­te 2013 fer­tig sein. Ob Spa­ni­en dann ei­nen Teil des ein­ge­schos­se­nen Ka­pi­tals wird um­bu­chen kön­nen, ist un­klar, das­sel­be gilt für Ir­land. Wel­che in der Ver­gan­gen­heit in­ves­tier­ten Staats­gel­der für Ban­ken al­len­falls vom ESM über­nom­men wer­den, ist of­fen. Po-

Die zehn ge­fähr­lichs­ten Ban­ken Eu­ro­pas

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