Swiss Ma­de As­set Ma­nage­ment als Welt­mar­ke

Der Fi­nanz­platz Schweiz bie­tet weit mehr als nur Pri­va­te Ban­king – Nun gilt es, As­set-ma­nage­ment-kom­pe­ten­zen über die Schwei­zer Gren­zen hin­aus be­kannt zu ma­chen

Finanz und Wirtschaft - - SERIE: ASSET MANAGEMENT - GÉ­R­ARD FI­SCHER

DFo­kus­sie­rung

er Fi­nanz­platz Schweiz spielt in­ter­na­tio­nal ei­ne be­deu­ten­de Rol­le. Wahr­ge­nom­men wird er in ers­ter Li­nie als Kom­pe­tenz­zen­trum für Pri­va­te Ban­king und We­alth Ma­nage­ment, und lei­der auch als Zen­trum für nicht de­kla­rier­te Gel­der. Ein Zen­trum für As­set Ma­nage­ment ist die Schweiz noch nicht, und in der Schweiz wird die­se Dis­zi­plin nur be­grenzt als selb­stän­di­ge Kom­pe­tenz ge­se­hen. Wie soll sich dies än­dern?

Tra­di­tio­nell do­mi­nie­ren in der Schweiz Uni­ver­sal­ban­ken oder Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ban­ken mit ei­ner star­ken Han­dels­ab­tei­lung und gut aus­ge­bau­tem We­alth Ma­nage­ment. Dar­in ist das As­set Ma­nage­ment in der Re­gel nur von un­ter­ge­ord­ne­ter Be­deu­tung, so­wohl in Be­zug auf den Er­trag, der vor al­lem dem Ver­trieb zu­ge­rech­net wird, als auch be­züg­lich der Re­le­vanz für die Kun­den. As­set Ma­nage­ment be­deu­tet je­doch ei­ne kla­re Fo­kus­sie­rung auf den An­la­ge­pro­zess, der im Rah­men der ver­ein­bar­ten Re­geln und Pro­zes­se ei­nen Mehr­wert für die In­ves­to­ren schafft. Da­zu ge­hö­ren heu­te in ers­ter Li­nie auf­wen­di­ge Pro­zes­se im Port­fo­lio­ma­nage­ment mit ei­nem ent­spre­chen­den Risk Ma­nage­ment so­wie die strik­te Un­ab­hän­gig­keit von an­de­ren Fi­nanz­funk­tio­nen, um mög­li­che In­ter­es­sen­kon­flik­te zu ver­mei­den.

Die Fo­kus­sie­rung auf das As­set Ma­nage­ment stellt den Kun­den­nut­zen in den Vor­der­grund. Ein Aus­wei­chen auf an­de­re Er­trags­kom­po­nen­ten aus dem Han­del, dem In­vest­ment Ban­king etc. ist kaum mehr mög­lich. Nach der Fi­nanz­kri­se hat das Be­wusst­sein für mög­li­che In­ter­es­sen­kon­flik­te zu­ge­nom­men. Vor­ab in­sti­tu­tio­nel­le An­le­ger in­ter­es­sie­ren sich heu­te aus­ser für die Per­for­mance so­wie die Ri­si­ken und die Kos­ten viel mehr als frü­her auch für Or­ga­ni­sa­ti­on, Füh­rung, Bo­nus­sys­te­me der Port­fo­lio­ma­na­ger, Risk Ma­nage­ment, In­vest­ment Con­trol­ling etc.

Swiss­ness

Um in­ter­na­tio­nal kon­kur­renz­fä­hig zu sein, reicht es je­doch nicht, Stra­te­gi­en an­de­rer Fi­nanz­plät­ze zu ko­pie­ren. So, wie es Tei­le der In­dus­trie im­mer wie­der ge­schafft ha­ben, Swiss­ness in ih­ren Pro­duk­ten und Di­enst­leis­tun­gen zu ent­wi­ckeln und zu zei­gen, muss sich auch das As­set Ma­nage­ment in der Schweiz wei­ter­ent­wi­ckeln. Swiss­ness im As­set Ma­nage­ment muss auf den Stär­ken der Mar­ke Schweiz be­ru­hen: Fair­ness, Prä­zi­si­on, Zu­ver­läs­sig­keit und In­no­va­ti­on. An­le­ger, die ihr Ver­mö­gen ei­nem Schwei­zer As­set-Ma­na­ger an­ver­trau­en, müs­sen sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass bes­tes Know-how ein­ge­setzt wird, die füh­ren­den Ide­en um­ge­setzt wer­den, Ver­spre­chen ein­ge­hal­ten wer­den, nur ver­ein­bar­te Ri­si­ken ein­ge­gan­gen wer­den, aus­ge­wie­se­ne Per­for­man­ces, Re­ports und Zah­len voll­stän­dig und rich­tig sind, dass Feh­ler kor­ri­giert und Schä­den aus Kunst­feh­lern zu­las­ten der An­le­ger aus­ge­gli­chen wer­den und vor al­lem dass das an­ge­wand­te Know-how im As­set Ma­nage­ment Sta­te of the Art ist. Die be­ste­hen­den po­si­ti­ven Ei­gen­schaf­ten der Schweiz wie po­li­ti­sche Sta­bi­li­tät, kul­tu­rel­le Viel­falt, Ge­nau­ig­keit, Rechts­si­cher­heit etc. er­gän­zen die Ei­gen­schaf­ten des Swiss Ma­de As­set Ma­nage­ment.

Be­vor ein Brand ent­ste­hen kann, braucht es die Sub­stanz mit den ge- wünsch­ten Ei­gen­schaf­ten. Sie be­steht in die­sem Fall aus hoch­kom­pe­ten­ten As­set­Ma­na­gern, die die oben ge­nann­ten Ei­gen­schaf­ten er­fül­len – oh­ne Aus­nah­me. Der Wett­be­werb ist die bes­te Me­tho­de, um Viel­falt und Qua­li­tät zu er­rei­chen und An­bie­ter, die die Stan­dards nicht er­fül­len, aus dem Markt zu drän­gen.

Mit ei­ner klu­gen und ko­or­di­nier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie wird die Brand Awa­ren­ess ge­schaf­fen, die wie­der­um da­zu führt, dass je­der ernst­haf­te As­set-Ma­na­ger zur Über­zeu­gung ge­langt, dass er auch in der Schweiz prä­sent sein muss, und je­der ernst­haf­te An­le­ger zum Schluss kommt, dass er hier die bes­ten Leis­tun­gen er­hält. Bei­des ent­steht nicht in ein paar Mo­na­ten und von al­lein, des­halb müs­sen heu­te die Wei­chen ge­stellt wer­den.

Was nö­tig ist

Ei­ne der wich­tigs­ten Mass­nah­men ist ei­ne ein­heit­li­che ge­setz­li­che Re­ge­lung, die für al­le im As­set Ma­nage­ment tä­ti­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen in der Schweiz gilt. Es kann nicht Sa­che des An­le­gers sein, her­aus­zu­fin­den, ob bei ei­nem be­stimm­ten An­bie­ter ei­ne Auf­sicht be­steht oder wel­che Auf­sicht in sei­nem Fall da­für zu­stän­dig ist. Die Si­tua­ti­on in der Schweiz ist lü­cken­haft, in­kon­sis­tent und kei­nem In­ves­tor wirk­lich zu­mut­bar.

Stan­dards punk­to As­set Ma­nage­ment, Risk Ma­nage­ment, In­vest­ment Con­trol­ling und Re­porting müs­sen be­kannt sein und an­ge­wen­det wer­den. Stan­dards sind da­bei nicht der kleins­te ge­mein­sa­me Nen­ner, auf den man sich ge­ra­de noch ei­ni­gen kann, son­dern das, was für die An­le­ger von Be­deu­tung ist und ei­nen Wert hat. Ge­set­ze und Stan­dards müs­sen der je­wei­li­gen Ak­ti­vi­tät an­ge­passt sein und sol­len von klei­nen, mitt­le­ren und gros­sen An­bie­tern um­ge­setzt wer­den kön­nen. Zu kom­ple­xe Re­geln er­hö­hen die Kos­ten und füh­ren zu Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen. Sie ver­hin­dern den ge­sun­den Wett­be­werb, der für die Qua­li­tät un­ab­ding­bar ist.

As­set Ma­nage­ment setzt viel Know­how vor­aus. Das Wis­sen und die For­schung von Hoch­schu­len und an­de­ren Aus­bil­dungs­stät­ten ha­ben für die An­le­ger erst ei­nen Nut­zen, wenn sie auch in der Pra­xis an­ge­wen­det wer­den. Des­halb ist hier ei­ne für bei­den Sei­ten frucht­ba­re Zu­sam­men­ar­beit wei­ter zu för­dern.

Ne­ben den ge­setz­li­chen Grund­la­gen braucht es auch für die je­wei­li­gen An­la­gen pas­sen­de An­la­ge­ge­fäs­se. Da­zu ge­hö­ren vor al­lem kol­lek­ti­ve In­vest­ments. Sie müs­sen nicht nur aus­rei­chen­de Fle­xi­bi­li­tät be­züg­lich der mög­li­chen An­la­gen an­bie­ten, son­dern gleich­zei­tig ge­währ­leis­ten, dass der In­ves­tor sich auf die­se Ge­fäs­se ver­las­sen kann und für ihn steu­er­lich kei­ne Nach­tei­le ent­ste­hen. Das Aus­wei­chen auf aus­län­di­sche Do­mi­zi­le für die Pro­duk­te ist be­dau­er­li­cher­wei­se heu­te im­mer noch häu­fig not­wen­dig, hat aber für die An­le­ger im­mer den Nach­teil der er­höh­ten Kom­ple­xi­tät auf­grund der un­ter­schied­li­chen ge­setz­li­chen Grund­la­gen.

Es ist un­schwer fest­zu­stel­len, dass wir heu­te noch nicht so weit sind, um die Mar­ke Swiss Ma­de As­set Ma­nage­ment zu be­grün­den. Ne­ben aus­ge­zeich­ne­ten Vor­aus­set­zun­gen, die wir in der Schweiz ge­ne­rell und spe­zi­ell auf­grund des heu­ti­gen Fi­nanz­plat­zes be­reits ha­ben, sind ein­zel­ne ver­heis­sungs­vol­le Initia­ti­ven aus­zu­ma­chen, die in die­se Rich­tung zie­len. Dies wird je­doch nicht ge­nü­gen.

Als In­dus­trie, als Markt­teil­neh­mer, als An­le­ger und Staats­bür­ger kön­nen wir al­le un­se­ren Bei­trag lie­fern. Es ist ein­fach fest- zu­stel­len, was al­les noch nicht gut ist oder was an­de­re ma­chen müss­ten. Dies bringt uns je­doch noch nicht vor­an. Es geht dar­um, Ide­en und Vor­schlä­ge zu er­ar­bei­ten und vor al­lem um­zu­set­zen, da­mit wir die­ses Ziel er­rei­chen. Je­der von uns kann da­zu bei­tra­gen, in­dem er sich ein­setzt in der Über­zeu­gungs­ar­beit, in der Ver­bands­ar­beit, in sei­ner As­set-Ma­nage­ment-Or­ga­ni­sa­ti­on oder in­dem er selbst ein neu­es An­ge­bot ent­wi­ckelt und rea­li­siert.

Haus­auf­ga­ben

Al­le Bei­trä­ge sind wich­tig für den Er­folg. Die Swiss Funds As­so­cia­ti­on nimmt die Er­ar­bei­tung von Stan­dards in An­griff. Al­lein kann sie je­doch nicht er­folg­reich sein. Des­halb wird sie ver­su­chen, ih­re Vor­stel­lun­gen ein­zu­brin­gen im Dia­log mit Auf­sichts­be­hör­den, Ver­wal­tung, Po­li­tik und al­len in­ter­es­sier­ten Par­tei­en.

Die schwei­ze­ri­sche Volks­wirt­schaft be­fin­det sich im Um­bruch, so­wohl die In­dus­trie wie auch der Fi­nanz­sek­tor. Die Ein­schnit­te sind teil­wei­se schmerz­lich und er­zwin­gen ei­ne Neu­ori­en­tie­rung. In der Ver­gan­gen­heit hat die Schweiz im­mer wie­der neue Lö­sun­gen und at­trak­ti­ve Tä­tig­keits­ge­bie­te ge­fun­den und so zum Wohl­stand bei­ge­tra­gen. Der Fi­nanz­sek­tor war ein wich­ti­ger Wirt­schafts­zweig und kann es wei­ter­hin blei­ben, wird sich aber auch an­pas­sen müs­sen. Swiss Ma­de As­set Ma­nage­ment kann da­zu ei­nen Bei­trag leis­ten und bringt ei­nen zu­sätz­li­chen di­rek­ten Nut­zen bei der er­folg­rei­chen Ver­mö­gens­an­la­ge in der Schweiz. Die Kar­ten für die bes­ten Po­si­tio­nen in der Wirt­schaft wer­den im­mer wie­der neu ver­teilt – und des­halb ist es nie zu spät. Gé­r­ard Fi­scher, CEO Swis­scan­to Hol­ding, Vi­ze­prä­si­dent Swiss Funds As­so­cia­ti­on.

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