Schie­fer­boom be­feu­ert Us-wirt­schaft

Kräf­ti­ger Mo­tor für den Job­markt – In­ter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit steigt – In­dus­trie pro­fi­tiert

Finanz und Wirtschaft - - AMERIKA - CG

Öl ist das Schmier­mit­tel der Wirt­schaft. Die enor­men Ener­gie­vor­kom­men im Schie­fer­ge­stein wer­den die US-Wirt­schaft des­halb kräf­tig be­feu­ern. Auch im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb ge­winnt der Werk­platz USA zu­se­hends an At­trak­ti­vi­tät. Das zeigt sich mit­un­ter da­ran, dass der Tech­no­lo­gie­lea­der App­le vor we­ni­gen Ta­gen an­ge­kün­digt hat, Tei­le sei­ner Pro­duk­ti­on zu­rück aus Chi­na in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu ver­la­gern.

«Die Nach­richt von App­le ist zwar nur ei­ne Fuss­no­te im gros­sen Bild. Sie zeigt aber, wie die nächs­ten Schrit­te in der Ent­wick­lung des US-Schie­fer­booms aus­se­hen wer­den», denkt Oli­vier Ja­kob vom Öl­markt­ana­lys­ten Pe­tro­ma­trix. Ge­gen­wär­tig be­schrän­ke sich der Ef­fekt noch pri­mär auf en­er­gie­in­ten­si­ve Wirt­schafts­be­rei­che. «In­dem sich das Öl aus den Schie­fer­for­ma­tio­nen in Te­xas oder North Da­ko­ta aber lang­sam sei­nen Weg an die Küs­ten­re­gio­nen bahnt, wer­den auch die US-Ver­brau­cher mit der Zeit von den güns­ti­gen Ener­gie­prei­sen pro­fi­tie­ren», hält Ja­kob fest. Er ist des­halb der An­sicht, dass die Schie­fer­re­vo­lu­ti­on nicht nur ei­ne Re­nais­sance in der In­dus­trie aus­lö­sen, son­dern auch das ver­füg­ba­re Ein­kom­men der Haus­hal­te er­hö­hen und so die Er­ho­lung am Häu­ser­markt be­schleu­ni­gen wird.

Steu­er­gel­der spru­deln

Be­zif­fern las­sen sich die Aus­wir­kun­gen auf die Kon­junk­tur erst an­satz­wei­se. Fakt ist, dass der Gas­preis in den USA seit An­fang 2010 deut­lich tie­fer no­tiert als in Eu­ro­pa oder Ja­pan. Auch Öl der US-Re­fe­renz­sor­te West Te­xas In­ter­me­dia­te ( WTI) han­delt ver­gli­chen mit dem eu­ro­päi­schen Pen­dant Brent zu ei­nem kla­ren Preis­ab­schlag. Ins­ge­samt sind durch den En­er­gie­boom in den USA bis­her be­reits 1,7 Mio. Jobs ent­stan­den. Bis 2030 könn­ten es wei­te­re 3 Mio. sein, rech­net ei­ne Stu­die des Be­ra­tungs­un­ter­neh­mens IHS Glo­bal In­sight vor. Zu­dem dürf­ten dem öf­fent­li­chen Sek­tor durch den Um­bruch in der Ener­gie­bran­che im aus­lau­fen­den Jahr rund 60 Mrd. $ mehr an Steu­ern und Ab­ga­ben zu­flies­sen.

Che­mie baut aus

Die in­di­rek­ten Fol­gen der Schie­fer­re­vo­lu­ti­on ma­chen sich am deut­lichs­ten in der Che­mie be­merk­bar. Das hat da­mit zu tun, dass Gas für US-Her­stel­ler nicht nur ein wich­ti­ger Ener­gie­trä­ger, son­dern auch ein zen­tra­ler Pro­duk­ti­ons­roh­stoff ist. An­ders als im Rest der Welt, wo über­wie­gend Roh­ben­zin (Naph­tha) als Roh­stoff in der Pe­tro­che­mie ver­wen­det wird, ver­ar­bei­ten die Wer­ke in den USA zu mehr als 80% Et­han, das ein Haupt­be­stand­teil von Erd­gas ist.

Sind in den letz­ten Jahr­zen­ten im­mer mehr An­la­gen in den USA ge­schlos­sen wor­den, hat die­ser Trend nun ge­kehrt. Ge­mäss dem Bran­chen­ver­band ACC sind der­zeit rund dreis­sig Pro­jek­te zum Neu­oder Aus­bau von Che­mie­fa­bri­ken für Ka­pi­tal­in­ves­ti­tio­nen von ins­ge­samt 25 Mrd. $ ge­plant. Die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät in den USA dürf­te da­durch um fast 30% zu­neh­men. Ein ein­drück­li­ches Bei­spiel ist das top­mo­der­ne Werk von US-Bran­chen­lea­der Dow Che­mi­cal un­weit von Hous­ton an der Golf­küs­te von Te­xas.

Eben­falls in der ers­ten Rei­he der Pro­fi­teu­re ste­hen en­er­gie­in­ten­si­ve Bran­chen wie die Stahl-, die Glas oder die Pa­pier­in­dus­trie. Güns­ti­ge­re Prei­se für Me­tal­le, Kunst­stof­fe und an­de­re Roh­wa­ren sind wie­der­um ein Vor­teil für Un­ter­neh­men aus dem ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be wie Au­to­kon­zer­ne, Ma­schi­nen­bau­er oder Chip­her­stel­ler. Kein Wun­der al­so, will künf­tig auch App­le die Mac-Com­pu­ter wie­der ver­mehrt im Heim­markt pro­du­zie­ren.

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