In­fla­ti­on schmä­lert die Re­al­ren­di­te des Port­fo­li­os

Ko­tier­te In­dex­fonds (ETF) er­mög­li­chen es, das De­pot ge­gen ei­nen Kauf­kraft­ver­lust zu po­si­tio­nie­ren

Finanz und Wirtschaft - - DERIVATE - THO­MAS MERZ

Wenn die Kauf­kraft ei­ner Geld­an­la­ge durch stei­gen­de Prei­se ero­diert wird, spricht man von In­fla­ti­on. Da­bei wer­den die No­mi­nal­ren­di­ten auf An­la­gen um die In­fla­ti­ons­ra­te re­du­ziert. Je­doch wer­den die Aus­wir­kun­gen ei­nes stei­gen­den Preis­ni­veaus auf die No­mi­nal­ren­di­ten un­ter­schied­lichs­ter An­la­ge­klas­sen auch nach Jahr­zehn­ten in­ten­si­ver For­schungs­tä­tig­keit bis heu­te noch im­mer wi­der­sprüch­lich be­ur­teilt.

An­la­ge­ren­di­ten hän­gen nicht al­lein von In­fla­ti­ons­ent­wick­lun­gen ab, son­dern wer­den von un­zäh­li­gen wei­te­ren Fak­to­ren be­ein­flusst. Ge­ra­de in der heu­ti­gen Zeit ist es ein gros­ses An­lie­gen so­wohl aus der Pra­xis der Ver­mö­gens­ver­wal­tung als auch aus aka­de­mi­scher Sicht, zu ver­ste­hen, wel­ches die op­ti­ma­le Port­fo­li­o­zu­sam­men­set­zung ist, um bei stei­gen­der In­fla­ti­on die Kauf­kraft des Port­fo­li­os zu er­hal­ten.

In­fla­ti­ons­pro­gno­se ist schwer

Die künf­ti­ge In­fla­ti­ons­ent­wick­lung zu an­ti­zi­pie­ren, ist für In­ves­to­ren von enorm gros­ser Wich­tig­keit. Lei­der sind In­fla­ti­ons­pro­gno­sen oft un­ge­nau und mit gros­sen Un­si­cher­hei­ten be­haf­tet. Die Be­grün­dung für die oft schlech­te Pro­gno­se­ge­nau­ig­keit liegt in der Na­tur der Sa­che, denn die Prei­se be­we­gen sich auf­grund von wirt­schaft­li­chen Schocks plötz­lich in ei­ne neue Rich­tung. Weil sol­che Ve­rän­de­run­gen un­vor­her­seh­bar sind, sind In­fla­ti­ons­pro­gno­sen zu li­ne­ar und tau­gen kaum, um ent­spre­chen­de Port­fo­li­o­an­pas­sun­gen recht­zei­tig vor­zu­neh­men.

Ob­wohl die Geld- und die Fis­kal­po­li­tik auf glo­ba­ler Ebe­ne teil­wei­se mas­siv ge­lo­ckert wur­den, se­hen die meis­ten Öko­no­men kurz bis mit­tel­fris­tig kaum In­fla­ti­ons­ri­si­ken. Was da­bei ver­ges­sen geht: Die In­fla­ti­ons­ra­ten ad­äquat zu mes­sen, ist auf den ers­ten Blick leich­ter, als dies in Wirk­lich­keit zu be­werk­stel­li­gen ist. Hier­zu ein Bei­spiel: In der län­ger an­hal­ten­den Pha­se von mo­de­ra­ter In­fla­ti­on seit 1990 wur­de ein wich­ti­ger Trei­ber der In­fla­ti­on in der Be­rech­nung schlicht nicht be­rück­sich­tigt. So wur­den die Ei­gen­heim­prei­se, die in der be­sag­ten Zeit je nach Re­gi­on stark ge­stie­gen sind, nicht ins Seg­ment Kon­sum­gü­ter ein­ge­rech­net, da die­se ge­mein­hin als lang­le­bi­ge Ver­mö­gens­wer­te klas­siert wur­den. Dem­ent­spre­chend schlug die Preis­stei­ge-

An­la­ge­klas­sen im Ver­gleich rung nicht auf die Kon­su­men­ten­preis­in­fla­ti­on durch, wes­halb die In­fla­ti­ons­ra­ten un­ter­schätzt wur­den.

In­tui­tiv bie­tet sich ei­ne Um­schich­tung in An­la­gen an, die in ver­gan­ge­nen Pha­sen von ho­her In­fla­ti­on die bes­te Per­for­mance zeig­ten. Ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit be­steht dar­in, dass An­la­gen aus­ge­wählt wer­den, de­ren Ren­di­te die bes­te Über­rein­stim­mung mit der In­fla­ti­ons­ent­wick­lung zeig­te, d. h. ein ho­hes In­fla­ti­ons-Be­ta auf­weist (vgl. Gra­fik). Bei­de An­sät­ze sind auf den ers­ten Blick ein­leuch­tend, je­doch ori­en­tie­ren sich bei­de an der Ver­gan­gen­heit und ge­ben so­mit kei­ne Ga­ran­tie für ei­ne zu­künf­ti­ge Ent­wick­lung. Denn wie bei der In­fla­ti­ons­pro­gno­se sind auch hier die For­schungs­re­sul­ta­te nicht ein­deu­tig. Wäh­rend ei­ni­ge Un­ter­su­chun­gen von füh­ren­den Fi­nanz­markt­for­schern An­la­gen in Ak­ti­en grund­sätz­lich in Pha­sen von stei­gen­der In­fla­ti­on po­si­tiv be­wer­ten, kom­men an­de­re zum ge­gen­tei­li­gen Schluss. Ge­mäss der Ana­ly­se von UBS sind brei­te Ak­ti­en­kör­be in der La­ge, über lan­ge Zei­t­räu­me In­fla­ti­ons­stei­ge­run­gen zu ab­sor­bie­ren. Je­doch sind sie, wie auch et­li­che wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en be­le­gen, eher un­ge­eig­net, auf kurz­fris­ti­ge In­fla­ti­ons­schü­be po­si­tiv zu re­agie­ren.

Port­fo­lio po­si­tio­nie­ren

Über­ein­stim­mend schei­nen die Re­sul­ta­te zu­min­dest für den Ein­satz von Im­mo­bi­li­en und Roh­stoff­an­la­gen zu sein, wo­bei auch hier wei­ter dif­fe­ren­ziert wer­den muss. Ein drit­tes Feld schwört auf in­fla­ti­ons­ge­bun­de­ne An­la­ge­ren­di­ten in Form von so­ge­nann­ten In­fla­ti­on Lin­ked Bonds. Das sind Ob­li­ga­tio­nen, bei de­nen die Ren- di­te (Cou­pon) oder der aus­ste­hen­de Be­trag (No­mi­nal) an ei­nen ent­spre­chen­den In­fla­ti­ons­in­dex ge­bun­den ist, so­dass sich die Ren­di­te ent­spre­chend an­passt.

Un­se­res Erach­tens ist die kor­rek­te und zeit­lich op­ti­ma­le Vor­her­sa­ge von Ve­rän­de­run­gen der In­fla­ti­ons­ra­ten nicht mög­lich, da vor al­lem In­fla­ti­ons­schocks kaum an­ti­zi­pier­bar sind. Dem­ent­spre­chend wird ein gut struk­tu­rier­tes und aus­ge­wo­ge­nes Port­fo­lio die Auf­ga­be im Hin­blick auf ei­ne mög­li­cher­wei­se stei­gen­de In­fla­ti­on am bes­ten be­wäl­ti­gen kön­nen. Da­bei kön­nen die wich­tigs­ten Re­sul­ta­te aus ver­schie­de­nen Un­ter­su­chun­gen mög­li­che Al­lo­ka­ti­ons­hin­wei­se ge­ben, wo­bei auch hier das Ren­di­te-Ri­si­ko-Pro­fil der ein­zel­nen An­la­ge­klas­se un­be­dingt im Au­ge zu be­hal­ten ist. Es wä­re nicht viel ge­won­nen, wenn mit der Um­schich­tung hin zu «in­fla­ti­ons­treu­en» An­la­gen da­durch über­pro­por­tio­na­le Ri­si­ken ins Port­fo­lio ge­kauft wür­den.

Pas­si­ve An­la­gen hel­fen

Ein­zel­ne An­la­gen aus­schliess­lich auf ih­re his­to­risch be­leg­te In­fla­ti­ons­taug­lich­keit hin aus­zu­wäh­len und da­bei auf ei­ne ein­sei­ti­ge Al­lo­ka­ti­on zu set­zen, scheint nicht der rich­ti­ge An­satz zu sein. Weit­aus sinn­vol­ler ist die Er­wei­te­rung oder hö­he­re Ge­wich­tung mit An­la­ge­wer­ten, bei de­nen zu er­war­ten ist, dass sie auch bei stei­gen­den Prei­sen gut ab­schnei­den. Da­bei si­chern sich In­ves­to­ren, die ei­ne ent­spre­chen­de Er­wei­te­rung mit pas­si­ven An­la­ge­instru­men­ten wie bspw. ko­tier­ten In­dex­fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF) vor­neh­men, ei­ner­seits ei­ne gros­se Fle­xi­bi­li­tät in Be­zug auf Zeit­punkt und An­la­ge­be­trag und an­der­seits ei­ne ho­he Port­fo­li­o­di­ver­si­fi­ka­ti­on.

Ba­sie­rend auf den oben ge­nann­ten Über­le­gun­gen wä­ren fol­gen­de Bei­mi­schun­gen vor­teil­haft: An­la­gen in gut di­ver­si­fi­zier­te Lar­ge-Cap-Ak­ti­en­kör­be, brei­te Roh­stoff-Bas­kets mit Fo­kus auf un­elas­ti­sche An­ge­bots­ver­hält­nis­se, Im­mo­bi­li­en­an­la­gen und auch In­vest­ments in in­fla­ti­ons­ge­bun­de­nen Ob­li­ga­tio­nen. Die­se An­la­ge­klas­sen kön­nen heu­te durch ETF oh­ne Mü­he und ein­fach im Port­fo­lio in­te­griert wer­den. Sie bil­den so die ge­wünsch­te In­fla­ti­ons­po­si­tio­nie­rung ziel­si­cher ab. Tho­mas Merz ist He­ad ETF Schweiz und Liech­ten­stein bei UBS in Zürich.

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