GOLD UND PAL­LA­DI­UM VOR­ZIE­HEN

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HO­HE VO­LA­TI­LI­TÄT An den Roh­stoff­märk­ten war das Jahr 2012 tur­bu­lent. Sie folg­ten – wie die Ak­ti­en­bör­sen – dem von Ta­ges­ak­tua­li­tä­ten ge­trie­be­nen Risk on und Risk off der An­le­ger; die Preis­aus­schlä­ge ( Vo­la­ti­li­tät) wa­ren hoch. Da­zu kam der Ein­fluss fun­da­men­ta­ler Fak­to­ren: Die Dür­re in den USA liess die No­tie­run­gen von Wei­zen und So­ja im Som­mer auf ein Re­kord­ni­veau klet­tern, der Roh­öl­preis wur­de von den po­li­ti­schen Un­ru­hen im Na­hen Os­ten und der schwa­chen Welt­wirt­schaft hin- und her­ge­zerrt, und In­dus­trie­me­tal­le lit­ten un­ter dem flau­en Wirt­schafts­wachs­tum in Chi­na.

Auch die Edel­me­tal­le zeig­ten ein Auf und Ab. Gold und Sil­ber spie­gel­ten die Er­war­tun­gen in Be­zug auf die Geld­po­li­tik der No­ten­ban­ken und die Eu­ro­kri­se. Die kon­junk­tur­sen­si­ti­ven Me­tal­le Pla­tin und Pal­la­di­um bil­de­ten die Aus­sich­ten der Au­to­mo­bil­in­dus­trie ab und wur­den von blu­ti­gen Streiks in den Pla­tin­mi­nen Süd­afri­kas ge­prägt.

Im kom­men­den Jahr dürf­te wei­ter­hin für Un­ru­he ge­sorgt sein. Die Ana­lys­ten ge­ben sich zu­meist po­si­tiv und er­war­ten ei­ne Lö­sung der Bud­get­dis­kus­si­on in den USA so­wie wei­te­re Be­mü­hun­gen für den Zu­sam­men­halt der Eu­ro­zo­ne, und sie freu­en sich über die Wirt­schafts­er­ho­lung in Chi­na. Das wä­ren für al­le zy­kli­schen Roh­wa­ren gu­te Neu­ig­kei­ten, für Gold und Sil­ber schlech­te. Der Kon­sens lau­tet denn auch, dass Gold 2013 noch steigt – die Wirt­schafts­er­ho­lung braucht Zeit –, ab 2014 je­doch deut­lich fällt. Dann soll­ten die rea­len Zin­sen lang­sam in den po­si­ti­ven Be­reich zu­rück­keh­ren.

Über die­sen Ein­schät­zun­gen lie­gen je­doch vie­le Fra­ge­zei­chen: Kön­nen die USA die Ver­schul­dung in den Griff be­kom­men und die ex­zes­si­ve Geld­men­ge recht­zei­tig ab­schöp­fen? Wie schnell wächst die Welt­wirt­schaft? Wie ent­wi­ckelt sich die La­ge im Na­hen Os­ten? Die Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen wer­den das Zins­ni­veau be­stim­men, zu­dem muss der In­ves­tor ei­ne de­zi­dier­te Mei­nung zum Dol­lar­kurs ha­ben. Nicht nur Gold, son­dern sämt­li­che in Dol­lar ge­han­del­ten Roh­wa­ren re­agie­ren sen­si­bel auf die Wert­ent­wick­lung des Gre­en­backs.

UBS sieht in den nächs­ten drei Mo­na­ten Preis­stei­ge­run­gen in Pla­tin, Gold und Mais und für zwölf Mo­na­te in Pal­la­di­um, Zu­cker und Kaf­fee. Sin­ken wür­den Roh­öl und Erd­gas so­wie So­ja­boh­nen, Wei­zen, Mais und Baum­wol­le. Ju­li­us Bär ist für ei­nen An­la­ge­ho­ri­zont von drei Mo­na­ten bul­lish für Pal­la­di­um und be­a­rish für Roh­öl, nimmt sonst je­doch ei­ne vor­sich­tig neu­tra­le Hal­tung ein. Die Roh­stoff­ex­per­ten von Bar­clays er­war­ten, dass sich Gold, Roh­öl und Pal­la­di­um ver­teu­ern. In Alu­mi­ni­um und Baum­wol­le se­hen sie Preis­sen­kun­gen.

Ins­ge­samt wer­den den Edel­me­tal­len für 2013 die gröss­ten Avan­cen zu­ge­traut, dem Ener­gie­sek­tor die ge­rings­ten. Der Aus­blick für In­dus­trie­me­tal­le ist po­si­tiv und ba­siert vor al­lem auf der sich ab­zeich­nen­den Wirt­schafts­er­ho­lung Chi­nas, die Pro­gno­sen für Agrar­pro­duk­te sind ge­mischt. Für Roh­öl steht die Ein­schät­zung von Bar­clays quer zum Kon­sens und ist den­noch über­zeu­gend: Durch­schnitt­lich 125 $ soll ein Fass der eu­ro­päi­schen Sor­te Brent kos­ten, rund 20 $ mehr als zur­zeit. Grün­de da­für sei­en die kräf­ti­ge Nach­fra­ge der Schwel­len­län­der, der Man­gel an Re­ser­veka­pa­zi­tät und das be­schränk­te An­ge­bot aus­ser­halb des Öl­kar­tells Opec.

In der kur­zen Frist soll­ten ver­sier­te, ri­si­ko­freu­di­ge In­ves­to­ren die ho­he Vo­la­ti­li­tät der Roh­stoff­prei­se nut­zen. Wer ei­nen län­ger­fris­ti­gen An­la­ge­ho­ri­zont hat, braucht ei­ne kla­re Ein­schät­zung und Ge­duld.

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