In Zürich kann man’s auch

Mil­lio­nen­prei­se für Dalí, Signac und An­ker – Wäh­le­ri­sche An­ti­qui­tä­ten­käu­fer – Tep­pi­che er­ho­len sich

Finanz und Wirtschaft - - KUNSTMARKT - CHRIS­TI­AN VON FA­BER- CA­S­TELL

Zwei­stel­li­ge Mil­lio­nen­prei­se, wie sie für ei­ni­ge Tro­phä­en­kunst­wer­ke an den New Yor­ker Auk­tio­nen er­zielt wur­den, kann das Zürcher Un­ter­neh­men Kol­ler Auk­tio­nen zwar (noch) nicht ver­mel­den. Aber Auk­tio­na­tor Cy­ril Kol­ler er­klärt sich den­noch «stolz und glück­lich, er­neut ge­zeigt zu ha­ben, dass in Zürich bes­te in­ter­na­tio­na­le Kunst zu Spit­zen­prei­sen ver­stei­gert wer­den kann». Und für ein­mal ist dies kein Zweck­op­ti­mis­mus: Sal­va­dor Dalís 1950 ge­mal­te «Pay­sa­ge du Port Lli­gat avec an­ges fa­mi­liers et pêcheurs» (Öl auf Lein­wand, si­gniert und da­tiert, 61×61 cm) hät­te in New York kaum mehr als je­ne 4,4 Mio. Fr. er­zielt, die ein in­ter­na­tio­na­ler Pri­vat­käu­fer am 7. De­zem­ber bei Kol­ler da­für zahl­te. Ent­spre­chen­des gilt für Paul Signacs far­ben­präch­ti­ge Land­schaft «Les An­de­lys, Châ­teau-Gail­lard» (Öl auf Lein­wand, si­gniert, 65×92 cm), die sich ein an­de­rer in­ter­na­tio­na­ler Bie­ter für 4,16 Mio. Fr. si­cher­te.

Mög­li­cher­wei­se ha­ben die Ein­lie­fe­rer die­ser bei­den Bil­der hier so­gar den hö­he­ren Preis er­hal­ten. In New York hät­ten sie es un­ge­ach­tet ih­rer mu­se­ums­wür­di­gen Qua­li­tät ver­mut­lich nicht in die gla­mou­rö­sen Abend­auk­tio­nen von Chris­tie’s oder Sothe­by’s ge­schafft, und in den Ta­ges- und Nach­mit­tags­ver­stei­ge­run­gen wä­ren sie in ei­ner Über­fül­le ver­gleich­ba­rer Wer­ke un­ter­ge­gan­gen. In Zürich da­ge­gen bil­de­ten die bei­den Wer­ke die pro­mi­nent prä­sen­tier­ten Hö­he­punk­te von Kol­lers Herbst­auk­tio­nen. Als sol­che fan­den sie nicht nur die pro­fes­sio­nel­le Auf­merk­sam­keit scharf rech­nen­der Händ­ler, son­dern auch lei­den­schaft­li­cher Pri­vat­samm­ler.

Al­bert An­ker Su­per­star

Im Be­reich der Schwei­zer Kunst kon­kur­riert das ein­hei­mi­sche Zürcher Haus in­zwi­schen so­gar auf Au­gen­hö­he mit den bei­den Kunst­mul­tis. Un­an­ge­foch­te­ner Star war hier Al­bert An­ker. Sein 1875 ge­mal­tes Bild «Schrei­ben­der Kn­a­be mit Schwes­ter­chen I» (Öl auf Lein­wand, si­gniert und da­tiert, 45×58 cm) ging un­ter Ver­dop­pe­lung sei­ner mitt­le­ren Schät­zung ge­gen zwei Te­le­fon­bie­ter für 3,45 Mio. Fr. an ei­nen Pri­vat­bie­ter im Saal. Kurz da­vor war sein Still­le­ben: «Tee­ser­vice» (Öl auf Lein­wand, si­gniert, 58×47 cm) aus der Zeit um 1880 für 1,75 Mio. Fr. an ei­nen Te­le­fon­bie­ter ge­gan­gen. Die­ser wur­de üb­ri­gens be­reits von der drit­ten Kol­ler-Ge­ne­ra­ti­on, von Cy­ril Kol­lers Toch­ter Lau­ra, am Te­le­fon be­dient.

Der Preis un­ter­streicht die ak­tu­el­le Auf­wer­tung ähn­li­cher Ar­bei­ten An­kers. So hat die Lu­zer­ner Ga­le­rie Fi­scher im Ju­ni für sein et­was grös­se­res «Stil­le­ben mit Kaf­fee» (Öl auf Lein­wand, si­gniert und da­tiert, 47,5×66,5 cm) von 1882 so­gar 2,32 Mio. Fr. er­zielt. Zu­gleich spie­gelt sich dar­in die markt­be­we­gen­de Wir­kung be­deu­ten­der Mu­se­en. Das In­ter­es­se an den alt­meis­ter­li­chen Still­le­ben des eins­ti­gen Theo­lo­gie­stu­den­ten dürf­te näm­lich we­sent­lich von den gros­sen An­ker-Aus­stel­lun­gen des Ber­ner Kunst­mu­se­ums in den Jah­ren 2003 und 2010 ge­weckt wor­den sein.

Na­tür­lich zei­tig­ten die­se Kol­ler-Auk­tio­nen auch Ent­täu­schun­gen. Im qua­li­ta­ti­ven und preis­li­chen Mit­tel­feld kam es so­gar zu kür­ze­ren Durst­stre­cken. Teils mö­gen da­für die von den Ein­lie­fe­rern zu hoch an­ge­setz­ten Li­mi­te­prei­se ver­ant­wort­lich ge­we­sen sein. Im Be­reich der äl­te­ren Kunst, der Mö­bel, Zier­stü­cke und ver­wand­ten An­ti­qui­tä­ten, wur­den je­doch trotz über­wie­gend vor­sich­ti­ger Schät­zun­gen von den aus­ge­ru­fe­nen 320 Lo­sen nur 150 oder 47% ver­kauft. Hier­in spie­gelt sich der Wan­del von Ge­schmack und Ein­rich­tungs­vor­lie­ben der neu­en Käu­fer­ge­ne­ra­tio­nen, wie man ihn der­zeit in al­len Auk­ti­ons­sä­len und An­ti­qui­tä­ten­ge­schäf­ten be­ob­ach­tet.

Wet­ter spiel­te kei­ne Rol­le

Dass von den an­ge­bo­te­nen 121 Lo­sen Tep­pi­chen im­mer­hin 62% zu­ge­schla­gen wer­den konn­ten, zeugt da­ge­gen von ei­ner ge­wis­sen Markt­er­ho­lung des lan­ge ver­nach­läs­sig­ten ge­knüpf­ten Kul­tur­gu­tes.

Im Un­ter­schied zu frü­he­ren Ge­le­gen­hei­ten kaum be­ein­träch­tigt wur­de das Auk­ti­ons­ge­sche­hen durch die schwie­ri­gen Wet­ter­ver­hält­nis­se. Je nach Auk­ti­ons­ge­biet, be­son­ders aber zu den Ver­stei­ge­run­gen der mo­der­nen und zeit­ge­nös­si­schen Ma­le­rei und Gra­fik so­wie der Schwei­zer Kunst, war der Auk­ti­ons­saal je­weils gut und vor al­lem le­ben­dig be­setzt.

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