Al­piq-ver­wal­tungs­rat muss Wei­chen stel­len

SCHWEIZ Mil­li­ar­den-ab­schrei­ber be­las­tet auch Ro­man­de Ener­gie

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ/ENERGIE - CLAU­DIA CARL UND MAR­TIN GOLLMER

Al­piq N Der Ener­gie­kon­zern Al­piq gab zu­letzt im Wo­chen­takt Ver­käu­fe für den Ab­bau von Schul­den be­kannt, dar­un­ter auch ein Ak­ti­en­pa­ket am Ver­sor­ger Ro­man­de Ener­gie. Am ver­gan­ge­nen Frei­tag in­for­mier­te das Un­ter­neh­men zu­dem über das Aus­mass der für 2012 an­ste­hen­den Wert­be­rich­ti­gung. Al­piq wird vor­aus­sicht­lich rund 1,4 Mrd. Fr. ab­schrei­ben und rech­net für das bald en­den­de Ge­schäfts­jahr mit ei­nem «deut­li­chen Ver­lust». Der Ver­wal­tungs­rat muss nun ei­ne wich­ti­ge Fra­ge klä­ren: Kommt ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung und wenn ja, wie hoch fällt sie aus?

Die In­ter­es­sen im Ver­wal­tungs­rat, der vor al­lem re­gio­na­le Ver­sor­ger und die öf­fent­li­che Hand so­wie den fran­zö­si­schen Ener­gie­rie­sen EDF re­prä­sen­tiert, ge­hen of­fen­bar aus­ein­an­der. Dies wür­de er­klä­ren, war­um ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung seit Mo­na­ten ge­prüft wird. Ge­mäss Kre­dit­ana­lys­ten müss­te Al­piq für ei­ne we­sent­li­che Ver­bes­se­rung der Kre­dit­kenn­zah­len bis zu 1 Mrd. Fr. auf­neh­men. Hält ein Tau­zie­hen um ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung an, könn­te die Ge­sell­schaft Scha­den neh­men.

Di­vi­den­de trotz Ver­lust?

Mit der Ver­öf­fent­li­chung der Jah­res­zah­len am 1. März soll­te auch die Di­vi­den­den­fra­ge ge­klärt sein. Im Ver­lust­jahr 2011 hat­te Al­piq 2 Fr. je Ak­tie aus Ka­pi­tal­ein­la­ge­re­ser­ven ge­zahlt, mit der Be­grün­dung, ei­nen ope­ra­ti­ven Ge­winn (be­rei­nigt um Son­der­ef­fek­te) er­zielt zu ha­ben. Über den Weg der Ka­pi­tal­ein­la­ge­re­ser­ven stün­de Al­piq noch mehr als 1 Mrd. Fr. für Aus­schüt­tun­gen zur Ver­fü­gung. Nach der Lo­gik des Vor­jahrs wür­de es auch für 2012 ei­ne Di­vi­den­de ge­ben.

Weil der Pro­duk­ti­ons­park deut­lich an Wert ver­lo­ren hat­te, muss­te Al­piq be­reits im ab­ge­lau­fe­nen Ge­schäfts­jahr 1,7 Mrd. Fr. ab­schrei­ben. Dies mün­de­te in ei­nen Ver­lust von 1,3 Mrd. Fr. oder 48.73 Fr. je Ak­tie. Für 2012 senkt «Fi­nanz und Wirt­schaft» die Schät­zung von 3.50 Fr. Ge­winn auf 41 Fr. Ver­lust je Va­lor. Für 2013 wer­den 8 statt 10 Fr. Über­schuss je Ti­tel er­war­tet.

Auch die Ge­winn­schät­zun­gen für Ro­man­de Ener­gie müs­sen den neu­en Ver­hält­nis­sen an­ge­passt wer­den. Die Wert­be­rich­ti­gun­gen bei Al­piq füh­ren via die EOS Hol­ding, an der die West­schwei- zer Ener­gie­grup­pe mit 28,7% be­tei­ligt ist und die 31,4% an Al­piq hält, zu ei­ner Wert­min­de­rung die­ser Be­tei­li­gung. Das be­las­tet ge­mäss An­ga­ben von Fi­nanz­chef De­nis Mat­t­hey die Jah­res­rech­nung von Ro­man­de Ener­gie mit 125 Mio. Fr. Un­ter dem Strich könn­te dar­aus ein Ver­lust für das Ge­schäfts­jahr 2012 von 40 Mio. Fr. re­sul­tie­ren – «un­ter der Hy­po­the­se, dass die Er­geb­nis­se für das zwei­te Se­mes­ter 2012 de­nen der ers­ten Jah­res­hälf­te deut­lich glei­chen wür­den», wie Mat­t­hey be­tont. An­de­re Fak­to­ren, die das Jah­res­re­sul­tat si­gni­fi­kant po­si­tiv oder ne­ga­tiv be­ein­flus­sen könn­ten, hat der West­schwei­zer Ver­sor­ger in­des­sen nicht kom­mu­ni­ziert. In den ers­ten sechs Mo­na­ten 2012 wies Ro­man­de Ener­gie ei­nen ge­gen­über dem Vor­jahr fast sta­bi­len Ge­winn von 44 Mio. Fr. aus. Der Um­satz zwi­schen Ja­nu­ar und Ju­li lag mit 289 Mio. Fr. 1,3% tie­fer als in der Ver­gleichs­pe­ri­ode 2011.

Bis­her ging «Fi­nanz und Wirt­schaft» für Ro­man­de Ener­gie von ei­nem Jah­res­ge­winn pro Ak­tie für 2012 von 70 Fr. und für 2013 von 75 Fr. aus. Die­se Schät­zun­gen wer­den jetzt im Lich­te der neu­en Ge­ge­ben­hei­ten für 2012 auf ei­nen Ver­lust von 35 Fr. je Va­lor und für 2013 auf ei­nen Über­schuss von 50 Fr. kor­ri­giert.

Bleibt noch die Fra­ge, was mit der Di­vi­den­de pas­siert, die für 2011 ge­nau 25 Fr. be­trug. Mat­t­hey ver­weist auf die Po­li­tik sei­nes Un­ter­neh­mens, die dar­in be­ste­he, ähn­lich wie an­de­re Schwei­zer Ver­sor­ger rund 30% des Ge­winns an die Ak­tio­nä­re aus­zu­schüt­ten – da­bei je­doch «ei­ne haus­sie­ren­de Sta­bi­li­tät be­vor­zu­gend». Das wich­ti­ge Stich­wort ist hier wahr­schein­lich «Sta­bi­li­tät»; für ei­ne Er­hö­hung der Di­vi­den­de dürf­te es an­ge­sichts des er­war­te­ten er­neu­ten Ver­lusts da­ge­gen nicht rei­chen.

Po­li­tik mischt sich ein

Vor Ro­man­de Ener­gie hat Al­piq auch schon den Aus­stieg aus dem Bünd­ner Ener­gie­kon­zern Re­power be­kannt­ge­ge­ben und will ih­ren An­teil an die Co-Ak­tio­nä­re Ax­po und Kan­ton Grau­bün­den ver­kau­fen. Letz­te­rer er­hält da­durch zu­min­dest tem­po­rär ei­ne Mehr­heit an dem Un­ter­neh­men aus Po­s­chia­vo. Das hat jetzt die Po­li­tik auf den Plan ge­ru­fen. Die frei­sin­ni­ge Par­tei (FDP) for­der­te in ei­ner Me­di­en­mit­tei­lung die Kan­tons­re­gie­rung auf, auf ei­ne Mehr­heit zu ver­zich­ten und ih­re län­ger­fris­ti­gen stra­te­gi­schen Ab­sich­ten be­kannt­zu­ge­ben.

Die Rah­men­be­din­gun­gen für die Ver­sor­ger­bran­che sind schwie­rig. Kon­ven­tio­nel­le Pro­duk­ti­ons­parks in Eu­ro­pa lei­den un­ter Über­ka­pa­zi­tä­ten, im Gross­han­del sind die Prei­se we­gen der zu­neh­men­den Ein­spei­sung von sub­ven­tio­nier­ter So­larund Wind­kraft ein­ge­bro­chen. Al­piq hat aus der Grün­dung im Jahr 2009 ei­ni­ge zu­sätz­li­che Hür­den zu meis­tern (vgl. FuW Nr. 97 vom 8. De­zem­ber). Ge­gen­wär­tig sind Ver­sor­ger­ak­ti­en nicht zu emp­feh­len.

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