Steu­er­ge­rech­tig­keit

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - AL­FONS R. SCHMID, HEL­MUT HIRTZ, OT­TO WEIERSMÜLLER,

FuW Nr. 97 vom 8. De­zem­ber Den Bei­trag «Steu­er­ge­rech­tig­keit be­ginnt zu Hau­se» von Man­fred Rösch ha­be ich mit Freu­de ge­le­sen. Das sehr kom­ple­xe deut­sche Steu­er­sys­tem und die ho­hen Spit­zen­steu­er­sät­ze tra­gen si­cher­lich da­zu bei, dass Steu­ern hin­ter­zo­gen wer­den. Ei­ne Schwä­che des dor­ti­gen Steu­er­sys­tems liegt in der Tat­sa­che, dass Deutsch­land die Ver­mö­gens­steu­er vor ei­ni­gen Jah­ren ab­ge­schafft hat. Ver­mö­gens­stands­kon­trol­len sind al­so nicht mög­lich. Die Ef­fi­zi­enz der deut­schen Steu­er­be­hör­den ist of­fen­bar nicht sehr gut. Wie kommt es, dass Selb­stän­di­ger­wer­ben­de und In­ha­ber von KMU und mög­li­cher­wei­se Ka­der von be­deu­ten­den Un­ter­neh­mun­gen lau­fend gros­se Be­trä­ge nicht als Ein­kom­men de­kla­rie­ren und ver­steu­ern, oh­ne dass die Fi­nanz­äm­ter dies fest­stel­len? Es ist of­fen­bar leich­ter, über ein Nach­bar­land her­zu­zie­hen, als im ei­ge­nen Land ver­an­la­gungs­mäs­sig prä­zis zu ar­bei­ten. Die deut­sche Po­li­tik soll­te für die Ka­pi­tal­an­la­ge­kul­tur mehr Spür­sinn ent­wi­ckeln. Er­in­nert sei an den Plan ei­nes frü­he­ren Fi­nanz­mi­nis­ters, der nicht nur Ge­win­ne von Fir­men, son­dern auch ih­re Schuld­zin­sen ver­steu­ern woll­te. Wie kann ei­gent­lich be­grün­det wer­den, dass be­reits ver­steu­er­tes Geld bei der An­la­ge wie­der ver­steu­ert wer­den muss? Tref­fend be­merk­te 2008 der So­zi­al­ethi­ker und Do­mi­ni­ka­ner­pa­ter Wolf­gang Ocken­fels: «Der Staat greift so stark in das Recht auf Pri­vat­ei­gen­tum ein, das Recht, das die Frei­heit ver­bürgt, dass vie­le Bür­ger nach Aus­we­gen sin­nen.» Der Staat selbst scheut sich nicht vor Rechts­brü­chen, wie die Eu­ro­kri­se zeigt. Was un­ter­nimmt der Staat ge­gen Schwarz­ar­beit? Er­in­nert sei an die bei­den Wirt­schafts­no­bel- preis­trä­ger Wil­li­am Vick­rey und Ja­mes Mirr­lees von 1996. Von ih­nen könn­ten viel­leicht An­re­gun­gen ge­won­nen wer­den, wie ein Staat sein Steu­er­sys­tem ge­stal­ten muss. Na­tür­lich ist dies an­spruchs­vol­ler als rei­ne Um­ver­tei­lung. Nach­ge­dacht wer­den soll­te dar­über, wer die wich­tigs­ten Geld­ge­ber und die ei­gent­li­chen Ri­si­ko­trä­ger der Wirt­schaft sind. Un­ser Bank­ge­heim­nis ist prak­tisch Ge­schich­te. Nach dem leicht er­run­ge­nen Sieg über un­se­ren Fi­nanz­platz wächst im Aus­land der Ap­pe­tit auf mehr, zu­mal von un­se­rem Bun­des­rat in sei­ner jet­zi­gen Zu­sam­men­set­zung kaum Wi­der­stand zu er­war­ten ist. Als lo­gi­sche Fol­ge kom­men nun wei­te­re For­de­run­gen – un­ter­mau­ert mit Droh­ku­lis­sen und Ter­min­vor­ga­ben – auf uns zu. Die EU bei­spiels­wei­se hat nun un­se­re Un­ter­neh­mens­steu­ern im Vi­sier: Sie sei­en zu nied­rig und ver­zerr­ten den Wett­be­werb. Aber: Ei­ner­seits ist doch die EU für Wett­be­werb und be­kämpft Kar­tel­le der Pri­vat­wirt­schaft mit hap­pi­gen Bus­sen, an­de­rer­seits ist sie je­doch selbst ein Kar­tell, näm­lich ein Hoch­steu­er­kar­tell. Ent­spre­chen­de Vor­ga­ben aus Brüssel er­mög­li­chen es den EU-Län­dern, ih­ren Bür­gern mög­lichst viel vom Ein­kom­men weg­zu­steu­ern. Die neue For­de­rung der EU soll den Weg­zug der Roh­stoff­kon­zer­ne aus der Schweiz und da­mit den Ver­lust von Ar­beits­plät­zen und Steu­er­ein­nah­men be­wir­ken. Die EU be­grün­det ih­re nicht be­schei­de­nen Be­geh­ren je­weils mit dem Ar­gu­ment, wir hät­ten den EU-Markt vor un­se­rer Haus­tür und hät­ten uns des­halb an­zu­pas­sen. Die EU hat aber ih­rer­seits den schwei­ze­ri­schen Markt vor ih­rer Haus­tür. Ob­wohl wir mehr Wa­ren aus der EU be­zie­hen als um­ge­kehrt, ver­lan­gen wir kei­ner­lei An­pas­sung, we­der von der EU noch von ei­nem an­de­ren Han­dels­part­ner. Falls der Bun­des­rat wie­der ein­knickt, was lei­der zu er­war­ten ist, kom­men um­ge­hend neue For­de­run­gen auf uns zu, und zwar sol­che, die uns nur Nach­tei­le brin­gen.

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