REALERTRAG NUR BEI HÖ­HE­REM RI­SI­KO

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REN­DI­TE VER­ZWEI­FELT GE­SUCHT Die Ren­di­ten sind im Kel­ler, und das wird in den nächs­ten zwölf Mo­na­ten nicht grund­le­gend an­ders wer­den. 2013 bleibt ein Tief­zins­jahr, die Su­che nach ei­ner «Oa­se in der Ren­di­te­wüs­te», wie es die Roy­al Bank of Scot­land be­zeich­net, geht wei­ter. Man stel­le sich vor: Die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Schwei­zer Staats­an­lei­hen ist in ei­nem Um­feld grös­se­rer Un­si­cher­heit und hö­he­rer Ri­si­ko­aver­si­on bis auf 0,4% ge­sun­ken; der jüngs­te dreis­sig­jäh­ri­ge «Eid­ge­nos­se» er­ziel­te nicht ein­mal mehr 1%. Wie soll ei­ne Pen­si­ons­kas­se un­ter sol­chen Be­din­gun­gen den für 2013 un­ver­än­dert auf 1,5% fest­ge­setz­ten Min­dest­zins er­wirt­schaf­ten? Den­noch tref­fen «Eid­ge­nos­sen» nach wie vor auf ho­he Nach­fra­ge – bei ten­den­zi­ell schrump­fen­dem An­ge­bot. Der Fi­nanz­be­darf des Bun­des ist auch im neu­en Jahr ge­ring. Ge­ra­de noch 600 Mio. Fr. will die Tre­so­re­rie net­to auf­neh­men, 2012 hat sie die Schul­den um 800 Mio. Fr. ab­ge­baut.

Aus­ser­halb der Schweiz, im Kern der Eu­ro­zo­ne und in den USA, sieht es kaum an­ders aus. Das Di­lem­ma der An­le­ger bringt Al­li­anz Glo­bal In­ves­tors bei der Vor­stel­lung der dies­jäh­ri­gen In­ves­to­ren­be­fra­gung (Ris­kMo­ni­tor) auf den Punkt: Ein En­ga­ge­ment in eu­ro­päi­schen Staats­an­lei­hen äh­ne­le im­mer mehr ei­nem So­li­dar­bei­trag zur Sys­tem­sta­bi­li­sie­rung denn der Er­schlies­sung ei­ner Er­trags­quel­le. An­ge­sichts der Im­pli­ka­tio­nen der fi­nan­zi­el­len Re­pres­si­on müss­ten Sub­sti­tu­te ge­sucht wer­den. Da­zu bie­ten sich Spre­ad-Pro­duk­te an, Un­ter­neh­mens-, Hoch­zins- und Schwel­len­län­der­bonds so­wie al­ter­na­ti­ve An­la­ge­klas­sen.

Die gibt es aber nicht um­sonst. Vor al­lem das ei­ge­ne An­la­ge­ver­hal­ten muss über­dacht wer­den. Ei­ne ei­ni­ger­mas­sen zu­frie­den­stel­len­de Ren­di­te lässt sich nicht ein­fah­ren, oh­ne die Ri­si­ko­be­reit­schaft zu er­hö­hen. «Ei­ne stär­ke­re Al­lo­ka­ti­on in ri­si­ko­be­haf­te­ten An­la­gen» ist für Al­li­anz- In­vest­ment­stra­te­ge Rein­hold Haf­ner nö­tig. Das se­hen Ex­per­ten von Amun­di, Avi­va, Bant­le­on, De­xia, Dynapartners, Ju­li­us Bär, Legg Ma­son, UBS und an­de­ren Ver­mö­gens­ver­wal­tern ähn­lich. Al­so raus aus Staats­an­lei­hen – und statt­des­sen wo in­ves­tie­ren? In Un­ter­neh­mens­an­lei­hen, lau­tet die meist­ge­nann­te Al­ter­na­ti­ve, vor Pfand­brie­fen, In­fra­struk­tur, Di­vi­den­den­ak­ti­en und Pri­va­te Equi­ty.

Die Nach­fra­ge nach Al­ter­na­ti­ven zu Staats­an­lei­hen nimmt wei­ter stark zu. So über­rascht es nicht, dass sich auch die Ren­di­ten glo­ba­ler High-Yield-An­lei­hen auf his­to­ri­schen Tiefs be­we­gen. Da­bei sind die Spreads noch er­träg­lich und lie­gen nur knapp un­ter dem lang­jäh­ri­gen Durch­schnitt. Das ist Grund ge­nug für die Cre­dit Suis­se und an­de­re In­sti­tu­te, an­ge­sichts be­schei­de­ner Wachs­tums- und In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen so­wie ge­rin­ge­rer Ex­trem­ri­si­ken und kaum hö­he­rer Aus­fall­ra­ten im Glo­balHigh-Yield-Be­reich über­ge­wich­tet zu blei­ben.

2012 war ein Re­kord­jahr für Un­ter­neh­mens­an­lei­hen, da sie als si­che­rer gal­ten als et­wa Bonds von Staa­ten der Eu­ro­pe­ri­phe­rie. Klei­ne und gros­se Schuld­ner, teils oh­ne Bo­ni­täts­ra­ting, aber mit be­kann­tem Na­men – Au­to­ne­um, BMW, Cam­pa­ri, Deut­sche Post, EDP, Fi­at, Te­le­fó­ni­ca, Vi­ven­di und, und, und – nut­zen die Gunst der nied­ri­gen Zin­sen zur Re­fi­nan­zie­rung. Ob die In­ves­to­ren­nach­fra­ge mit dem üp­pi­gen An­ge­bot auch nächs­tes Jahr Schritt hält, dar­über ge­hen die Mei­nun­gen aus­ein­an­der. Die ei­nen war­nen vor ei­ner Be­wer­tungs­bla­se in den nächs­ten sechs bis zwölf Mo­na­ten, an­de­re wie UBS, Mor­gan St­an­ley und Dynapartners se­hen in Cor­po­ra­tes auf­grund der fort­dau­ern­den Nied­rig­zin­sen noch at­trak­ti­ve Ren­di­te­auf­schlä­ge und Kur­s­po­ten­zi­al und ra­ten zur Über­ge­wich­tung.

MAN­FRED KRÖLLER

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