Opec ne­giert den Wan­del

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - MG

Oft wird sich die Opec (Or­ga­ni­sa­ti­on öl­ex­por­tie­ren­der Län­der) nicht mehr um ei­ne Sen­kung der Ge­samt­för­der­men­ge her­um­drü­cken kön­nen. Am Mitt­woch tat es das Öl­kar­tell, das für rund ein Drit­tel der Welt­för­de­rung ver­ant­wort­lich zeich­net, noch ein­mal: Es be­liess den Out­put für die nächs­te Zeit auf 30 Mio. Fass pro Tag. Das, ob­wohl die zwölf Mit­glied­staa­ten zur­zeit 1,2 Mio. Fass über die­ses Ziel hin­aus aus der Er­de pum­pen und ob­wohl in den nächs­ten vier Jah­ren der Be­darf an Opec-Öl ge­mäss ei­ge­nen Pro­gno­sen 5% zu­rück­ge­hen soll.

Hand­lungs­be­darf er­gibt sich für die Opec aus meh­re­ren Grün­den: Ers­tens steigt die Öl­för­de­rung aus­ser­halb der Opec neu­er­dings wie­der, weil auf­grund des Ein­sat­zes neu­er Bohr- und För­der­tech­ni­ken vor al­lem die USA deut­lich mehr Öl pro­du­zie­ren (vgl. Sei­ten 24 und 25). Mehr des schwar­zen Gol­des wird aber auch in Eu­ra­si­en, Afri­ka und Latein­ame­ri­ka ex­tra­hiert.

Zwei­tens gibt es mit dem Irak in­ner­halb des Kar­tells selbst ei­nen Staat, der nach Über­win­dung der jah­re­lan­gen Kriegs­wir­ren im­mer mehr Öl för­dert.

Drit­tens wächst die Welt­wirt­schaft seit ei­ni­ger Zeit nur mehr in ge­brems­tem Tem­po und grei­fen vor al­lem in den ent­wi­ckel­ten In­dus­trie­staa­ten Ener­gie­spar­mass­nah­men und Ener­gie­ef­fi­zi­enz­stei­ge­run­gen. Die Opec schätzt des­halb, dass 2013 das Wachs­tum der glo­ba­len Öl­nach­fra­ge ge­rin­ger sein wird als die Ex­pan­si­on des welt­wei­ten Öl­an­ge­bots.

Senkt die Opec ih­re Ge­samt­för­der­men­ge nicht bald, wer­den die Öl­prei­se fal­len – auf bis zu 70 $ pro Fass in der ers­ten Hälf­te 2013 ge­mäss ei­ner Schät­zung von Long­view Eco­no­mics. Das sind 36% we­ni­ger als die knapp 109 $, die heu­te pro Fass be­zahlt wer­den. Das aber kann sich die Mehr­heit der Mit­glied­staa­ten nicht leis­ten: Sie brau­chen ge­mäss ei­ner Stu­die der Denk­fa­brik Chat­ham Hou­se ei­nen Öl­preis von über 100 $, um ih­re auf­ge­bläh­ten Bud­gets fi­nan­zie­ren zu kön­nen. In­tern um­strit­ten ist aber die Fra­ge, wer nun die För­de­rung um wie viel sen­ken soll. Po­ten­zi­al für hef­ti­ge Ver­teil­kämp­fe in der no­to­risch un­ei­ni­gen Opec gibt es al­so ge­nug.

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