Kar­dex macht’s span­nend

SCHWEIZ Ver­kauf der Toch­ter Stow erst 2013 – Kei­ne grös­se­ren Zu­käu­fe ge­plant

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE/KONSUM - AR­NO SCHMOCKER

Die Kar­dex-Grup­pe bleibt vor­erst, wie sie ist – aber al­ler Vor­aus­sicht nach nicht mehr all­zu lan­ge. Der Ver­kauf der Toch­ter­ge­sell­schaft Stow ist nun­mehr im Prin­zip be­schlos­se­ne Sa­che. Doch weil die Fi­nan­zie­rung der Trans­ak­ti­on noch nicht ge­re­gelt ist und Kar­dex den Jah­res­ab­schluss ab­war­ten will, dürf­te sich der Ver­trags­ab­schluss bis April hin­zie­hen. Kommt er zu­stan­de, stellt sich die Fra­ge, was mit dem Er­lös von mut­mass­lich 70 Mio. € ge­schieht.

Das La­ger­lo­gis­tik-Un­ter­neh­men ist mit ei­nem in­dus­tri­el­len Part­ner in den Gr­und­zü­gen ei­nig ge­wor­den, auch was die Be­wer­tung be­trifft, teil­te Kar­dex am Di­ens­tag mit. Bei­de Sei­ten sind wil­lens, die Trans­ak­ti­on ab­zu­schlies­sen. Der Kauf­in­ter­es­sent ist auf dem­sel­ben Ge­biet tä­tig. Die bei­den Un­ter­neh­men er­gän­zen sich in geo­gra­fi­scher Hin­sicht. Stow soll ver­kauft wer­den; die Va­ri­an­te Jo­int Ven­ture wur­de fal­len­ge­las­sen.

In grös­se­re Hän­de über­ge­ben

Stow bie­tet sta­ti­sche Re­gal­sys­te­me an und er­wirt­schaf­tet 36% des Grup­pen­um­sat­zes. Der Zeit­punkt, die 2001 er­wor­be­ne Ge­sell­schaft zu ver­äus­sern, ist güns­tig. In den ver­gan­ge­nen 18 Mo­na­ten ist sie neu aus­ge­rich­tet wor­den und hat ihr Er­geb­nis er­heb­lich ge­stei­gert. Mit ei­nem Be­triebs­er­geb­nis von 5% und ei­ner Ren­di­te von 15% auf dem ein­ge­setz­ten Ka­pi­tal ar­bei­tet sie un­ter­des­sen am obe­ren Rand des Ren­ta­bi­li­täts­ziels. Der nächs­te Ent­wick­lungs­schritt, geo­gra­fi­sche Ex­pan­si­on und wei­te­res Wachs­tum, wä­re mit ho­hen In­ves­ti- tio­nen ver­bun­den. Die Grup­pe möch­te lie­ber die Di­vi­si­on Remstar för­dern, in der die Be­triebs­mar­gen dop­pelt so hoch sind.

Aus dem Ver­kauf ent­steht ein Buch­ge­winn. Der Un­ter­neh­mens­wert ist auf et­wa 70 Mio. € zu ver­an­schla­gen (ba­sie­rend auf ei­nem Be­triebs­ge­winn von 10 Mio. € und ei­nem Mul­ti­pli­ka­ti­ons­fak­tor von 7). Je nach stra­te­gi­schem In­ter­es­se ist ein Käu­fer auch ge­willt, für die kos­ten­ef­fi­zi­ent ar­bei­ten­de Stow mehr zu be­rap­pen.

Was wird Kar­dex mit den Mit­teln tun? Die Pa­let­te um­fasst ei­nen wei­te­ren Ab­bau der Brut­to­schul­den – net­to dürf­te die

Kar­dex N Grup­pe En­de Jahr schul­den­frei da­ste­hen –, Rück­zah­lung an die Ak­tio­nä­re via Son­der­di­vi­den­de und In­ves­ti­tio­nen in die ver­blei­ben­den Töch­ter Remstar und Mlog.

Noch ein Tur­naround

Remstar ist mit ei­nem Markt­an­teil von 40% füh­rend im Be­reich dy­na­mi­sche La­ger­sys­te­me. Grös­se­re Ak­qui­si­tio­nen sind kei­ne ge­plant. Die 2010 zu­ge­kauf­te Mlog (Ma­te­ri­al­fluss-Sys­te­me, au­to­ma­ti­sche Hoch­re­gal­la­ger) ist im Tur­naround. Wäh­rend Remstar und Stow vor zwei Jah­ren Pro­ble­me be­kun­de­ten, die Stra­te­gie ge­winn­brin­gend um­zu­set­zen, muss Mlog die Stra­te­gie selbst än­dern: weg von Gross­pro­jek­ten hin zu klei­ne­ren Auf­trä­gen und Pro­dukt­lö­sun­gen. Der letzt­jäh­ri­ge Be­triebs­ver­lust von 2,4 Mio. € wird 2012 deut­lich nied­ri­ger aus­fal­len. Doch bis Mlog die an­ge­streb­te Be­triebs­mar­ge von 5 bis 8% er­rei­chen wird, ver­ge­hen Jah­re.

Die Kar­dex-Ak­ti­en no­tier­ten am Di­ens­tag leicht hö­her. Nach ei­nem Kurs­ge­winn von 110% in die­sem Jahr (Per­for­mance über drei Jah­re –23%; über fünf Jah­re –59%) sind bis zur Ver­öf­fent­li­chung des Jah­res­re­sul­tats 2012 Mit­te März kei­ne Kurstrei­ber ab­zu­se­hen. Auch die ver­hal­te­nen Kon­junk­tur­pro­gno­sen für Kar­dex’ Haupt­ab­satz­markt Eu­ro­pa spre­chen nicht für Kurs­a­van­cen. Die Ak­ti­en sind zu hal­ten. So­bald der Ver­kauf von Stow zu­stan­de kommt, sind die wei­te­re Zu­kunft und die Fra­ge der Selb­stän­dig­keit der Grup­pe neu zu be­ur­tei­len.

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