Geht Bernan­ke be­reits das Zau­ber­pul­ver aus?

Us-no­ten­bank reisst die Schleu­sen wei­ter auf – Neue Zins­po­li­tik

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - CHRIS­TOPH GISIGER,

Der Job­markt in den USA zeigt ei­nen kon­ti­nu­ier­li­chen Er­ho­lungs­trend. Seit De­zem­ber 2010 ist die Ar­beits­lo­sen­quo­te von 9,4 auf 7,7% zu­rück­ge­gan­gen. US-No­ten­bank­chef Ben Bernan­ke ist das je­doch zu lang­sam: «Die Zu­stän­de am Ar­beits­markt sind ei­ne enor­me Ver­schwen­dung von mensch­li­chem und öko­no­mi­schem Po­ten­zi­al», sag­te der Prä­si­dent des Fe­deral Re­ser­ve die­se Wo­che. Er will die Zü­gel des­halb so lan­ge wei­ter schlei­fen las­sen, «wie das not­wen­dig ist, um die Kon­junk­tur­er­ho­lung zu be­schleu­ni­gen».

Das heisst, dass die US-No­ten­bank künf­tig noch mehr Geld dru­cken wird. Kon­kret wird sie ab An­fang 2013 neu je­den Mo­nat für 45 Mrd. $ lang­fris­ti­ge US-Staats­an­lei­hen kau­fen. Ge­nau ge­nom­men macht sie das zwar be­reits seit Herbst 2011 mit dem Sti­mu­lie­rungs­pro­gramm Ope­ra­ti­on Twist. Bis­lang hat sie die­se Trans­ak­tio­nen je­doch mit dem Ver­kauf von kurz­fris­ti­gen Schatz­pa­pie­ren ali­men­tiert, so­dass un­ter dem Strich kei­ne zu­sätz­li­che Li­qui­di­tät ins Sys­tem ge­kom­men ist. Weil der Be­stand an kurz­fris­ti­gen Staats­an­lei­hen im Port­fo­lio in­zwi­schen fast auf­ge­braucht ist, lässt sich Ope­ra­ti­on Twist al­ler­dings nicht mehr län­ger fort­füh­ren.

Bi­lanz wächst noch mehr

Statt den Er­werb von Staats­an­lei­hen mit dem Ver­kauf an­de­rer An­la­gen zu fi­nan­zie­ren, wei­tet das Fe­deral Re­ser­ve des­halb fort­an ein­fach sei­ne Bi­lanz noch mehr aus. Die­se un­kon­ven­tio­nel­le Mass­nah­me der Geld­po­li­tik wird auch Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing oder kurz QE ge­nannt. Be­reits im Sep­tem­ber hat die US-No­ten­bank par­al­lel zu Ope­ra­ti­on Twist das drit­te Pro­gramm die­ser Art ge­star­tet, in­dem sie mo­nat­lich für 40 Mrd. $ ver­brief­te Hy­po­the­ken kauft. Ins­ge­samt wird sie da­mit ab Ja­nu­ar 85 Mrd. $ pro Mo­nat ins Fi­nanz­sys­tem pum­pen und ih­re Bi­lanz im sel­ben Tem­po er­wei­tern. Das, ob­wohl sich die­se seit der Fi­nanz­kri­se von rund 860 auf schon über 2800 Mrd. $ auf­ge­bläht hat.

Über­ra­schend macht Bernan­ke die Zins­po­li­tik zu­dem di­rekt vom Kon­junk­tur­ver­lauf ab­hän­gig. Das be­deu­tet, er wird die Leit­zin­sen so lan­ge bei na­he­zu null be­las­sen, wie sich die Ar­beits­lo­sen­quo­te über 6,5% be­wegt und die Teue­rungs­er­war­tung 2,5% nicht über­steigt. Im Un­ter­schied da­zu hat­te der Fed-Chef bis­lang be­kräf­tigt, er wer­de bis min­des­tens Mit­te 2015 an der Null­zins­po­li­tik fest­hal­ten. «Ge­mäss dem auf­da­tier­ten Kon­junk­tur­aus­blick rech­net das Fed oh­ne­hin nicht da­mit, dass die Ar­beits­lo­sen­ra­te vor 2015 un­ter 6,5% fällt. Trotz der neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie hat sich al­so we­nig ver­än­dert», re­sü­miert Carl Tan­nen­baum, Chef­öko­nom der Bank Nort­hern Trust.

Bör­se re­agiert kühl

Mit die­sen Mass­nah­men will Bernan­ke die In­ves­to­ren zu mehr Ri­si­ko er­mun­tern. Das soll den Prei­sen von Ak­ti­en und Im­mo­bi­li­en Auf­trieb ge­ben und da­mit letzt­lich die Wirt­schaft an­kur­beln. Mit je­dem neu­en Ein­satz schei­nen sol­che un­kon­ven­tio­nel­len In­stru­men­te der Geld­po­li­tik je­doch ab­zu­stump­fen. Das deu­tet auch die Markt­re­ak­ti­on an. Der US-Leit­in­dex S&P 500 hat am Mitt­woch nach der Fed-Sit­zung prak­tisch un­ver­än­dert ge­schlos­sen und am Don­ners­tag so­gar Ter­rain preis­ge­ge­ben. Es fragt sich da­mit, wel­che Tricks Bernan­ke noch üb­rig blei­ben, wenn die Si­tua­ti­on wirk­lich ernst wird, die US-Wirt­schaft ei­nen neu­en Schwä­che­an­fall er­lei­det und die Ar­beits­lo­sig­keit aber­mals steigt.

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