DAS BES­TE HAUS IN NÜCH­TER­NER UM­GE­BUNG

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STI­MU­LIERT Ame­ri­ka­ni­sche Ak­ti­en ha­ben sich im zu En­de ge­hen­den Jahr er­freu­lich ent­wi­ckelt. Das hat nicht zu­letzt mit der ul­tra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik der US-No­ten­bank zu tun. Sie hält die Schleu­sen weit of­fen und hat In­ves­to­ren zu­letzt mit dem Sti­mu­lie­rungs­pro­gramm QE3 zu mehr Ri­si­ko­ap­pe­tit er­mun­tert. Sechs Jah­re nach dem gros­sen Crash zeigt zu­dem der Im­mo­bi­li­en­sek­tor An­zei­chen ei­ner Be­le­bung. Die Häu­ser­prei­se ha­ben ei­nen Bo­den ge­fun­den, und die Bau­ak­ti­vi­tät nimmt wie­der leicht zu. Auch am Ar­beits­markt sieht es nicht mehr so düs­ter aus wie noch vor ei­nem Jahr. Mit Blick auf die trü­ben Kon­junk­tur­aus­sich­ten in Eu­ro­pa und die Wachs­tums­ver­lang­sa­mung in den Schwel­len­län­dern sind die USA das bes­te Haus in ei­nem freud­lo­sen Quar­tier.

Bis die US-Wirt­schaft den Rost aus der schwe­ren Re­zes­si­on ab­ge­schüt­telt hat, wird al­ler­dings noch ge­rau­me Zeit ver­ge­hen. Öko­no­men rech­nen da­mit, dass die Kon­junk­tur im kom­men­den Jahr nur 2,4% wach­sen wird, was un­ter dem his­to­ri­schen Durch­schnitt liegt. Zen­tral­bank­chef Ben Bernan­ke wird des­halb in der Of­fen­si­ve blei­ben und die Zin­sen auf nied­rigs­tem Ni­veau hal­ten. Die Si­tua­ti­on in Eu­ro­pa, aber auch in Asi­en ist wei­ter­hin an­ge­spannt und bremst da­durch die Wirt­schafts­er­ho­lung in den USA. Wei­te­re Un­si­cher­heits­fak­to­ren sind das po­li­ti­sche Patt in Washington und ideo­lo­gi­sche Gr­a­ben­kämp­fe um die stra­pa­zier­ten Staats­fi­nan­zen. AUF NUM­MER SI­CHER Vor die­sem Hin­ter­grund zah­len sich En­ga­ge­ments in ame­ri­ka­ni­schen Qua­li­täts­wer­ten aus. Ein Pa­ra­de­bei­spiel da­für sind Die über­durch­schnitt­lich ren­tie­ren­den Ti­tel sind in ei­nem un­si­che­ren Bör­sen­um­feld ein fes­ter An­ker für je­des Port­fo­lio. Für den Phar­ma­rie­sen spre­chen der ro­bus­te Cash­flow so­wie die grund­so­li­de Bi­lanz. Zu­dem hält er sich an ei­ne stren­ge Kos­ten­dis­zi­plin und hat im Herbst nach dem Ver­kauf des Nut­ri­ti­on-Ge­schäfts an Nest­lé ein Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramm von 10 Mrd. $ auf­ge­legt. Seit die Pa­tent­rech­te für den Um­satz­ren­ner Li­pi­tor aus­ge­lau­fen sind, nimmt zwar der Druck durch Nach­ah­mer­pro­duk­te im Markt für Cho­le­ste­rin­sen­ker zu. An der Bör­se ist das je­doch längst be­kannt. Um­so grös­ser ist das Auf­wärts­po­ten­zi­al für die Ti­tel, wenn der Durch­bruch mit neu­en Pro­duk­ten ge­lingt. Hoff­nungs­trä­ger in der For­schungs­pipe­line sind et­wa das Herz­me­di­ka­ment Eli­quis oder das Ar­thri­tisprä­pa­rat To­f­acit­i­nib.

Für In­ves­to­ren, die auf Num­mer si­cher ge­hen wol­len, sind eben­so ei­ne Über­le­gung wert. Der ame­ri­ka­ni­sche Tele­com­gi­gant ist we­nig ab­hän­gig von der glo­ba­len Kon­junk­tur­la­ge, denn gleich­gül­tig, ob in der Re­zes­si­on oder im Boom: Im heu­ti­gen Zeit­al­ter von In­ter­net und Mo­bil­funk wird im­mer und über­all kom­mu­ni­ziert. Ve­ri­zon pro­fi­tiert be­son­ders vom Sie­ges­zug in­ter­net­fä­hi­ger Han­dys. Sie bin­den die Kun­den en­ger an den Tele­com­an­bie­ter, stei­gern den Um­satz pro Abon­nen­ten und stär- ken da­mit die Er­trags­kraft. Die Mo­bil­funk­spar­te Ve­ri­zon Wi­re­less, ein Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men mit dem bri­ti­schen Wett­be­wer­ber Vo­da­fo­ne, wird da­her auch im neu­en Jahr ei­ne Cash­Ma­schi­ne sein und dem Kon­zern feu­da­le Di­vi­den­den­aus­schüt­tun­gen an die Ak­tio­nä­re er­mög­li­chen. Ein Vor­teil für Ve­ri­zon ist aus­ser­dem, dass Ri­va­len wie AT&T, Sprint Nex­tel oder T-Mo­bi­le der­zeit vor­ab mit sich selbst be­schäf­tigt sind. Mit dem TV- und In­ter­net­dienst Fios ringt der Tele­com­an­bie­ter im Fest­netz­ge­schäft der­weil den Ka­bel­an­bie­tern Kun­den ab. Ei­ne in­ter­es­san­te Spe­zi­al­si­tua­ti­on er­öff­net sich im Fall von

Das Schwer­ge­wicht aus der Kon­sum­gü­ter­bran­che ge­niesst ei­nen her­vor­ra­gen­den Ruf. In den letz­ten zwei Jah­ren ist es Kon­kur­ren­ten wie Uni­le­ver und Hen­kel je­doch hin­ter­her­ge­hinkt, was sich in der me­dio­kren Per­for­mance an der Bör­se spie­gelt. Ent­spre­chend gross ist der Druck auf Kon­zern­chef Bob McDo­nald, das Schiff wie­der in den Wind zu dre­hen. Ge­lingt es ihm, das Um­satz­po­ten­zi­al re­nom­mier­ter Pro­dukt­li­ni­en wie Al­ways, Braun, Gil­let­te, Du­ra­cell und Pam­pers an den glo­ba­len Ab­satz­märk­ten bes­ser zu ent­fal­ten, wird das den Ak­ti­en Proc­ter & Gam­ble Auf­trieb ver­lei­hen. Schei­tert er hin­ge­gen mit dem Tur­naround, wird ei­ne vom Hedge-Fund-Ma­gna­ten Bill Ack­man ge­führ­te Ak­tio­närs­grup­pe zum Fron­tal­an­griff über­ge­hen und da­für sor­gen, dass die Kon­zern­spit­ze neu be­setzt wird. Auch das bleibt nicht oh­ne Kurs­wir­kung. GM ZU­RÜCK AUF DEM HIGH­WAY hat die Kur­ve be­reits gut er­wischt. Ame­ri­kas gröss­ter Au­to­kon­zern hat den Kon­kurs ge­nutzt, um sei­ne Bi­lanz zu be­rei­ni­gen und die Be­triebs­kos­ten durch den Ab­bau von über­schüs­si­gen Ka­pa­zi­tä­ten und güns­ti­ge­re Ar­beits­ver­trä­ge zu sen­ken. Ent­schei­dend ist aber vor al­lem, dass der Tra­di­ti­ons­kon­zern aus De­troit sein Sor­ti­ment er­folg­reich auf­ge­frischt und den Fo­kus auf ei­nen ef­fi­zi­en­te­ren Sprit­ver­brauch ge­rich­tet hat. Zum Vor­teil ge­reicht ihm eben­so das Re­vi­val im ame­ri­ka­ni­schen Au­to­markt. Für 2012 wird in den USA mit rund 15 Mio. ver­kauf­ten Per­so­nen­wa­gen ge­rech­net, was dem höchs­ten Stand seit 2007 ent­spricht.

Das ho­he Durch­schnitts­al­ter der US-Fahr­zeug­flot­te hat ei­nen er­heb­li­chen Er­satz­be­darf zur Fol­ge, so­dass GM auch im kom­men­den Jahr ei­ne ro­bus­te Heim­nach­fra­ge be­vor­steht. We­ni­ger ro­sig sieht es für den Au­to­bau­er in Eu­ro­pa aus. Für In­ves­to­ren ge­hört das je­doch längst zum All­ge­mein­wis­sen und ist im Ak­ti­en­kurs be­rück­sich­tigt. Kommt GM mit der Re­struk­tu­rie­rung des Eu­ro­pa­ge­schäfts vor­an, könn­te das so­gar für ei­ne an­ge­neh­me Über­ra­schung an der Bör­se sor­gen. Das Glei­che gilt für ei­ne Ve­rän­de­rung im Ak­tio­na­ri­at, zu­mal die US-Re­gie­rung noch im­mer gut ein Vier­tel al­ler Ti­tel hält.

Was die Au­to­bran­che hin­ter sich hat, steht der ame­ri­ka­ni­schen Koh­le­indus­trie erst noch be­vor. Kaum ein an­de­rer Sek­tor hat im ver­gan­ge­nen Jahr schlech­ter ab­ge­schnit­ten. Die glo­ba­le Kon­junk­tur­ab­küh­lung und Sor­gen um stren­ge­re Emis­si­ons­auf­la­gen für Kraft­wer­ke ha­ben Ak­ti­en wie er­heb­lich zu­ge­setzt. Am schwers­ten mach­te der Bran­che je­doch das Über­an­ge­bot an Erd­gas zu schaf­fen, das den Kos­ten­vor­teil von Koh­le zur Strom­pro­duk­ti­on ero­diert hat. Viel schlim­mer kann es al­so kaum noch kom­men, was die Va­lo­ren für sport­li­che In­ves­to­ren mit über­durch­schnitt­li­cher Ri­si­ko­fä­hig­keit reiz­voll macht. Das nicht zu­letzt auch des­halb, weil die meis­ten Ener­gie­kon­zer­ne die Gas­för­de­rung nun dros­seln und sich der Gas­preis zu­min­dest sta­bi­li­siert hat. Gut mög­lich ist fer­ner, dass es in der US-Koh­le­indus­trie bald zu ei­ner grös­se­ren Markt­be­rei­ni­gung kommt. Auf dem de­pri­mier­ten Kurs­ni­veau sind Al­pha Na­tu­ral da­mit ei­ne leich­te Beu­te für Über­nah­men – ge­ra­de auch für Ak­teu­re aus dem Pri­va­te-Equi­ty-Seg­ment.

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