Im­tech ar­bei­tet an Er­ho­lungs­kurs

NIE­DER­LAN­DE Der Tech-kon­zern mel­det klei­ne­re Ak­qui­si­ti­on – Güns­ti­ge Ein­stiegs­ge­le­gen­heit

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - HEL­MUT HETZEL,

Nach­dem der nie­der­län­di­sche Tech­no­lo­gie-Kon­zern Roy­al Im­tech in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit we­gen an­geb­li­cher Bu­chungs­ma­ni­pu­la­tio­nen und an­geb­li­cher Zah­lungs­schwie­rig­kei­ten sei­ner deut­schen Toch­ter im­mer wie­der un­er­freu­li­che Schlag­zei­len be­scher­te, über­rascht das Un­ter­neh­men nun po­si­tiv. Im­tech über­nimmt zu ei­nem nicht ge­nann­ten Preis den fin­ni­schen Bran­chen­kon­kur­ren­ten EMC Ta­lo­te­kniik­ka Oy mit rund 580 Mit­ar­bei­tern und rund 100 Mio. € Jah­res­um­satz. Die Ak­qui­si­ti­on soll An­fang 2013 ab­ge­schlos­sen sein.

EMC soll di­rekt zur Ver­bes­se­rung des Ge­winns je Im­tech-Ak­tie im kom­men­den Jahr bei­tra­gen, ver­spricht der schei­den­de Im­tech-Chef Re­né van der Brug­gen. Van der Brug­gen un­ter­streicht fer­ner, Im­tech lie­ge mit sei­ner Wachs­tums­stra­te­gie bis 2015 «auf Kurs». Bis 2015 soll der Um­satz um rund ein Drit­tel auf dann 8 Mrd. € ge­stei­gert wer­den, bei ei­ner Ebi­ta-Mar­ge zwi­schen 6 und 7%. Der­zeit sind es 5,6% (vgl. FuW Nr. 53 vom 4. Ju­li). Al­lein in der Re­gi­on Nor­dic (Finn­land, Schwe­den, Nor­we­gen) sol­len die Ein­nah­men bis 2015 um rund ein Drit­tel auf 1 Mrd. € wach­sen.

An der Bör­se be­grüss­ten die An­le­ger die be­vor­ste­hen­de Ak­qui­si­ti­on in Finn­land. Im­tech ist in den Sek­to­ren Ener­gie­Ef­fi­zi­enz, Um­welt, Mo­bi­li­tät (be­son­ders in­te­grier­te Ver­kehrs­leit- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me) so­wie ma­ri­ti­me Sys­te­me für die Schiff­fahrt ak­tiv. Die Va­lo­ren zo­gen am Di­ens­tag in Ams­ter­dam 1% auf 17.25 € an. Der Markt war er­leich­tert dar­über, dass es von dem in der Kä­se­stadt Gou­da an­säs­si­gen Un­ter­neh­men end­lich wie­der gu­te Nach­rich­ten gab.

Va­ge Ver­dachts­mo­men­te

Denn Im­tech war in den ver­gan­ge­nen Wo­chen im­mer wie­der ne­ga­tiv in den Schlag­zei­len.Zwei ku­rio­se Ana­lys­ten­be­rich­te der ABN Am­ro­bank wa­ren die Ur­sa­che. Im ers­ten ABN-Am­ro-Be­richt zu Im­tech En­de No­vem­ber war die Re­de da­von, dass die deut­sche Im­tech-Toch­ter Li­qui­di­täts­pro­ble­me in Deutsch­land und in Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa ha­be. Die Im­tech-Gläu­bi­ger dort wür­den ih­re Rech­nun­gen an­geb­lich durch­schnitt­lich erst nach 232 Ta­gen be­zah­len. Dar­auf­hin ver­lo­ren die Im­techAk­ti­en 10% an Wert. Im­tech-Chef Re­né van der Brug­gen de­men­tier­te die Mel­dun­gen. Er hielt fest, dass die Im­tech-Kun­den in Deutsch­land und Zen­tral­eu­ro­pa ih­re Rech­nun­gen durch­schnitt­lich nach 70 Ta­gen be­gli­chen. Von Li­qui­di­täts­eng­päs­sen in die­ser Re­gi­on kön­ne kei­ne Re­de sein. Deutsch­land ist für Im­tech der wich­tigs­te Ab­satz­markt.

Dann wur­de ein Kon­flikt, den der ehe­ma­li­ge Im­tech-Ma­na­ger Henk Di­jk­man mit sei­nem frü­he­ren Ar­beit­ge­ber hat, be­kannt. Di­jk­man, der einst die Im­techToch­ter Ven­ti­lex lei­te­te, for­dert Bo­nus­nach­zah­lun­gen für das Jahr 2009 in Hö­he von 150 000 €, weil Ven­ti­lex sei­ner Mei­nung nach in die­sem Jahr Ge­winn ge­macht ha­be. Der Im­tech-Vor­stand wi­der­sprach. Ven­ti­lex ha­be in die­sem Jahr ro­te Zah­len ge­schrie­ben, be­haup­tet er. Das schock­te den Markt. Plötz­lich stand die Mög­lich­keit ei­ner Bu­chungs­ma­ni­pu­la­ti­on im Raum. Die Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft KPMG stell­te klar, dass es in den Im­tech-Bü­chern kei­ne Bu­chungs­ma­ni­pu­la­tio­nen ge­ge­ben ha­be.

Doch die An­le­ger blie­ben miss­trau­isch, die Ak­ti­en blie­ben un­ter Ver­kaufs­druck. Dem eins­ti­gen Bör­sen­lieb­ling Im­tech ent­zo­gen vie­le In­ves­to­ren ih­re Gunst. Der Kurs sank seit der Pu­bli­ka­ti­on des ers­ten ABN-Am­ro-Be­richts rund 15% auf das der­zei­ti­ge Kurs­ni­veau von rund 17.25 €, ob­wohl ABN Am­ro ge­ra­de erst am 12. De­zem­ber ei­nen zwei­ten Be­richt pu­bli­zier­te, der we­sent­lich ro­si­ger aus­fiel, aber an den an­geb­li­chen Zah­lungs­pro­ble­men in Deutsch­land fest­hielt. Im­tech wi­der­sprach er­neut. Auch gab das Un­ter­neh­men in ei­nem Tra­ding Up­date be­kannt, das Or­der­porte­feuille sei im drit­ten Quar­tal 2012 im Jah­res­ver­gleich um 12% auf 6,4 Mrd. € ge­stie­gen. Fer­ner hiess es dar­in: «Die fi­nan­zi­el­le Po­si­ti­on ist sta­bil.»

Neu­er Chef, neue Ak­zen­te

Im kom­men­den Jahr wird Ger­ard van der Aast den der­zei­ti­gen Vor­stands­chef Re­né van der Brug­gen, der Im­tech zehn Jah­re lei­te­te und gross und er­folg­reich mach­te, ab­lö­sen. Wie bei ei­nem Ma­nage­ment­wech­sel an der Spit­ze ei­nes Un­ter­neh­mens üb­lich, ist zu er­war­ten, dass er ei­ge­ne Ak­zen­te set­zen wird.

Die meis­ten Ana­lys­ten – aus­ser de­nen der ABN Am­ro und der Fries­land Bank – emp­feh­len Im­tech trotz der jüngs­ten Tur­bu­len­zen zum Kauf. Die Ti­tel sind für 2013 auf­grund der ak­tu­el­len Ge­winn­schät­zun­gen und der jüngs­ten Kurs­rück­schlä­ge mit ei­nem KGV von 7 güns­tig be­wer­tet. Ri­si­ko­fä­hi­ge An­le­ger kön­nen das ge­drück­te Kurs­ni­veau für Käu­fe nut­zen. Vor­sich­ti­ge An­le­ger war­ten ab, bis der Kurs des künf­ti­gen Im­tech-Chefs Ger­ard van der Aast im kom­men­den Jahr deut­lich wird.

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