Der Un­mut nimmt in der Syn­thes-be­leg­schaft zu

SCHWEIZ In­te­gra­ti­on des Or­tho­pä­die­spe­zia­lis­ten in Us-mul­ti John­son & John­son be­rei­tet Pro­ble­me

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - DO­MI­NIK FELDGES

Von ei­nem «sehr auf­re­gen­den Tag» für die Mit­ar­bei­ter sprach der bis­he­ri­ge CEO des schwei­ze­ri­schame­ri­ka­ni­schen Or­tho­pä­die­kon­zerns Syn­thes, Mi­chel Or­sin­ger, als er am 14. Ju­ni per Me­di­en­mit­tei­lung den Voll­zug des Zu­sam­men­schlus­ses mit dem vom USGe­sund­heits­rie­sen John­son & John­son ( J&J) kon­trol­lier­ten Wett­be­wer­ber DePuy be­kannt­gab. Ob die rund 12 000 ehe­ma­li­gen Syn­thes-Be­schäf­tig­ten und ih­re gut 5000 DePuy-Kol­le­gen noch im­mer Feu­er und Flam­me für die Fu­si­on sind, ist zwei­fel­haft. Wie «Fi­nanz und Wirt­schaft» aus gut un­ter­rich­te­ter Qu­el­le er­fah­ren hat, herrscht in­zwi­schen mehr­heit­lich Frus­tra­ti­on statt Eu­pho­rie.

Der im End­ef­fekt 19,7 Mrd. $ teu­re Zu­sam­men­schluss wur­de erst­mals im April 2011 an­ge­kün­digt: Doch auch bald zwei Jah­re da­nach wis­sen vie­le Mit­ar­bei­ter nicht, wie es mit ih­nen wei­ter­geht. Be­son­ders ge­drückt ist die Stim­mung in Zuch­wil (SO), wo Syn­thes kurz vor dem Voll­zug des Ver­kaufs an J&J noch ei­ne neue Zen­tra­le be­zog. Die Be­schäf­tig­ten sind der­art ver­un­si­chert, dass vie­le nicht län­ger ab­war­ten wol­len und da­mit be­gon­nen ha­ben, sich nach neu­en Stel­len um­zu­se­hen. «Es wer­den fleis­sig Be­wer­bun­gen ge­schrie­ben», teil­te FuW ein mit in­ter­nen Ab­läu­fen gut ver­trau­ter In­for­mant mit.

Auch in Deutsch­land gärt es

Doch nicht nur un­ter den rund 2800 ehe­ma­li­gen Syn­thes-An­ge­stell­ten in der Schweiz, son­dern auch in ver­schie­de­nen Aus­land­märk­ten gärt es. In Deutsch­land, wo Syn­thes rund 25% des 2011 aus­ge­wie­se­nen Eu­ro­pa­um­sat­zes von knapp 1 Mrd. $ er­wirt­schaf­te­te, er­schwert die Zu­sam­men­füh­rung mit DePuy, dass Syn­thes von ei­nem Stand­ort in der Nä­he der süd­deut­schen Stadt Frei­burg im Breis­gau den Markt be­ar­bei­tet hat, wäh­rend DePuy in Nord­deutsch­land an­säs­sig ist. Eben­falls weit aus­ein­an­der lie­gen die Nie­der­las­sun­gen in Gross­bri­tan­ni­en.

In den USA, die 2011 mit 56% den mit Ab­stand gröss­ten Teil zum Syn­thes-Kon­zern­um­satz von 4 Mrd. $ bei­steu­er­ten, sorgt un­ter den Be­schäf­tig­ten für Ver­stim­mung, dass die ge­sam­te Pro­dukt­ent­wick­lung am bis­he­ri­gen US-Sitz in West Ches­ter bei Phil­adel­phia zu DePuy in Rayn­ham bei Bos­ton ver­legt wird. Meh­re­re Schlüs­sel­kräf­te von Syn­thes ha­ben des­we­gen das Un­ter­neh­men schon ver­las­sen.

Mit ei­nem letzt­jäh­ri­gen Um­satz von 5,8 Mrd. $ ist DePuy der Ju­ni­or­part­ner der fu­sio­nier­ten Or­tho­pä­die­grup­pe. Deut­lich un­ter­le­gen wa­ren die Ame­ri­ka­ner Syn­thes bis­her in der Un­fall­chir­ur­gie ( Trau­ma­to­lo­gie), wo sie es ge­ra­de mal auf 4% Markt- an­teil ver­gli­chen mit rund 50% im Fall von Syn­thes brach­ten. Dank der ein­deu­ti­gen Kräf­te­ver­hält­nis­se ha­ben die ehe­ma­li­gen Syn­thes-An­ge­stell­ten hier we­nig zu be­fürch­ten. Deut­lich kon­flikt­träch­ti­ger ist die Zu­sam­men­füh­rung des Ge­schäfts mit Wir­bel­säu­len­im­plan­ta­ten (Spi­ne-Be­reich), wo bei­de Ein­hei­ten je 10 bis 15% des Markts kon­trol­lier­ten. Na­mal Na­wa­na, der erst im März 2011 zum Chef von DePuy Spi­ne be­för­dert wor­den war, über­nahm im ver­gan­ge­nen Som­mer auch die Ver­ant­wor­tung für die Wir­bel­säu­len­ak­ti­vi­tä­ten von Syn­thes, ist aber be­reits aus­ge­schie­den. Am 12. De­zem­ber wur­de Max Rein­hardt, eben­falls ein DePuy-Mann, der Öf­fent­lich­keit als neu­er Lei­ter von DePuy Syn­thes Spi­ne vor­ge­stellt.

Die – trotz Be­glei­tung durch das Be­ra­tungs­un­ter­neh­men McKin­sey – schlep­pend ver­lau­fen­de In­te­gra­ti­on von Syn­thes in den Rie­sen J&J be­las­tet das Ge­schäft. Im drit­ten Quar­tal ver­fehl­te das Or­tho­pä­die-

John­son & John­son seg­ment mit ei­nem Um­satz von 2,3 Mrd. $ die Durch­schnitts­er­war­tung der Ana­lys­ten um knapp 4% oder 90 Mio. $. Über die ers­ten neun Mo­na­te ge­rech­net re­sul­tier­te pro for­ma im Traum­a­ge­schäft von DePuy Syn­thes ein mi­ni­ma­les Plus von 0,5%, wäh­rend sich die Ein­nah­men im Be­reich Spi­ne 4,8% zu­rück­bil­de­ten.

Nach­fra­ge­er­ho­lung ver­passt?

Ei­ne J&J-Spre­che­rin sag­te auf An­fra­ge, dass die neue Or­ga­ni­sa­ti­on von DePuy Syn­thes zu 90% ste­he. Den Mit­ar­bei­tern Klar­heit zu ver­schaf­fen, sei ein wich­ti­ger Teil des In­te­gra­ti­ons­pro­zes­ses. Ein In­ter­view mit Mi­chel Or­sin­ger, dem neu­en Ver­ant­wort­li­chen der ge­sam­ten Or­tho­pä­die­spar­te von J&J, lehn­te der Kon­zern ab.

Bes­ser un­ter­wegs ist der Mul­ti im Pharma- und Kon­sum­gü­ter­ge­schäft. Doch in der Or­tho­pä­die, die im drit­ten Quar­tal im­mer­hin 13% zum Kon­zern­um­satz von 17,1 Mrd. $ bei­trug, ist er aus­ge­rech­net jetzt mit In­te­gra­ti­ons­pro­ble­men ab­sor­biert, wo sich mit Blick auf die sin­ken­de Ar­beits­lo­sig­keit im Haupt­ab­satz­markt USA ei­ne Nach­fra­ge­er­ho­lung ab­zeich­net. Die J&J-Ak­ti­en ha­ben dank der brei­ten Aus­rich­tung des Ge­sund­heits­kon­zerns zwar will­kom­me­ne de­fen­si­ve Qua­li­tä­ten, dürf­ten kurs­mäs­sig vor­läu­fig aber wei­ter kei­ne grös­se­ren Sprün­ge ma­chen.

Zuch­wil ist wei­ter­hin Sitz für Eu­ro­pa, doch die Stim­mung bei DePuy Syn­thes ist ge­drückt.

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