Re­vo­lu­tio­nä­re Pio­nier­leis­tung

Den neu­en Ener­gie­reich­tum hat Ame­ri­ka ei­nem in­no­va­ti­ven Ge­schäfts­mann zu ver­dan­ken

Finanz und Wirtschaft - - AMERIKA - CG

Der Boom, den das För­dern von Öl und Gas aus Schie­fer­ge­stein in den USA aus­ge­löst hat, mischt die Welt­märk­te auf. Wo an­ders hät­te sich der Fun­ke die­ser Re­vo­lu­ti­on sonst ent­fa­chen kön­nen als in Te­xas, der tra­di­tio­nel­len Kern­re­gi­on der ame­ri­ka­ni­schen Ener­gie­wirt­schaft?

Ge­or­ge Mit­chell hat­te ein Pro­blem. Sei­nem Un­ter­neh­men, Mit­chell Ener­gy, gin­gen die Gas­re­ser­ven aus. Das brach­te den Ge­schäfts­mann aus Hous­ton in ei­ne pre­kä­re Si­tua­ti­on, hat­te er sich doch ver­pflich­tet, ei­nem Pi­pe­line­be­trei­ber noch über Jah­re sub­stan­zi­el­le Vo­lu­men zu lie­fern. Ei­ne geo­lo­gi­sche Stu­die brach­te den Sohn ei­nes grie­chi­schen Zie­gen­hir­ten An­fang der Acht­zi­ger­jah­re auf die zün­den­de Idee: Be­reits seit Lan­gem war be­kannt, dass in den fei­nen Po­ren von Schie­fer­ge­stein Öl und Gas ent­hal­ten war. Die Ener­gie­re­ser­ven la­gen je­doch brach, weil die För­de­rung tech­nisch äus­sert kom­pli­ziert und wirt­schaft­lich un­ren­ta­bel war.

Den Fels ge­knackt

Ge­nau das woll­te Mit­chell nicht mehr län­ger ak­zep­tie­ren. Er bohr­te im Ge­biet der Bar­nett-For­ma­ti­on bei Dal­las ein Loch nach dem an­de­ren und ex­pe­ri­men­tier­te mit der Fracking-Tech­no­lo­gie. Mit die­sem of­fi­zi­ell Hy­drau­lic Frac­tu­ring ge­nann­ten Pro­zess wer­den tief un­ter der Erd­ober­flä­che Ris­se ins Gestein ge­sprengt und dann un­ter ho­hem Druck mit ei­ner Mi­schung aus Was­ser, Sand so­wie Che­mi­ka­li­en wei­ter auf­ge­spreizt. Gas und Öl kön­nen so aus den fei­nen Gesteins­po­ren in den Bohr­schacht und dann an die Ober­flä­che strö­men. En­de 1998 hat­te Mit­chell schliess­lich nach un­zäh­li­gen Miss­er­fol­gen und trotz wach­sen­dem Ge­spött der Bran­che, den pas­sen­den Mix ge­fun­den, um den Fels zu kna­cken.

Trotz des Durch­bruchs war er aber noch nicht am Ziel. Um das Gas­vor­kom­men der Bar­nett-For­ma­ti­on zu nut­zen, brauch­te er ei­nen fi­nanz­kräf­ti­gen Part­ner. Nach müh­se­li­ger Su­che fand er 2002 mit dem Bohr­spe­zia­lis­ten De­von Ener­gy ei­nen Käu­fer für sein Un­ter­neh­men. Der Kon­zern aus Okla­ho­ma ver­füg­te wie­der­um selbst über wert­vol­les Know-how zu Qu­er­boh­run­gen. Wie bei der her­kömm­li­chen För­de­rung wird da­bei am An­fang senk- recht in den Bo­den ge­gra­ben. Ist ei­ne be­stimm­te Tie­fe er­reicht, kann sich der Bohr­kopf dann je­doch waag­recht in die ölo­der gas­hal­ti­ge Gesteins­schicht vor­ar­bei­ten. Die­ser Pro­zess lässt sich von ei­ner zen­tra­len Bohr­stel­le aus be­lie­big wie­der­ho­len, was die Kos­ten er­heb­lich senkt.

Um­bruch hat erst be­gon­nen

Wie re­vo­lu­tio­när die Kom­bi­na­ti­on von Fracking und ho­ri­zon­ta­len Boh­run­gen ist, liess sich erst­mals 2007 er­ah­nen, als die US-Gas­pro­duk­ti­on plötz­lich an­sprang. An­de­re un­ab­hän­gi­ge Ener­gie­kon­zer­ne hat­te die Tech­nik ko­piert und er­schlos­sen wei­te­re Schie­fer­for­ma­tio­nen in Loui­sia­na, Ar­k­an­sas, Okla­ho­ma oder Penn­syl­va­nia.

In­zwi­schen ha­ben die Ver­ei­nig­ten Staa­ten Russ­land als welt­gröss­ten Gas­pro­du­zen­ten über­holt. Kam Schie­fer­gas im Jahr 2000 noch le­dig­lich für 2% des ge­sam­ten För­der­vo­lu­mens in Ame­ri­ka auf, so sind es in­zwi­schen 37%. In zwei Jahr­zehn­ten könn­ten es 65% sein, wie et­wa der re­nom­mier­te Ener­gie­ex­per­te Da­ni­el Yer­gin in sei­nem Buch «The Quest» fest­hält. Längst hat der Boom auch die Öl­bran­che er­fasst. Seit 2008 ist die Öl­för­de­rung in den USA um 25% ge­stie­gen. Ge­mäss Schät­zun­gen der In­ter­na­tio­na­len Ener­gie­agen­tur IEA in Paris soll sie bis 2020 um wei­te­re 30% auf über 11 Mio. Fass pro Tag wach­sen, wo­mit die USA wie nach dem ers­ten Öl­boom in Te­xas er­neut zum gröss­ten Pro­du­zen­ten der Welt avan­cie­ren wür­den.

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