Oh­ne Lö­sung aber mit Plan

ÜBER­SICHT Am Eu-gip­fel­tref­fen fin­den die Po­li­ti­ker er­neut kei­nen Kon­sens

Finanz und Wirtschaft - - KUNSTMARKT - TO­BI­AS BI­SCH­OFF

EAm Don­ners­tag fan­den die Fi­nanz­mi­nis­ter Eu­ro­pas dann ei­nen Kom­pro­miss in Be­zug auf die Ban­ken­auf­sicht un­ter der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank EZB. Die neue Auf­sicht soll Ban­ken mit ei­ner Bi­lanz­sum­me von mehr als 30 Mrd. € über­wa­chen. Bei klei­ne­ren In­sti­tu­ten blei­ben die na­tio­na­len Gre­mi­en ver­ant­wort­lich. Der recht­li­che Rah­men soll bis Fe­bru­ar des kom­men­den Jah­res ste­hen.

We­ni­ger pes­si­mis­tisch als zu­vor fiel auch der von Mar­kit be­rech­ne­te Ein­kaufs­ma­na­ger­index für die Eu­ro­zo­ne aus. Er leg­te 0,8 Punk­te auf 47,7 zu und no­tiert auf ei­nem Neun­mo­nats­hoch. Da der In­di­ka­tor erst ab 50 Punk­ten Wachs­tum si­gna­li­siert, ist es noch zu früh um von ei­nem Kon­junk- in gu­ter Neu­jahrs­vor­satz für die Staats- und Re­gie­rungs­chefs Eu­ro­pas wä­re: Was Du heu­te kannst be­sor­gen, das ver­schie­be nicht auf mor­gen. Am letz­ten EU-Gip­fel­tref­fen in die­sem Jahr wur­de ein end­gül­ti­ger Ent­scheid zur Wei­ter­ent­wick­lung der Eu­ro­zo­ne er­neut hin­aus­ge­scho­ben. Ei­ne Ei­ni­gung konn­te le­dig­lich in Be­zug auf ei­nen gro­ben Fahr­plan er­run­gen wer­den. Das nächs­te Tref­fen fin­det vor­aus­sicht­lich im Ju­ni 2013 statt.

Da­bei hat­te die zwei­te Wo­chen­hälf­te ver­heis­sungs­voll be­gon­nen: Am Mitt­woch wur­de ver­mel­det, dass der Schul­den­rück­kauf Grie­chen­lands zu­stan­de ge­kom­men ist. Ins­ge­samt sei­en An­lei­hen im No­mi­nal­wert von 31,7 Mrd. € zu­rück­ge­kauft wor­den – 1,7 Mrd. € mehr als ge­plant. Die Fi­nanz­mi­nis­ter der Eu­ro­zo­ne ha­ben dar­auf ei­ne mo­na­te­lan­ge Zit­ter­par­tie be­en­det und Grie­chen­land die drin­gend be­nö­tig­ten Kre­di­te des Eu­ro­Ret­tungs­schirms über 49,1 Mrd. € frei­ge­ge­ben.

Kon­junk­tur lässt hof­fen

Leit­in­di­zes tur­auf­schwung in der eu­ro­päi­schen Wirt­schaft zu re­den.

Die Ak­ti­en­märk­te re­agier­ten we­der eu­pho­risch noch ge­schockt – An­le­ger sind sich er­eig­nis­lo­se Gip­fel­tref­fen in­zwi­schen ge­wohnt. Der Eu­ro Sto­xx 50 gab seit Mitt­woch um 0,11% leicht nach, nach­dem er zum Wo­chen­start et­was Bo­den gut ge­macht hat­te. Der Eu­ro han­del­te am Frei­tag zum Dol­lar kaum ver­än­dert auf 1.3139 $/€.

We­nig er­freut re­agier­ten die An­lei­hen­märk­te zu­erst auf das all­fäl­li­ge Come­back Sil­vio Ber­lus­co­nis in Ita­li­en. Im Ver­lauf der Wo­che wur­den die Spe­ku­la­tio­nen als un­wahr­schein­lich ab­ge­tan und von ihm selbst re­la­ti­viert. So konn­te Ita­li­en wie ge­habt Staats­an­lei­hen zu tie­fen Zin­sen plat­zie­ren. Auf der Mitt­wochs­auk­ti­on ein­jäh­ri­ger Geld­markt­pa­pie­re (BOT) über 6,5 Mrd. € sank die Ren­di­te ge­gen­über der letz­ten Auk­ti­on um 31 Ba­sis­punk­te (Bp) auf 1,456%. Auch Staats­an­lei­hen mit drei­jäh­ri­ger Fäl­lig­keit ver­bil­lig­ten sich am Don­ners­tag um 14 Bp auf 2,5%.

In Spa­ni­en zeig­te sich ein ähn­li­ches Bild. Das Schatz­amt in Madrid mel­de­te die er­folg­rei­che Auk­ti­on ei­nes Lang­läu­fers mit Fäl­lig­keit im Ju­li 2040: 540 Mio. € wur­den zu 5,893% zu­ge­teilt. Auch die Ren­di­ten neu­er drei- und fünf­jäh­ri­ger Bo­nos san­ken auf 3,358% und 4,2%, nach 3,66% bzw. 4,68%.

US-Haus­halts­streit

In den USA strei­ten sich De­mo­kra­ten und Re­pu­bli­ka­ner wei­ter­hin um das Haus­halts­bud­get. Am Don­ners­tag tra­fen sich der re­pu­bli­ka­ni­sche Spre­cher des Re­prä­sen­tan­ten­hau­ses John Bo­eh­ner und Prä­si­dent Oba­ma zum drit­ten Mal. Die De­mo­kra­ten wol­len Bud­get­kür­zun­gen nur dis­ku­tie­ren, wenn auch hö­he­re Steu­ern für Rei­che ein­ge­führt wür­den – die Re­pu­bli­ka­ner se­hen das an­ders. Da­mit der Kol­li­si­ons­kurs mit der fis­ka­li­schen Klip­pe aber zu­min­dest halb­wegs ver­mie­den wer­den kann, muss bis Jah­res­en­de ein ers­ter Kom­pro­miss ge­fun­den wer­den. Die Ak­ti­en­märk­te re­agier­ten ent­täuscht: der S&P 500 ver­lor seit Mitt­woch 0,92%, der Dow Jo­nes sank 0,63%.

Er­freu­li­che Da­ten ka­men da­für aus dem ver­ar­bei­ten­den Sek­tor. Die US-In­dus­trie­pro­duk­ti­on stieg, ge­stützt von den Auf­bau­ar­bei­ten nach dem Wir­bel­sturm «San­dy», im No­vem­ber mit 1,1% so stark wie seit zwei Jah­ren nicht mehr.

Die Roh­stoff­märk­te pro­fi­tier­ten von er­freu­li­chen In­di­ka­to­ren aus den USA wie auch aus Chi­na. Dort lag der Ein­kaufs­ma­na­ger­index von HSBC und Mar­kit über den Er­war­tun­gen. Brent- und WTIRoh­öl no­tie­ren im Wo­chen­ver­gleich 2% und 0,3% hö­her.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.