Die UBS steht vor der Ei­ni­gung im Zins­ma­ni­pu­la­ti­ons­skan­dal

SCHWEIZ Li­bor-ver­gleich für bis zu 1,5 Mrd. $ er­war­tet – Rei­ne­ma­chen vor dem Jah­res­ab­schluss hat Vor­tei­le – Af­fä­re ist mit ei­ner Bus­se aber noch nicht be­wäl­tigt

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - JAN BAU­MANN

Ob ei­ne hal­be Mil­li­ar­de – das Dop­pel­te – oder das Drei­fa­che. Kost­spie­lig wird die Bus­se al­le­mal, die die UBS für ih­re Li­borVer­feh­lun­gen zah­len muss. Die­sen Mitt­woch prä­sen­tie­ren die Auf­sichts­be­hör­den in den USA, Gross­bri­tan­ni­en und der Schweiz end­lich die Rech­nung, heisst es aus gut un­ter­rich­te­ter Qu­el­le. Das kommt ge­ra­de noch recht­zei­tig. Denn so kann die Schwei­zer Gross­bank die Kos­ten für das gros­se Rei­ne­ma­chen im Zins­ma­ni­pu­la­ti­ons­skan­dal noch im Schluss­quar­tal 2012 ab­bu­chen.

Das Re­sul­tat wird oh­ne­dies von Son­der­fak­to­ren be­las­tet sein. Des­halb kommt es auf den zu­sätz­li­chen Li­bor-Ablass nicht so ex­trem an. Fi­nanz­ana­lys­ten und An­le­ger in­ter­es­sie­ren sich oh­ne­dies viel mehr für die Ge­winn­aus­sich­ten für das nächs­te und das über­nächs­te Jahr.

Kü­bel lee­ren ist an­ge­sagt

Schon als die UBS über das drit­te Quar­tal be­rich­te­te und ih­re jüngs­ten Plä­ne für die stra­te­gi­sche Neu­aus­rich­tung vor­leg­te, war klar: Un­ter dem Strich schaut für die drei Mo­na­te von Sep­tem­ber bis De­zem­ber we­nig Ge­winn her­aus.

Da sind ers­tens die von der Bank an­ge­kün­dig­ten Re­struk­tu­rie­rungs­kos­ten von un­ge­fähr 500 Mio. Fr. Zwei­tens fällt im ge­gen­wär­ti­gen Um­feld die Neu­be­wer­tung ei­ge­ner Schul­den wie­der ne­ga­tiv ins Ge­wicht. Wie im­mer, wenn das Aus­fall­ri­si­ko der UBS-Ver­pflich­tun­gen markt­be­dingt ab­nimmt, be­las­tet das spür­bar die Er­folgs­rech­nung der Bank. Das sind die Tü­cken der Bi­lan­zie­rung auf Ba­sis des je­wei­li­gen Markt­werts.

Drit­tens hat die Bank zwar für Rechts­fäl­le knapp 900 Mio. Fr. zu­rück­ge­stellt – fast dop­pelt so viel wie noch zu Jah­res­be­ginn (482 Mio. Fr.). Doch das reicht bei wei­tem nicht. Denn der Li­bor-Skan­dal ist kei­nes­falls die ein­zi­ge ju­ris­ti­sche Strei­tig­keit, mit der sich die UBS her­um­schlägt.

UBS N Die Rück­stel­lun­gen de­cken so­mit le­dig­lich ei­nen Teil der nun an­ste­hen­den Straf­zah­lung. Der Rest ist aus dem lau­fen­den Er­trag zu be­glei­chen.

Al­les in al­lem kann die UBS des­halb höchs­tens noch schwar­ze Zah­len fürs Schluss­quar­tal zei­gen, wenn man die drei ge­nann­ten Son­der­fak­to­ren wie­der her­aus­rech­net. Ge­nau das tun die Ana­lys­ten, um sich ein Bild von der lang­fris­ti­gen Er­trags­kraft der Bank zu ma­chen. De­ren ak­tu­el­le Pro­gno­se lau­tet im Durch­schnitt ge­mäss Bloom­berg auf – be­rei­nigt – 30 Rp. Ge­winn je Ak­tie im vier­ten Quar­tal nach 41 Rp. per En­de Sep­tem­ber 2012. Kom­men­des Jahr wer­den dann je Drei­mo­nats­ab­schnitt et­was über 30 Rp. er­war­tet, was die Ge­winn­schät­zung für das Ge­samt­jahr 2013 auf 1.10 Fr. pro Ti­tel lan­den lässt.

Bör­se nimmt es ge­las­sen

So­lan­ge sich an die­sen Aus­sich­ten nichts än­dert, wird auch der Kurs der UBS-Ak­ti­en in den nächs­ten Ta­gen in er­träg­li­chen Gren­zen schwan­ken. Am Di­ens­tag wech­sel­ten die Va­lo­ren zu­letzt für 15.28 Fr. pro Stück die Hand. Der er­war­te­te Ge­winn für das nächs­te Jahr war im Kurs vier­zehn Mal ent­hal­ten. Und mit Blick auf das ge­schätz­te Er­geb­nis von 2014 (1.35 Fr. je Ak­tie) er­gibt sich ein Kurs-Ge­win­nVer­hält­nis von 11. Das ist ei­ne statt­li­che Be­wer­tung, die im­mer­hin durch die lang­fris­tig güns­ti­ge Ent­wick­lung des Buch­werts pro Ak­tie un­ter­stützt wird.

Über­ra­schun­gen kün­di­gen sich be­kann­ter­mas­sen nicht an. Dar­um sind al­le Mut­mas­sun­gen über die Bör­sen­re­ak­ti­on auf den an­ge­streb­ten Li­bor-Ver­gleich mit Vor­sicht zu ge­nies­sen. Un­ge­wiss blieb bis Di­ens­tag et­wa, ob die Ja­pan­toch­ter des Kon­zerns von den Be­hör­den zu ei­nem Schuld­ein­ge­ständ­nis ge­zwun­gen wird. Klar ist le­dig­lich, dass ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter der lo­ka­len Ein­heit vor Jah­ren nach­weis­lich die Re­fe­renz­zins­an­ga­ben ver­fälsch­ten, um ei­nen Pro­fit dar­aus zu schla­gen. Pi­kan­tes De­tail: Der Chef von UBS Se­cu­ri­ties Ja­pan war da­mals Mark Bran­son, heu­te in pro­mi­nen­ter Stel­lung für die Schwei­zer Fi­nanz­markt­auf­sicht Fin­ma tä­tig (vgl. Text­kas­ten un­ten).

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