Die Na­tio­nal­bank hält Kurs

Fran­ken er­starkt, weil die SNB nichts än­dert – Ri­si­ko der ho­hen De­vi­sen­re­ser­ven wird di­ver­si­fi­ziert – In­dex­nah in Ak­ti­en in­ves­tie­ren

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PHIL­IP­PE BÉGUELIN

Der Fran­ken re­agier­te mit ei­nem klei­nen Sprung auf die Mit­tei­lung der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank, sie las­se den Min­dest­kurs un­ver­än­dert. Prä­si­dent Tho­mas Jor­dan be­kräf­tig­te am Don­ners­tag­mor­gen an der vier­tel­jähr­li­chen geld­po­li­ti­schen La­ge­be­ur­tei­lung in Bern, die SNB wer­de die Gren­ze «wei­ter­hin mit al­ler Kon­se­quenz durch­set­zen».

Of­fen­bar hat­ten ein paar Markt­teil­neh­mer dar­auf ge­setzt, dass die SNB die Gren­ze hin­auf­setzt – ent­spre­chen­de Ge­rüch­te kur­sie­ren stets vor der La­ge­be­ur­tei­lung. Der Fran­ken-Eu­ro-Wech­sel­kurs fiel von 1.2125 auf 1.2088 Fr./€.

Am Frei­tag­nach­mit­tag no­tier­te das Wäh­rungs­paar 1.2084 Fr./€. Das ist ein hö­he­res Ni­veau als En­de No­vem­ber, Ur­sa­che da­für sind Ne­ga­tiv­zin­sen, die Cre­dit Suis­se und UBS seit Kur­zem auf Fran­ken­gut­ha­ben von in­sti­tu­tio­nel­len Kun­den er­he­ben (vgl. Aus­ga­be vom Mitt­woch, Sei­te 24).

Ein Hedge ist nicht mög­lich

Um den Min­dest­kurs durch­zu­set­zen, kauf­te die Na­tio­nal­bank von April bis Sep­tem­ber in gros­sem Stil Fremd­wäh­run­gen, seit­her ge­niesst sie ei­ne Ver­schnauf­pau­se. Fritz Zur­brügg, seit Au­gust neu­es Mit­glied des drei­köp­fi­gen Di­rek­to­ri­ums und dort Nach­fol­ger des im Ja­nu­ar zu­rück­ge­tre­te­nen Phil­ipp Hil­de­brand, wies auf das Wäh­rungs­ri­si­ko der De­vi­sen­an­la­gen hin, die im lau­fen­den Jahr 40% auf 425 Mrd. Fr. zu­ge­nom­men ha­ben. Die­ses Ri­si­ko kön­ne die Na­tio­nal­bank nicht ab­si­chern (hed­gen), das kä­me ei­nem Kauf von Fran­ken ge­gen Fremd­wäh­run­gen gleich. Will heis­sen: Die Na­tio­nal­bank wür­de am De­vi­sen­markt qua­si ge­gen sich selbst an­tre­ten.

So­mit blei­be nur ei­ne brei­te Di­ver­si­fi­ka­ti­on, führ­te Zur­brügg aus. Den An­teil an Eu­ro re­du­zier­te die SNB von 60% im Som­mer auf 48% per En­de Sep­tem­ber. Auf den Dol­lar ent­fie­len 28%, die rest­li­chen 24% ver­teil­ten sich auf das Pfund, den Yen, ka­na­di­sche Dol­lar und ko­rea­ni­sche Won. «Wir prü­fen lau­fend neue Wäh­run­gen.»

Um das Kre­dit­ri­si­ko zu be­schrän­ken, hält die SNB vor al­lem «hoch­wer­ti­ge Staats­an­lei­hen» so­wie Gut­ha­ben bei an­de­ren Zen­tral­ban­ken. Stei­gen der­einst die Zin­sen und droht In­fla­ti­ons­ge­fahr, fal­len die Kur­se der Staats­an­lei­hen. Dem könn­te die SNB be­geg­nen, in­dem sie ver­stärkt in Re­al­an­la­gen wie Ak­ti­en di­ver­si­fi­ziert.

In aus­län­di­sche Ak­ti­en in­ves­tiert die SNB 12% der De­vi­sen­re­ser­ven. Der An­teil ist heu­er nur 2 Pro­zent­punk­te ge­stie­gen, das An­la­ge­vo­lu­men in Ak­ti­en hat sich aber par­al­lel zum ge­sam­ten De­vi­sen­be­stand auf­ge­bläht und be­trägt nun 50 Mrd. Fr.

Im Som­mer er­schien die SNB auf ei­ner Rang­lis­te der gröss­ten Ak­tio­nä­re von No­kia und ge­riet des­halb in die Schlag­zei­len. Zur­brügg prä­zi­sier­te, die Ak­ti­en­an­la­gen wür­den «aus­schliess­lich in­dex­nah in­ves­tiert». Das Stimm­recht an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung neh­me die SNB nicht wahr.

Ab­wärts­ri­si­ko der Wirt­schaft

Die Schwei­zer Wirt­schaft wach­se die­ses Jahr 1%, schätzt die SNB nach wie vor. Für 2013 ver­an­schlagt sie 1 bis 1,5%. Die Ab­wärts­ri­si­ken blie­ben «er­heb­lich». Eben­falls am Don­ners­tag senk­te das Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirt­schaft Se­co die Pro­gno­se für 2013 von 1,4 auf 1,3%. Bun­des­rat Johann Schnei­der-Ammann sieht die Schweiz gut un­ter­wegs, sie sei «in ei­ner be­schei­de­nen Kon­junk­tur­del­le», nicht in ei­ner Re­zes­si­on. Das Ri­si­ko ei­ner ge­samt­schwei­ze­ri­schen Im­mo­bi­li­en­bla­se er­ach­tet er als eher ge­ring (vgl. da­zu Sei­te 3).

Nichts Kon­kre­tes sag­te die SNB zur Ge­winn­ver­tei­lung an den Bund und die Kan­to­ne. Das Jah­res­er­geb­nis ste­he erst am 31. De­zem­ber fest, mahn­te Jor­dan. 2010 hat­te die SNB im De­zem­ber kräf­tig am De­vi­sen­markt in­ter­ve­niert, um ei­ne über­mäs­si­ge Auf­wer­tung des Fran­kens zu brem­sen, das trug mass­geb­lich zum Jah­res­ver­lust von 19 Mrd. Fr. bei. Heu­er weist die SNB von Ja­nu­ar bis Sep­tem­ber ei­nen Kon­zern­ge­winn von 17 Mrd. Fr. aus.

Das Di­rek­to­ri­um der Na­tio­nal­bank am Don­ners­tag in Bern: Je­an-Pier­re Dan­t­hi­ne, Prä­si­dent Tho­mas Jor­dan und Fritz Zur­brügg.

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