Kurs auf 2000 $ pro Un­ze

GOLD Nach­fra­ge wächst 2013 mehr als An­ge­bot – Zen­tral­ban­ken als Preis­trei­ber

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - DA­NI­EL BRIE­SE­MANN

Der Gold­preis dürf­te 2013 sei­nen mitt­ler­wei­le seit zwölf Jah­ren an­dau­ern­den Auf­wärts­trend fort­set­zen. Der Ge­gen­wind, der die phy­si­sche Nach­fra­ge in die­sem Jahr zeit­wei­se be­las­tet hat, lässt nach. Zum ei­nen soll­ten sich die Gold­käu­fer in In­di­en all­mäh­lich an das hö­he­re Preis­ni­veau ge­wöhnt ha­ben, das sich als Fol­ge der Er­hö­hung der Steu­er auf Gold­im­por­te und der schwa­chen lo­ka­len Wäh­rung er­ge­ben hat­te. Zum an­de­ren dürf­te die Mons­un­sai­son nicht noch ein­mal so schlecht aus­fal­len, was sich po­si­tiv auf die Ent­wick­lung des Ein­kom­mens der Land­be­völ­ke­rung aus­wir­ken soll­te, die für den Gross­teil der Gold­nach­fra­ge in In­di­en ver­ant­wort­lich ist. Zu­dem rech­nen wir mit ei­ner kon­junk­tu­rel­len Be­le­bung in Chi­na. Das dürf­te zu ei­ner stär­ke­ren Gold­nach­fra­ge im Reich der Mit­te bei­tra­gen.

Im Um­feld nied­ri­ger oder gar ne­ga­ti­ver Re­al­zin­sen wird das In­ter­es­se an Gold auch un­ter In­ves­to­ren wei­ter­hin sehr hoch sein. Denn es zeich­net sich ab, dass die wich­tigs­ten Zen­tral­ban­ken 2013 zur Un­ter­stüt­zung der Kon­junk­tur und zur Sta­bi­li­sie­rung der Fi­nanz­märk­te an ih­rer ul­tra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik fest­hal­ten wer­den. Aus Angst vor dem Ver­lust der Kauf­kraft durch In­fla­ti­on und ei­nem Ab­wer­tungs­wett­lauf wer­den An­le­ger ver­stärkt Zuflucht in Gold als wert­sta­bi­le An­la­ge und al­ter­na­ti­ve Wäh­rung su­chen. Gold-ETF wer­den da­her Zuflüs­se ver­zeich­nen, die Ver­käu­fe von Mün­zen und Bar­ren dürf­ten wie­der an Dy­na­mik ge­win­nen. Die Zen­tral­ban­ken selbst wer­den 2013 das vier­te Jahr in Fol­ge als Net­to­käu­fer am Gold­markt auf­tre­ten. Denn der An­teil von Gold in den Wäh­rungs­re­ser­ven ist in den meis­ten Schwel­len­län­dern noch im­mer sehr ge­ring.

Die Mi­nen­pro­duk­ti­on als wich­tigs­ter Fak­tor auf der An­ge­bots­sei­te dürf­te zwar leicht zu­neh­men. Nen­nens­wer­ten Pro­duk­ti­ons­zu­wachs gibt es aber nur in Län­dern, in de­nen die Nach­fra­ge eben­falls stark steigt, ins­be­son­de­re in Chi­na und Russ­land. Das An­ge­bot aus die­sen Län­dern wird da­her kaum auf den Welt­markt ge­lan­gen. Die Mi­nen­pro­duk­ti­on in Süd­afri­ka, dem vor­mals gröss­ten Gold­pro­du­zen­ten, hat un­ter fal­len­dem Erz­ge­halt, Streiks und ei­ner stei­gen­den Kos­ten­ba­sis zu lei­den. Po­si­ti­ve Im­pul­se auf das An­ge­bot könn­ten vom Alt­gold aus­ge­hen, das knapp ein Drit­tel des Ge­samt­an­ge­bots aus­macht. Denn an­ge­sichts der ho­hen Prei­se steigt der An­reiz, Gold­schmuck und Gold­mün­zen zu ver­kau­fen. Das dürf­te den Preis­an­stieg brem­sen.

An­ge­sichts der nur ge­rin­gen Aus­wei­tung des An­ge­bots und der gros­sen Nach­fra­ge ist zu er­war­ten, dass der Gold­preis im kom­men­den Jahr die Mar­ke von 2000 $ je Fein­un­ze zu­min­dest vor­über­ge­hend über­stei­gen wird. Das könn­te mög­li­cher­wei­se schon im ers­ten Quar­tal der Fall sein, soll­te es den Po­li­ti­kern in den USA nicht ge­lin­gen, ei­ne trag­fä­hi­ge Lö­sung im Haus­halts­streit und bei der An­he­bung der Schul­den­ober­gren­ze zu fin­den. Die Ra­ting­agen­tu­ren ha­ben für die­sen Fall be­reits mit ei­ner Ab­stu­fung der Kre­dit­wür­dig­keit der USA ge­droht. Im Som­mer 2011 führ­te der Ver­lust der Best­no­te AAA zu ei­nem Preis­sprung bei Gold um 400 $ bin­nen zwei­er Mo­na­te.

Ringt sich Washington da­ge­gen zu ei­ner zu­frie­den­stel­len­den Lö­sung durch, dürf­te der Gold­preis lang­sa­mer stei­gen. Die wich­tigs­ten Preis­trei­ber sind die Zen­tral­ban­ken mit ih­rer ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik, die den Wert der Wäh­run­gen un­ter­mi­niert. Auch die Schul­den­kri­se in der Eu­ro­zo­ne und die geo­po­li­ti­schen Ri­si­ken im Na­hen Os­ten dürf­ten für ei­ne la­ten­te Nach­fra­ge nach Gold als si­che­rem Ha­fen sor­gen.

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