DIE SPREU TRENNT SICH VOM WEI­ZEN

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DIE WELT SCHAUT AUF CHI­NA Die Fra­ge, wie sich die chi­ne­si­sche Wirt­schaft wei­ter­ent­wi­ckelt, be­stimmt welt­weit die Ver­mö­gen­s­prei­se. Das gilt nicht nur für Roh­stof­fe, son­dern auch für Ak­ti­en von Un­ter­neh­men aus Bran­chen, die be­son­ders stark von Chi­nas In­ves­ti­ti­ons­kraft ab­hän­gig sind. Da die dor­ti­ge Kon­junk­tur Schwä­chen zeigt und die Aus­sich­ten un­si­cher sind, po­si­tio­nie­ren sich An­le­ger ent­spre­chend. Folg­lich sind de­fen­si­ve Ti­tel, de­ren Be­wer­tung nur ge­ring­fü­gig von Chi­na ab­hängt, sehr teu­er. Zy­kli­ker wer­den hin­ge­gen ge­mie­den – das gilt auch für Schwel­len­län­der­ak­ti­en.

Das Mus­ter lässt sich auch in der Be­wer­tung und der Per­for­mance der Län­der­indi­zes er­ken­nen: Die Bör­sen­ba­ro­me­ter in Me­xi­ko, Thai­land und Ma­lay­sia ha­ben sich lang­sam, aber ste­tig nach oben ge­ar­bei­tet, doch auch die Be­wer­tun­gen ha­ben ein statt­li­ches Ni­veau er­reicht. Im Ge­gen­satz da­zu sind Märk­te wie Bra­si­li­en und Russ­land äus­serst güns­tig be­wer­tet; sie sind von Un­ter­neh­men do­mi­niert, de­ren Ge­winn viel stär­ker dem Gang der Welt­wirt­schaft aus­ge­setzt ist.

2012 war für die Emer­ging Mar­kets kein ein­fa­ches Jahr. We­gen der Re­zes­si­on in Eu­ro­pa brach ein wich­ti­ger Teil der Ex­port­nach­fra­ge weg, der we­der von den USA noch von den Schwel­len­län­dern selbst kom­pen­siert wur­de, da die Kon­junk­tur­schwä­che al­le Staa­ten und Re­gio­nen er­fass­te. Das Wirt­schafts­wachs­tum ver­lang­sam­te sich 2012 auf die nied­rigs­te Ge­schwin­dig­keit seit 2009, wor­auf die Zen­tral­ban­ken mit der Sen­kung der Leit­zin­sen re­agier­ten. Sie ver­füg­ten über ge­nü­gend Spiel­raum: An­ders als die No­ten­ban­ken in den In­dus­trie­län­dern hat­ten sie in der Jah­ren der Er­ho­lung die Leit­zin­sen er­höht. Die Kre­di­te wach­sen nun wie­der, es zei­gen sich ei­ni­ge «grü­ne Spros­sen». Die gros­se Un­si­cher­heit bleibt das Wachs­tums­tem­po Chi­nas.

In der Volks­re­pu­blik ist Chi­na Mo­bi­le we­ni­ger ab­hän­gig von den vo­la­ti­len An­la­ge­inves­ti­tio­nen der In­dus­trie als von den ste­tig wach­sen­den Kon­sum­aus­ga­ben der Mit­tel­schicht. Zwar sinkt die Mar­ge des welt­gröss­ten Mo­bil­funk­an­bie­ters mit fast 700 Mio. Ver­trä­gen, doch als staat­lich do­mi­nier­te Ge­sell­schaft pro­fi­tiert er wei­ter­hin von ei­ner ge­schütz­ten Stel­lung. Der chi­ne­si­sche Ak­ti­en­markt war die letz­ten Jah­re in ei­ner de­pres­si­ven Stim­mung. Falls sie an­hal­ten soll­te, ver­kürzt Chi­na Mo­bi­le zu­min­dest die War­te­zeit auf Kurs­ge­win­ne mit ei­ner net­ten Di­vi­den­den­ren­di­te von 3,75%.

Wie schon im ver­gan­ge­nen Jahr zeigt sich Sber­bank als ei­ne güns­ti­ge Ge­le­gen­heit, in den wach­sen­den Wohl­stand Russ­lands zu in­ves­tie­ren. Das er­war­te­te Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 5,65 bie­tet ei­nen Be­wer­tungs­puf­fer nach un­ten für ne­ga­ti­ve Über­ra­schun­gen. Ei­ne kon­ser­va­ti­ve Kre­dit­ver­ga­be, ei­ne do­mi­nan­te Stel­lung im Wett­be­werb und ei­ne be­re­chen­ba­re Un­ter­neh­mens­füh­rung ma­chen das Geld­in­sti­tut zu ei­nem Vor­zei­ge­un­ter­neh­men in Russ­land.

Der Kon­sum­sek­tor soll ei­ne gros­se Rol­le für Mit­tel- und Süd­ame­ri­ka spie­len. Süd­lich der US-Gren­ze bie­tet Wal-Mart de Méxi­co, der Ab­le­ger des gi­gan­ti­schen US-Kon­zerns, ei­ne Chan­ce auf Ge­win­ne. Un­at­trak­tiv, aber ty­pisch für Me­xi­ko ist das re­la­tiv ho­he KGV von 30. Un­si­cher­heit bringt auch ein lau­fen­des Kor­rup­ti­ons­ver­fah­ren, das noch nicht aus­ge­stan­den ist. Doch die Ge­sell­schaft wird den Ge­winn die­ses und nächs­tes Jahr wohl um 12% stei­gern, die Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te liegt auf ei­nem sehr ho­hen Ni­veau von 18%.

Hoch be­wer­tet ist auch der füh­ren­de thai­län­di­sche Cash & Car­ry Si­am Ma­kro mit ei­nem KGV von 33. Doch das Un­ter­neh­men konn­te die­ses Jahr den Ge­winn pro Ak­tie um 36% stei­gern, die Di­vi­den­den­ren­di­te liegt bei 3%. Auch wenn die bis­he­ri­gen Wachs­tums­ra­ten wohl nicht ge­hal­ten wer­den kön­nen: Die Ge­sell­schaft mit ih­rer ho­hen Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te von 34% will wei­ter ag­gres­siv ex­pan­die­ren.

Süd­afri­ka be­kam durch po­li­ti­sche Kon­flik­te und Streiks in der Mi­nen­in­dus­trie ei­ne schlech­te Pres­se, doch das Wachs­tum ist in­takt. Aspen Phar­ma­ca­re zählt zu den am bes­ten ge­führ­ten Me­di­zi­nal­un­ter­neh­men der Schwel­len­län­der. Sie ist auf Ge­ne­ri­ka spe­zia­li­siert und ver­treibt ih­re Pro­duk­te in ganz Afri­ka süd­lich der Sa­ha­ra, in der Re­gi­on Asi­en-Pa­zi­fik ein­schliess­lich Aus­tra­li­ens und in Latein­ame­ri­ka. Die Ge­winn­mar­ge be­trägt 31%, die­ses Fi­nanz­jahr konn­te das Un­ter­neh­men den Um­satz um mehr als 20% aus­wei­ten. Der ho­he Cash­flow wird wei­ter zur Ex­pan­si­on bei­tra­gen.

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